Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Gesellschaft" werden angezeigt.

Wie Deutschland Lebensmittel einkauft

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wie Deutschland Lebensmittel einkauft Zwischen Discounter, App-Rabatt und Nachhaltigkeitsanspruch zeigt sich, dass der Lebensmitteleinkauf längst mehr ist als Privatsache: Er ist ein Gradmesser für Kaufkraft, Marktmacht und Verbraucherschutz. Von Ralf Schönert  •  8. August 2026 Wer in Deutschland Lebensmittel einkauft, handelt nicht nur nach Geschmack oder Gewohnheit. Er reagiert auf hohe Preise, auf ein stark konzentriertes Handelssystem und zunehmend auch auf digitale Rabattlogiken. Der Wocheneinkauf ist damit zu einer politischen Alltagserfahrung geworden. Lange galt der Supermarkt als unpolitischer Ort: Man kaufte ein, was man brauchte, und zahlte, was auf dem Schild stand. Diese Selbstverständlichkeit ist brüchig geworden. Preisbewusstsein, Herkunft, Tierwohl, Nachhaltigkeit und die Frage nach fairen Angeboten konkurrieren heute bei fast jedem Einkauf miteinander. Gerade darin spiegelt sich ein gesellschaftliche...

Der 2. August und die Lücke im europäischen Gedächtnis

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum der Genozid an den Sinti und Roma bis heute eine Gegenwartsfrage ist. Von Ralf Schönert  •  2. August 2026 Kurzthese: Der Genozid an den Sinti und Roma war Teil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, wurde nach 1945 jedoch jahrzehntelang verdrängt. Der 2. August erinnert deshalb auch an die Lücken und Versäumnisse der europäischen Erinnerungskultur. Warum das wichtig ist: Glaubwürdiges Gedenken verbindet historische Aufklärung mit dem Einsatz gegen heutigen Antiziganismus. Lesedauer: etwa 6 Minuten Themen: Sinti und Roma, Nationalsozialismus, Völkermord, Antiziganismus, Erinnerungskultur Der 2. August erinnert an die Ermordung der letzten im sogenannten „Zigeunerfamilienlager“ von Auschwitz-Birkenau gefangenen Sinti und Roma. Der Gedenktag verweist zugleich auf einen Völkermord, dessen Anerkennung in Deutschland und Europa viel zu lange hinausgezögert wurde. Der 2. August gehört zu jenen Ged...

Menschenhandel in Europa: Das Geschäft mit der Verwundbarkeit

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Menschenhandel in Europa: Das Geschäft mit der Verwundbarkeit Zum Welttag gegen Menschenhandel stellt sich eine unbequeme Frage: Warum bleibt ein Verbrechen so unsichtbar, das mitten in Europas Arbeitsmärkten, Grenzräumen und digitalen Vermittlungsstrukturen stattfindet? Von Ralf Schönert  •  30. Juli 2026 Menschenhandel erscheint oft als Ausnahmefall des kriminellen Milieus. Tatsächlich verweist er auf strukturelle Schwächen moderner Gesellschaften: auf prekäre Migration, auf ausbeutbare Arbeit, auf lückenhafte Kontrolle und auf eine Nachfrage, die billige Dienstleistungen hinnimmt, ohne nach ihren Bedingungen zu fragen. Gerade deshalb ist dieses Verbrechen politisch brisanter, als seine geringe öffentliche Sichtbarkeit vermuten lässt. Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Welttag gegen Menschenhandel am 30. Juli erinnert daran, dass es hier nicht um ein Randphänomen geht. Nach Eurostat wurden 2024 in der Europä...

Digitalisierung, Demokratie und Dystopie – Ein Zeitzeuge im digitalen Wandel

Als Kind der Nachkriegszeit lernte ich noch, Telefongespräche sorgsam zu planen, weil jedes Ferngespräch spürbar ins monatliche Budget fraß. Heute, nur wenige Jahrzehnte später, tragen wir Smartphones in der Tasche, die mehr Rechenleistung besitzen als das gesamte Apollo-Programm. Dieser rasante technologische Wandel prägt nicht nur unseren Alltag, sondern stellt auch die Fundamente demokratischer Gesellschaften infrage – mitunter mit erschreckender Radikalität. Mein erster "Computer" war ein programmierbarer Taschenrechner in den 1970er-Jahren. Er konnte kaum mehr als Grundrechenarten und einfache Schleifen, aber ich hielt ihn für ein Wunder. Später folgte ein Heimcomputer wie der C64, klackernde Diskettenlaufwerke, flimmernde Bildschirme. Heute verwalte ich, damals noch spielerisch technikbegeistert, über smarte Geräte fast mein gesamtes Leben – vom Einkauf über die Steuererklärung bis zur Partnerwahl. Die Technik ist dabei nicht neutral geblieben: Sie hat meine Wahrnehmung...

Zu laut zum Denken: Wie Empörung die politische Urteilskraft frisst

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Zu laut zum Denken: Wie Empörung die politische Urteilskraft frisst Zwischen Dauererregung und Verkürzung: Warum öffentliche Debatten zunehmend an Tiefe verlieren – und welche Folgen das für demokratische Entscheidungen hat. Von Ralf Schönert  •  25. Juli 2026 Politische Öffentlichkeit lebt von Aufmerksamkeit. Doch was geschieht, wenn Aufmerksamkeit zunehmend durch Empörung erzeugt wird? Der gegenwärtige Diskurs ist geprägt von moralischer Zuspitzung, schneller Bewertung und einer Dynamik, die Differenzierung erschwert. Die zentrale Frage lautet daher: Untergräbt die Logik der Empörung die Fähigkeit zur politischen Urteilsbildung? Die Digitalisierung hat die Bedingungen politischer Kommunikation grundlegend verändert. Plattformen strukturieren Aufmerksamkeit entlang von Reizintensität, nicht entlang von Argumentationsqualität. Inhalte, die starke Emotionen auslösen, verbreiten sich schneller und weiter als solche, die komplex...

Kann man Faschisten argumentativ stellen?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum Widerspruch notwendig bleibt, obwohl überzeugte Antidemokraten durch Fakten allein selten erreicht werden. Von Ralf Schönert  •  24. Juli 2026 Kurzthese: Überzeugte Faschisten lassen sich in einer öffentlichen Debatte meist nicht bekehren. Argumentativer Widerspruch bleibt dennoch notwendig, weil er Behauptungen prüft, Grenzen markiert und vor allem die Zuhörenden erreicht. Warum das wichtig ist: Wo menschenfeindliche Aussagen unwidersprochen bleiben, können sie als gesellschaftlich akzeptabel erscheinen. Lesedauer: etwa 3 Minuten Themen: Faschismus, Rechtsextremismus, politische Debatte, Widerspruch, Demokratie Die Frage, ob man mit Faschisten reden soll, wird oft falsch gestellt. Entscheidend ist nicht nur, ob der ideologisch gefestigte Gegner seine Haltung ändert. Eine öffentliche Auseinandersetzung richtet sich zugleich an Unentschlossene, Mitlesende und Menschen, die aus Unsicherheit einfachen Erklärungen ...

Sudan: Der Verrat an den Menschen von Al-Faschir

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Sudan: Der Verrat an den Menschen von Al-Faschir Die Zerstörung von Al-Faschir zeigt, wie internationale Warnungen, Resolutionen und Schutzversprechen im Sudan folgenlos blieben und humanitäre Katastrophen politisch verwaltet statt verhindert wurden. Von Ralf Schönert  •  23. Juli 2026 Al-Faschir ist zu einem Prüfstein der internationalen Ordnung geworden. Wer dort nur eine weitere Tragödie des sudanesischen Krieges sieht, verkennt den politischen Kern des Geschehens: Nicht nur bewaffnete Akteure haben versagt, sondern auch jene Staaten und Institutionen, die Schutz versprachen, ohne ihn wirksam durchzusetzen. Seit dem Beginn des Krieges zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces im April 2023 ist Sudan in eine der schwersten humanitären Krisen der Gegenwart abgestürzt. UNICEF bezifferte Anfang 2026 den Bedarf an lebensrettender Hilfe auf 33,7 Millionen Menschen; zugleich sind Millionen vertri...

Warum das ZDF Danger Dan auslädt und Alice Weidel interviewt

MEDIEN / DEMOKRATIE / KUNSTFREIHEIT Die beiden Entscheidungen folgen unterschiedlichen journalistischen Regeln. Dennoch offenbaren sie einen problematischen Umgang mit kontroverser Kunst und redaktioneller Verantwortung. Von Ralf Schönert  •  21. Juli 2026 Kurzthese: Das ZDF muss Alice Weidel als einflussreiche Parteivorsitzende kritisch befragen. Fragwürdig ist jedoch, dass der Sender einem politischen Interview mehr journalistische Einordnungskraft zutraut als einer Satire- und Diskussionssendung. Warum das wichtig ist: Der Fall zeigt, wie öffentlich-rechtliche Medien zwischen Kunstfreiheit, politischer Pluralität und der Abwehr extremistischer Botschaften abwägen. Lesedauer: etwa 6 Minuten. Themen: ZDF, Kunstfreiheit, Danger Dan, Alice Weidel, öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss Kunstfreiheit, journalistische Verantwortung und politische Pluralität zugleich schützen. Gerade deshalb wirkt die kurzfristige Absage e...

Braucht Deutschland ein Grundeinkommen für Künstler:innen?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Braucht Deutschland ein Grundeinkommen für Künstler:innen? Irlands neues Modell belebt eine alte Frage neu: Reicht in Deutschland die Reform bestehender Sicherungssysteme aus, oder verlangt kulturelle Arbeit eine grundsätzlich andere soziale Absicherung? Von Ralf Schönert  •  19. Juli 2026 Die Debatte über ein Grundeinkommen für Künstler:innen ist keine romantische Nebenfrage der Kulturpolitik. Sie berührt einen zentralen Widerspruch moderner Gesellschaften: Kunst wird öffentlich als unverzichtbar gepriesen, ökonomisch aber oft so behandelt, als sei sie bloß ein Zusatz zum eigentlichen Erwerbsleben. Gerade deshalb spricht einiges dafür, die Frage neu zu stellen. Doch die überzeugendste Antwort für Deutschland liegt vermutlich nicht in einem pauschalen Künstler-Grundeinkommen, sondern in einer verlässlichen sozialen Untergrenze aus fairen Honoraren, reformierter Absicherung und gezielten Modellversuchen. Der Anstoß für ...

Wenn die Nachrichten baden gehen

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wenn die Nachrichten baden gehen Mit Beginn der Sommerpause in Nordrhein-Westfalen stellt sich eine alte Frage neu: Ist das sogenannte Sommerloch ein reales politisches Phänomen oder vor allem ein mediales Konstrukt? Von Ralf Schönert  •  18. Juli 2026 Mit dem Beginn der parlamentarischen Sommerpause in Nordrhein-Westfalen kehrt ein vertrautes Deutungsmuster zurück: das „Sommerloch“. Doch hinter der scheinbaren Nachrichtenleere verbirgt sich weniger ein tatsächlicher Stillstand politischer Prozesse als vielmehr eine Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit – und ein strukturelles Problem moderner Medienlogik. Wenn Landtag und Regierung ihre Sitzungsrhythmen reduzieren, entsteht zunächst der Eindruck politischer Ruhe. Gesetzgebungsverfahren verlangsamen sich, öffentliche Debatten verlieren an Taktung, und spektakuläre Entscheidungen bleiben aus. Doch dieser Zustand ist keineswegs neu. Bereits in der Bonner Republik ...

Der Klugscheisser - Postdemokratie oder was bleibt vom Schein der Demokratie?

Wahlen, Parlamente, Parteien – auf den ersten Blick funktioniert die Demokratie. Doch der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch stellte Anfang der 2000er-Jahre die unbequeme Frage: Was, wenn die demokratischen Formen bleiben, aber ihr Inhalt schwindet? Seine Antwort war das Konzept der Postdemokratie – eine Gesellschaftsform, in der demokratische Institutionen zwar weiter existieren, die reale Macht aber zunehmend von wirtschaftlichen und politischen Eliten kontrolliert wird. In einer Postdemokratie gehen Bürgerinnen und Bürger noch wählen, doch die wesentlichen Entscheidungen fallen längst woanders – in Konzernzentralen, Lobbybüros und Regierungsapparaten. Politik wird zum professionellen Management, Parteien ähneln sich programmatisch, und der politische Diskurs verflacht. Die Öffentlichkeit hat das Gefühl, mitreden zu dürfen, während die entscheidenden Weichenstellungen bereits hinter verschlossenen Türen getroffen wurden. Crouch beschreibt die Postdemokratie als eine Ze...