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Es werden Posts vom Juni, 2026 angezeigt.

aus der Geschichte: Vor 100 Jahren - Das Ende der Ruhrbesetzung im Jahre 1925 – Wendepunkt für die Weimarer Republik

Die Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen von 1923 bis 1925 stellt eine der dramatischsten Episoden der Nachkriegszeit dar und markierte zugleich einen Höhepunkt der Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den westlichen Alliierten. Mit dem Abzug der letzten Besatzungssoldaten im Juli 1925 endete nicht nur eine Phase militärischer Kontrolle, in der französische und belgische Truppen Industrieanlagen besetzten, Verwaltungsakten beschlagnahmten und den Güterverkehr überwachten über eines der wichtigsten industriellen Zentren Europas, sondern auch ein Kapitel permanenter politischer Krisen für die Weimarer Republik. Das Ende der Ruhrbesetzung wurde von vielen Zeitgenossen als ein Schritt zur Wiederherstellung nationaler Souveränität verstanden – und als außenpolitischer Erfolg der demokratischen Kräfte in Deutschland. Die Ruhrbesetzung war eine unmittelbare Folge des Versailler Vertrags von 1919, der dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg zuschrieb u...

„Mehr Arbeit, mehr Wohlstand?“ Warum Friedrich Merz’ Leistungsdogma aus der Zeit gefallen ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT „Mehr Arbeit, mehr Wohlstand?“ Warum Friedrich Merz’ Leistungsdogma aus der Zeit gefallen ist Die Debatte über Arbeitszeit und Teilzeit verengt ein strukturelles Problem auf eine moralische Formel: Nicht die bloße Menge an Arbeit entscheidet heute über Wohlstand, sondern Produktivität, Infrastruktur und soziale Voraussetzungen. Von Ralf Schönert  •  29. Juni 2026 Friedrich Merz hat die Debatte zugespitzt: Weniger „Lifestyle-Teilzeit“, mehr Arbeit, sonst sei der Wohlstand des Landes nicht zu halten. Das klingt entschlossen, greift aber analytisch zu kurz. Denn in einer alternden, hochindustrialisierten und zugleich digitalisierten Gesellschaft lässt sich ökonomische Stärke nicht mehr mit der schlichten Verlängerung von Arbeitszeit verwechseln. Die Formel ist politisch eingängig, weil sie an ein vertrautes Nachkriegsmotiv anschließt: Wohlstand als Ergebnis von Fleiß, Disziplin und Leistung. Tatsächlich gehört dieses Narra...

Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht Die Kosovo-Krise von 1998 und der Krieg von 1999 markieren für die SPD einen tiefen Einschnitt: Aus einer Partei mit starker friedenspolitischer Selbstbindung wurde eine Regierungspartei, die militärische Gewalt als letztes Mittel mittrug. Von Ralf Schönert  •  28. Juni 2026 Der Kosovokrieg war für die deutsche Sozialdemokratie mehr als eine außenpolitische Krise. Er wurde zu einem Prüfstein dafür, ob sich historische Friedensethik, Menschenrechtspolitik und Bündnisverantwortung überhaupt noch widerspruchsfrei verbinden ließen. Gerade darin liegt bis heute seine politische Bedeutung. Als die rot-grüne Bundesregierung im Oktober 1998 ihr Amt antrat, war die Lage im Kosovo bereits eskaliert. Noch im selben Monat stimmte der Bundestag einer deutschen Beteiligung an den von der NATO geplanten Maßnahmen zu. Im März 1999 begannen nach dem Scheite...

Benjamin Netanjahu und die lange Ära der Macht

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Benjamin Netanjahu und die lange Ära der Macht Die politische Karriere des langjährigen israelischen Premierministers zeigt, wie eng sicherheitspolitische Autorität, institutionelle Konflikte und persönliche Macht in Israel miteinander verknüpft worden sind. Von Ralf Schönert  •  27. Juni 2026 Benjamin Netanjahu hat die israelische Politik über Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderer Regierungschef. Sein Vermächtnis liegt nicht allein in Wahltriumphen, außenpolitischer Härte und diplomatischen Erfolgen, sondern ebenso in der tiefen Polarisierung des Landes, in der Auseinandersetzung um Rechtsstaat und Gewaltenteilung sowie in den internationalen Belastungen, die seine Amtsführung inzwischen begleiten. Netanjahus politische Karriere steht für eine seltene Verbindung aus strategischer Disziplin, ideologischer Beständigkeit und bemerkenswerter Machttechnik. Er war von 1996 bis 1999, von 2009 bis 2021 und erneut seit Dezemb...

Friend-Shoring – Die Rückkehr der politischen Geografie in den Welthandel

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Friend-Shoring – Die Rückkehr der politischen Geografie in den Welthandel Wenn wirtschaftliche Effizienz hinter geopolitische Loyalität zurücktritt: Wie stabil ist ein Welthandel, der sich zunehmend an politischen Wertegemeinschaften orientiert? Von Ralf Schönert  •  26. Juni 2026 Der Begriff „Friend-Shoring“ markiert eine stille, aber tiefgreifende Verschiebung im globalen Wirtschaftssystem. Lieferketten werden nicht mehr primär nach Kosten, sondern nach politischer Verlässlichkeit organisiert. Damit rückt die Geopolitik zurück in das Zentrum der Weltwirtschaft – mit langfristigen Folgen für Effizienz, Stabilität und internationale Kooperation. Der Welthandel war über Jahrzehnte von einer einfachen Logik geprägt: Produktion dort, wo sie am günstigsten ist, Absatz dort, wo Nachfrage besteht. Dieses Prinzip der globalen Arbeitsteilung wurde nach dem Ende des Kalten Krieges zu einem nahezu universellen Ordnungsmodell. Do...

Politik ist mehr als Berufserfahrung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum der Vorwurf gegen angeblich lebensferne Politiker einen wahren Kern haben kann, aber als pauschales Urteil über demokratische Repräsentation in die Irre führt. Von Ralf Schönert  •  25. Juni 2026 Der Satz klingt zunächst plausibel: Wer nie selbst erwerbstätig war, solle nicht über die arbeitende Bevölkerung entscheiden. Doch demokratische Politik funktioniert nicht nach dem Prinzip beruflicher Gleichartigkeit, sondern nach dem Prinzip gewählter Verantwortung. Gerade aus sozialdemokratischer Sicht bleibt dennoch die Frage wichtig, wie nah politische Entscheidungen an Arbeit, Alltag und sozialer Erfahrung bleiben. In Deutschland waren zuletzt rund 45 Millionen Menschen erwerbstätig. Ihre Lebenslagen sind höchst unterschiedlich: Pflegekraft, Verkäufer, Ingenieurin, Paketfahrer, Selbstständige, Verwaltungsangestellte, Erwerbslose auf Arbeitssuche, Rentnerin mit Minijob. Schon deshalb greift die Vorstellung zu kurz, ein...

Die Tyrannei der Erreichbarkeit

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Tyrannei der Erreichbarkeit Zwischen digitaler Effizienz und individueller Freiheit: Warum das Recht auf Offline-Zeit zu einer politischen Frage geworden ist. Von Ralf Schönert  •  25. Juni 2026 Die permanente digitale Erreichbarkeit hat sich von einem technischen Fortschritt zu einer sozialen Erwartung verdichtet. Die Frage, ob und wie sich Individuen dieser Erwartung entziehen können, berührt nicht nur arbeitsrechtliche, sondern auch philosophische Grundfragen moderner Gesellschaften. Smartphones, E-Mails und Messenger-Dienste haben die zeitlichen Grenzen von Arbeit und Kommunikation weitgehend aufgelöst. Was einst an Bürozeiten gebunden war, ist heute potenziell rund um die Uhr verfügbar. Diese Entwicklung wurde lange als Ausdruck von Flexibilität und Effizienz interpretiert. Inzwischen zeigt sich jedoch eine Kehrseite: Die Erwartung permanenter Reaktionsbereitschaft erzeugt einen subtilen, aber nachhaltigen Dru...

Zwischen Evidenz und Emotion

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Zwischen Evidenz und Emotion Wissenschaftskommunikation steht unter Druck: Wie lassen sich überprüfbare Fakten in einer politisch und emotional aufgeladenen Öffentlichkeit noch wirksam vermitteln? Von Ralf Schönert  •  24. Juni 2026 Wissenschaftliche Erkenntnisse gelten als rational überprüfbar, doch ihre Vermittlung erfolgt in einem zunehmend emotionalisierten öffentlichen Raum. Die zentrale Herausforderung besteht nicht mehr allein in der Produktion von Wissen, sondern in dessen glaubwürdiger Kommunikation – unter Bedingungen, die von Polarisierung, Misstrauen und medialer Beschleunigung geprägt sind. Die Erwartung an Wissenschaft war lange klar umrissen: Sie sollte Orientierung bieten, Unsicherheiten reduzieren und politische Entscheidungen rational fundieren. Spätestens seit den Debatten um Klimawandel, Pandemiepolitik oder Energiewende ist jedoch deutlich geworden, dass Fakten allein keine gesellschaftliche Wirkun...

Der saubere Müllsack und der alte Mythos

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Eigentlich kommentiere ich Beiträge auf X oder diesem „Faxbuch“ nicht. Doch diese Haltung und die daraus erwachsenden  Wahrnehmungskommentare sind so geschichtsvergessen, dass ich als Historiker nicht schweigen möchte.  Warum die Inszenierung der „Generation Deutschland NRW“ am Gladbecker Ehrenmal keine harmlose Denkmalpflege ist. Von Ralf Schönert  •  23. Juni 2026 Kurzthese: Müll zu beseitigen ist richtig. Problematisch wird es, wenn eine solche Handlung genutzt wird, um ein historisch belastetes Denkmal nationalistisch und heroisch neu aufzuladen. Warum das wichtig ist: Erinnerungskultur entscheidet mit darüber, wie eine demokratische Gesellschaft Krieg, Gewalt und Menschenwürde versteht. Lesedauer: etwa 5 Minuten Themen: Erinnerungskultur, Rechtsextremismus, Gladbeck, Denkmäler, Geschichtspolitik Ein sauberer öffentlicher Ort ist kein politisches Problem. Ein sauber inszenierter Geschichtsmythos schon. Der X-...

Die Ökonomie des Orbits

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Ökonomie des Orbits Die Kommerzialisierung der Erdumlaufbahn verändert geopolitische Machtverhältnisse – doch fehlt bislang eine tragfähige Ordnung für Nutzung, Wettbewerb und Sicherheit. Von Ralf Schönert  •  23. Juni 2026 Der erdnahe Weltraum hat sich von einem geopolitischen Schauplatz staatlicher Rivalität zu einem ökonomischen Handlungsraum entwickelt. Private Akteure prägen zunehmend die Infrastruktur des Orbits – mit Chancen für Innovation und globale Kommunikation, aber auch mit neuen Risiken für Sicherheit, Nachhaltigkeit und politische Steuerbarkeit. Lange Zeit war der Weltraum ein exklusives Feld staatlicher Raumfahrtprogramme. Seit den frühen Jahren des Kalten Krieges bestimmten nationale Prestigeprojekte und militärische Interessen die Dynamik. Diese Logik hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verschoben. Mit dem Eintritt privatwirtschaftlicher Akteure ist ein Markt entstanden, der n...

Wasser als Machtfrage und Friedensaufgabe

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wasser als Machtfrage und Friedensaufgabe Je knapper und unberechenbarer Wasser wird, desto deutlicher zeigt sich: Sicherheitspolitik beginnt nicht erst mit Truppenbewegungen, sondern oft mit der Fähigkeit, Flüsse, Grundwasser und Stauseen gemeinsam zu regeln. Von Ralf Schönert  •  22. Juni 2026 Wasser galt lange als technische Frage von Versorgung und Infrastruktur. Inzwischen wird deutlicher, dass es sich ebenso um eine Frage der internationalen Ordnung handelt. Wo Niederschläge ausbleiben, Gletscher schwinden und Flüsse mehrere Staaten durchqueren, entscheidet Wasserdiplomatie mit darüber, ob aus Knappheit Kooperation oder Konflikt entsteht. Die politische Brisanz ist offenkundig. Weltweit leben nach UN-Angaben weiterhin 2,2 Milliarden Menschen ohne sicher bewirtschaftete Trinkwasserversorgung; zugleich erlebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung zumindest zeitweise schwere Wasserknappheit. Das allein erzeugt noch ke...