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Olaf kommt zurück: Der Fortschritt fährt im Kreis

POLITIK · GESCHICHTE · GESELLSCHAFT


Satire · Fiktives Szenario: Eine erfundene Rückkehr von Olaf Scholz zeigt, wie leicht politische Wiederverwertung als Neuanfang erscheinen kann.
Von Ralf Schönert • 25. September 2026

Olaf Scholz kehrt ins Kanzleramt zurück – in diesem Gedankenspiel. Die Republik hätte damit ihre bequemste Form der Erneuerung gefunden: Man holt das vertraute Personal wieder herein und erklärt die Gebrauchsspuren zu Erfahrung. Die entscheidende Frage lautet, was sich durch eine Rückkehr eigentlich ändern würde – außer dem Foto an der Wand.

Zunächst die Wirklichkeit: Am 25. September 2026 ist Friedrich Merz Bundeskanzler.[1] Der Bundestag wählte ihn am 6. Mai 2025 zum Nachfolger von Olaf Scholz.[2] Die folgende Rückkehr findet ausschließlich auf dieser satirischen Bühne statt. Dort darf die politische Fantasie bereits einziehen, während draußen noch die Verfassung gilt.

In unserer Berliner Versuchsanordnung würde zunächst der rote Teppich ausgerollt. Er müsste eine Schleife beschreiben und wieder dort enden, wo er begonnen hat. Auf dem Podium stünde das vertraute Gesicht, daneben ein frisch gedrucktes Wort: Aufbruch. Die Büromöbel könnten bleiben. Für den historischen Neubeginn wäre lediglich die Drehrichtung des Kanzlersessels anzupassen.

Die Zukunft aus dem Fundus

Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die SPD 16,4 Prozent der Zweitstimmen; 2021 waren es 25,7 Prozent gewesen.[3] Ein Wahlergebnis lässt sich kaum auf einen einzigen Namen reduzieren. Umso erstaunlicher wäre der Versuch, die Antwort auf eine politische Niederlage auf genau einen Namen zu verkürzen. Unsere erfundene Comeback-Abteilung könnte die Niederlage zur dramaturgisch notwendigen Unterbrechung erklären. Jedes Comeback braucht schließlich einen Abgang. Die Wählerschaft hätte dann unfreiwillig beim Spannungsaufbau geholfen.

Besonders praktisch wäre die nachträgliche Überarbeitung der politischen Erinnerung. Aus enttäuschten Erwartungen würden Erfahrungen, aus verbrauchten Formeln vertraute Gewissheiten. Was gestern nach Fortsetzung klang, bekäme heute das Etikett Rückkehr. Politische Nostalgie ist die Kunst, aus einer abgeschlossenen Amtszeit ein Versprechen zu machen, dessen Kleingedrucktes niemand mehr liest.

Politische Nostalgie ist die Kunst, aus einer abgeschlossenen Amtszeit ein Versprechen zu machen, dessen Kleingedrucktes niemand mehr liest.

Der Bundestag möchte auch etwas dazu sagen

Dann käme der unromantische Teil. Für einen Kanzlerwechsel durch ein konstruktives Misstrauensvotum müsste der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählen. Anschließend müsste der Bundespräsident dem Ersuchen um Entlassung entsprechen und den Gewählten ernennen. So bestimmt es Artikel 67 des Grundgesetzes.[4] Ein vertrautes Gesicht ersetzt dabei keine einzige Stimme.

Unsere fiktive Rückholaktion müsste deshalb zwischen Fototermin und Schlüsselübergabe noch eine parlamentarische Mehrheit beschaffen. Das wäre lästig, aber vorgesehen. Auch ein alter Hausausweis öffnet keine verfassungsrechtliche Hintertür. Die erfundene Festrede könnte längst fertig sein; beim Zählen der Abgeordneten würde selbst die schönste Comeback-Musik vorübergehend auf Zimmerlautstärke geregelt.

Ein Gesicht ist noch kein Regierungsprogramm

Politische Erfahrung kann wertvoll sein. Ihr Wert zeigt sich daran, welche Konsequenzen jemand aus früheren Entscheidungen zieht. Eine ernsthafte Rückkehr müsste deshalb Fragen beantworten: Welche Prioritäten gelten? Wie werden Konflikte entschieden? Was geschieht beim Wohnen, bei Investitionen und bei der Finanzierung? Eine Lebenslaufzeile bietet dafür erstaunlich wenig Platz.

Hier liegt der Widerspruch unseres Gedankenspiels: Je vertrauter das Personal, desto leichter kann die Prüfung seines Programms entfallen. Man kennt sich schließlich. Die Sehnsucht nach einem bekannten Gesicht liefert noch keinen Maßstab für gute Politik. Im erfundenen Fernsehstudio ließe sich immerhin sofort diskutieren, ob die Rückkehr historisch sei. Die Frage, wozu sie gut wäre, könnte aus Zeitgründen auf die nächste Sendung verschoben werden.

Mein Fazit

Eine erfundene Rückkehr von Olaf Scholz erzählt vor allem von der Versuchung, Erneuerung als Personaltransport zu organisieren. Ein Neuanfang müsste erklären, was aus der Vergangenheit gelernt wurde und was künftig anders geschehen soll. Bis dahin könnte der rote Teppich im Kreis liegen bleiben. Bewegung wäre vorhanden. Über die Richtung müsste noch beraten werden.

Meine Quellen
[1] Offizielle Seite des Bundeskanzlers – Amtsinhaber Friedrich Merz; abgerufen am 25. September 2026
https://www.bundeskanzler.de/bk-de

[2] Deutscher Bundestag – Kanzlerwahl vom 6. Mai 2025
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw19-de-kanzlerwahl-1062470

[3] Die Bundeswahlleiterin – Endgültiges Ergebnis der Bundestagswahl 2025, 14. März 2025
https://www.bundeswahlleiterin.de/info/presse/mitteilungen/bundestagswahl-2025/29_25_endgueltiges-ergebnis.html

[4] Deutscher Bundestag – Konstruktives Misstrauensvotum, Artikel 67 GG
https://www.bundestag.de/services/glossar/konst_misstrau-245482

Meine Kommentare:
https://polite-tanuki-5ee74a.netlify.app
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