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Es werden Posts vom August, 2026 angezeigt.

Hat der Westen mit einem Befreier oder mit einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher kooperiert?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Kosovo-Sondertribunal: Hat der Westen mit einem Befreier oder mit einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher kooperiert? Der Fall Hashim Thaçi berührt nicht nur die Frage individueller Schuld, sondern auch die politische Bereitschaft des Westens, strategische Partner lange von einer kritischen Prüfung auszunehmen. Von Ralf Schönert  •  31. August 2026 Das Kosovo-Sondertribunal verhandelt keine nationale Gründungslegende, sondern mögliche individuelle Verbrechen im Schatten eines Befreiungskrieges. Gerade darin liegt seine politische Sprengkraft: Nicht nur Hashim Thaçi und andere frühere UÇK-Führer stehen zur Prüfung, sondern auch die westliche Neigung, aus geopolitischer Nützlichkeit moralische Eindeutigkeit zu machen. Hashim Thaçi wurde für viele Kosovo-Albaner zur Verkörperung des Aufstiegs vom Guerillakommandeur zum Staatsmann. Nach dem Krieg arbeitete er eng mit westlichen Regierungen und Institutionen zusammen, zuerst im ...

Oh Gott, die Isländer haben die Beitrittsverhandlungen zur EU abgelehnt. Werden jetzt die Preise für eingelegten Hering ins Unermessliche steigen?

Es ist passiert. Island hat die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen abgelehnt. Europa taumelt. Die Märkte zittern.  Und irgendwo in einem Edeka in Niedersachsen steht ein Rentner namens Horst vor dem Kühlregal und hält drei Gläser Bismarckhering an die Brust. „Die kriegt ihr nicht“, sagt er. Zu niemandem. Noch.  Der Heringsschock von 2026 Natürlich behaupten sogenannte Fachleute, die Entscheidung Islands werde nicht unmittelbar zu einer Verknappung von eingelegtem Hering führen. Fachleute sagen so etwas immer kurz vor dem Zusammenbruch einer Zivilisation. „Es gibt keinen Grund zur Panik.“ „Die Lieferketten sind stabil.“ „Der Hering ist ausreichend verfügbar.“ Das haben die Römer vermutlich auch über Garum gesagt. Und wo ist Rom heute? Ruinen. Denken Sie darüber nach.  Der Nordatlantik schließt. Nach unbestätigten Berichten hat Island bereits begonnen, sämtliche Heringe zu zählen. Jeder Fisch erhält eine Nummer. Besonders große Exemplare zusätzli...

Warum Behörden sich von WhatsApp lösen sollten

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum Behörden sich von WhatsApp lösen sollten Der Fall WhatsApp zeigt, wie schnell staatliche Kommunikation in die Logik eines Meta-Konzerns gerät. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob der Dienst bequem ist, sondern ob er für hoheitliche Kommunikation überhaupt tragfähig sein kann. Von Ralf Schönert  •  30. August 2026 WhatsApp ist für Millionen Menschen Alltag. Gerade deshalb wirkt der Ruf nach seinem Einsatz in Behörden zunächst pragmatisch. Doch für den Staat gelten andere Maßstäbe als für private Bequemlichkeit. Wer Bürgerkommunikation in die Infrastruktur eines Konzerns verlagert, der seit Jahren wegen Transparenz- und Datenschutzfragen unter Beobachtung steht, riskiert nicht nur Rechtsprobleme, sondern auch einen schleichenden Verlust staatlicher Souveränität. Der Kern des Problems liegt nicht in einer einzelnen Schlagzeile über Meta, sondern in der Struktur des Dienstes. Datenschutzaufsichten haben wiederholt ...

Die Internationale und das Gedächtnis der Arbeiterbewegung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Internationale und das Gedächtnis der Arbeiterbewegung Warum eine Hymne des 19. Jahrhunderts bis heute von Würde, Solidarität und politischer Selbstermächtigung erzählt. Von Ralf Schönert  •  29. August 2026 Die Internationale ist weit mehr als ein historisches Kampflied. In ihr verdichten sich Erfahrung, Hoffnung und Selbstbehauptung einer Bewegung, die politische Rechte nicht erbetteln, sondern kollektiv erringen wollte. Gerade deshalb ist sie bis heute ein Prüfstein dafür, wie Erinnerung politisch wirksam bleibt. Viele politische Lieder altern schnell. Sie hängen an einem Anlass, an einer Parole oder an einer Generation. Die Internationale hat diesen engen Rahmen überschritten. Sie ist nicht bloß Traditionspflege am Schluss eines Parteitags, sondern ein klingendes Archiv sozialer Erfahrung. Wer sie hört, begegnet nicht nur einem Lied, sondern einer langen Geschichte von Entwürdigung, Organisation und Gegenwehr. ...

Warum der Traum vom Einfamilienhaus kein Maßstab für Gerechtigkeit ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum der Traum vom Einfamilienhaus kein Maßstab für Gerechtigkeit ist Die Debatte über Generationengerechtigkeit verengt sich oft auf eine Wohnform, die historisch gewachsen ist, aber politisch nicht mehr als allgemeines Versprechen taugt. Von Ralf Schönert  •  28. August 2026 Die Klage ist vertraut: Die Eltern konnten bauen, die Kinder können es nicht mehr. Darin steckt ein reales Unbehagen über steigende Wohnkosten, knappen Boden und unsichere Zukunftserwartungen. Aber analytisch führt diese Erzählung in die Irre. Denn Gerechtigkeit bemisst sich nicht daran, ob jede Generation dieselbe Wohnbiografie wiederholen kann, sondern daran, ob Wohnen bezahlbar, verlässlich und ökologisch tragfähig organisiert ist. Wer das Einfamilienhaus zum politischen Maßstab erhebt, verwechselt ein historisches Aufstiegsmodell mit einer allgemeinen Norm. Das freistehende Haus am Stadtrand war in der Bundesrepublik über Jahrzehnte ein stark...

Norwegen und die EU: Warum die Beitrittsfrage zurück ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Norwegen und die EU: Warum die Beitrittsfrage zurück ist Nicht ein baldiger Beitritt ist das Neue, sondern die Einsicht, dass Norwegens bisheriges Erfolgsmodell aus EWR, Schengen und politischer Distanz unter den Bedingungen von Krieg, Sanktionen und europäischer Sicherheitsintegration an seine Grenzen stößt. Von Ralf Schönert  •  27. August 2026 Die norwegische EU-Debatte kehrt nicht deshalb zurück, weil das Land seine europäische Skepsis plötzlich abgelegt hätte. Sie kehrt zurück, weil sich die Europäische Union verändert hat: Aus einem primär wirtschaftlichen Integrationsraum ist in wachsendem Maße auch ein geopolitischer Handlungsrahmen geworden. Genau dort liegt für Norwegen das Problem: Es ist eng eingebunden, aber nicht mitentscheidend. Zweimal hat Norwegen einen EU-Beitritt abgelehnt, 1972 und 1994. Danach schien die Sache politisch erledigt. Das Land wählte den EWR als pragmatischen Mittelweg: voller Zugang zum...

P3TTM revolutioniert die Solartechnik? Noch ist es ein Laborbefund

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT P3TTM revolutioniert die Solartechnik? Noch ist es ein Laborbefund Die eigentliche politische Frage lautet nicht, ob ein neues Molekül schon morgen Dächer verändert, sondern ob Europa aus wissenschaftlicher Entdeckung industrielle Stärke und strategische Resilienz macht. Von Ralf Schönert  •  25. August 2026 Die Nachricht über P3TTM klingt nach technischer Sensation. Tatsächlich geht es um mehr als um ein neues Material: um die Frage, ob die Energiewende in Europa nicht nur beim Ausbau der Photovoltaik, sondern auch bei Forschung, Fertigung und technologischer Souveränität einen neuen Schritt machen kann. Hinter P3TTM steht keine marktreife Solaranlage, sondern eine Forschungsarbeit aus Cambridge. Die Wissenschaftler beschrieben 2025 einen organischen Radikal-Halbleiter, bei dem in Versuchsstrukturen eine nahezu vollständige Ladungssammlung unter Rückwärtsvorspannung beobachtet wurde. Das ist beachtlich, weil es auf L...

FÄISSBUCK: Das digitale Altersheim der Selbstüberschätzung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT FÄISSBUCK: Das digitale Altersheim der Selbstüberschätzung Metas Abschied vom klassischen Faktencheck, der Rückzug aus dem Nachrichtengeschäft und der Druck der EU-Regulierung zeigen, was Facebook politisch geworden ist: kein Forum, sondern eine Infrastruktur für gekränkte Gewissheiten. Von Ralf Schönert  •  25. August 2026 Facebook wirkt heute wie eine Mischung aus Familienalbum, Leserbriefarchiv und digitalem Stammtisch, nur mit besserem Werbegeschäft. Das politische Problem ist nicht bloß die Unwahrheit. Das eigentliche Problem ist eine Plattform, die Verantwortung gern als Zumutung behandelt und jede Korrektur der eigenen Erregungsökonomie für Zensur hält. Facebook war einmal das Versprechen einer vernetzten Öffentlichkeit. Heute ist es eher die digitale Tagespflege der Meinung: viel Lautstärke, wenig Selbstzweifel, dazwischen die ewige Gewissheit, dass man es "doch wohl noch sagen dürfen wird". Die Plattform alter...

Helsinki 1975 und Europas zerbrechliche Friedensordnung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Helsinki 1975 und Europas zerbrechliche Friedensordnung Die KSZE-Schlussakte war kein Friedensvertrag, sondern ein politisches Regelwerk. Gerade weil ihre Prinzipien heute verletzt werden, zeigt sich, wie grundlegend sie für Europas Ordnung geworden sind. Von Ralf Schönert  •  24. August 2026 Die KSZE-Schlussakte von Helsinki markierte 1975 einen Wendepunkt der europäischen Nachkriegsgeschichte. Sie beendete den Ost-West-Konflikt nicht, aber sie band Machtpolitik an gemeinsame Prinzipien: Souveränität, Gewaltverzicht, territoriale Integrität, Kooperation und Menschenrechte. Im Rückblick liegt ihre eigentliche Bedeutung darin, dass sie Sicherheit nicht nur militärisch, sondern politisch und gesellschaftlich dachte. Gerade die Gegenwart zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn diese Verbindung zerreißt. Als am 1. August 1975 in Helsinki die Vertreter von 35 Staaten unterschrieben, war dies weder ein Akt romantischer Versöhnun...

Was von „Russians“ geblieben ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was von „Russians“ geblieben ist Mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung zeigt Stings Lied, wie schnell die Logik des Kalten Krieges in Europa wieder politische Gegenwart werden kann. Von Ralf Schönert  •  23. August 2026 „Russians“ ist kein nostalgisches Relikt der achtziger Jahre, sondern ein politisches Warnsignal aus einer Epoche, die lange überwunden schien. Seine eigentliche Aktualität liegt heute nicht in der Popgeschichte, sondern in der Rückkehr jener Denkfiguren, gegen die das Lied 1985 ansang: Angst, Feindbildpflege und die gefährliche Illusion, Sicherheit könne dauerhaft gegen die Menschlichkeit organisiert werden. Als Teil von Stings Debütalbum „The Dream Of The Blue Turtles“ erschien „Russians“ im Juni 1985; als Single wurde der Song am 29. November 1985 veröffentlicht. Das Stück war damit ein Kind jener späten Phase des Kalten Krieges, in der atomare Abschreckung, rhetorische Eskalation un...

Generationen im Dissens: Wenn dieselbe Demokratie in verschiedenen Zeiten lebt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Generationen im Dissens: Wenn dieselbe Demokratie in verschiedenen Zeiten lebt Der politische Abstand zwischen Jung und Alt ist weniger ein bloßer Kulturkonflikt als das Ergebnis auseinanderlaufender Lebenslagen, Krisenerfahrungen und demografischer Machtgewichte. Von Ralf Schönert  •  22. August 2026 Dass jüngere und ältere Bürger politisch unterschiedlich urteilen, ist nicht neu. Neu ist jedoch, wie deutlich sich hinter diesen Unterschieden verschiedene Erfahrungswelten verfestigen: hier eine krisenerfahrene jüngere Generation, dort eine zahlenstarke ältere Wählerschaft, deren Gewicht im politischen System wächst. Der Dissens zwischen den Generationen ist deshalb kein Nebengeräusch, sondern berührt die Repräsentationsfrage der Demokratie selbst. Die Bundestagswahl 2025 hat diesen Befund greifbar gemacht. Die Wahlbeteiligung der Jüngeren stieg zwar deutlich, blieb bei den bis 34-Jährigen aber unter dem Durchschnitt; ...