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Es werden Posts vom März, 2026 angezeigt.

Der Klugscheisser - Arbeit – Vom Leid zur Leistung

Das Wort Arbeit steht heute für Leistung, Erwerb und Selbstverwirklichung – ein zentraler Begriff moderner Gesellschaften. Doch in seinem Ursprung trägt es einen ganz anderen Klang: Es bedeutete einst Mühsal , Plage oder gar Leid . Die Geschichte dieses Wortes ist zugleich eine Geschichte des gesellschaftlichen Wertewandels – von der Notwendigkeit zum Ideal, vom Zwang zur Tugend. Herkunft und sprachliche Entwicklung Die Wurzeln des Wortes reichen weit zurück. Im Althochdeutschen hieß es arabeit oder arebeit , im Altsächsischen arabîti , im Altenglischen earfoþ („Mühe, Leiden“). Alle Formen gehen vermutlich auf das urgermanische *arbaiþiz zurück, das „Beschwerde, Mühsal“ bedeutete. Ein möglicher Bezug besteht zum indogermanischen Stamm *orbh- , der „sich abmühen“ oder „verwaist sein“ bedeutete – eine sprachlich wie symbolisch bemerkenswerte Verbindung: Arbeit als Mühe des Verlassenen. Das Mittelhochdeutsche kannte bereits die Formen arbeit und arebeit , wobei das Wort noch...

Nicht aus Europa, sondern gegen Europas Ordnung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Nicht aus Europa, sondern gegen Europas Ordnung Orbán, Fico und andere nationale Machtpolitiker sind kein Randphänomen mehr, sondern ein Testfall für die Frage, ob die Europäische Union ihre eigenen Werte noch wirksam verteidigen kann. Von Ralf Schönert  •  30. März 2026 Das Problem der Europäischen Union heißt nicht Ungarn oder Slowakei als solche. Es heißt die systematische Aushöhlung jener politischen und rechtlichen Grundlagen, auf denen die Union beruht. Wer Medienfreiheit schwächt, den Rechtsstaat politisch biegt und nationale Souveränität gegen gemeinsame Bindungen ausspielt, steht nicht außerhalb Europas, aber er arbeitet gegen die europäische Ordnung. Viktor Orbán ist dafür seit Jahren der markanteste Fall. Seine Regierungen haben Ungarn zu einem Modell der illiberalen Demokratie umgebaut: formal pluralistisch, tatsächlich aber geprägt von Machtkonzentration, klientelistischen Strukturen und einer politischen K...

Trump, UFOs und der Juli: Wie belastbar ist das Gerücht?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Trump, UFOs und der Juli: Wie belastbar ist das Gerücht? Zwischen angekündigter Transparenz, digitaler Gerüchtebildung und politischer Inszenierung stellt sich vor allem eine Frage: Gibt es wirklich einen belastbaren Hinweis auf eine Offenlegung von „UFO-Beweisen“ im Juli? Von Ralf Schönert  •  30. März 2026 Das Gerücht, Donald Trump wolle im Juli Beweise für UFOs oder gar außerirdisches Leben offenlegen, ist nach heutigem Stand nicht belastbar. Belegt ist lediglich, dass Trump im Februar 2026 eine Freigabe von UFO- beziehungsweise UAP-Unterlagen angekündigt hat. Ein offizieller Juli-Termin ist daraus bislang nicht geworden; vieles spricht dafür, dass sich hier politische Ankündigung, Archivpolitik und Internetmythologie überlagern. Der Ausgangspunkt der aktuellen Spekulation ist vergleichsweise nüchtern. Reuters berichtete im Februar, Trump habe angekündigt, Regierungsstellen zur Veröffentlichung von Akten über „aliens...

Wal-Kampf in der Ostsee: Das große deutsche Küstendrama um ein Tier, das leider keine Pressekonferenz geben kann

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wal-Kampf in der Ostsee: Das große deutsche Küstendrama um ein Tier, das leider keine Pressekonferenz geben kann Der Fall eines Buckelwals wirft die Frage auf, wie rational Umweltpolitik bleibt, wenn Emotionen und Öffentlichkeit die Debatte dominieren. Von Ralf Schönert  •  29. M(e)rz 2026 Es ist wieder so weit: Ein Buckelwal taucht in der Ostsee auf, und sofort bricht in Deutschland jene ganz spezielle Form der Hysterie aus, die entsteht, wenn Natur auf Medienlogik trifft. Plötzlich haben alle eine Meinung, niemand Ahnung, und irgendwo steht garantiert ein Reporter in Funktionsjacke am Ufer und tut so, als würde gerade der Zweite Dreißigjährige Krieg beginnen. Ein Buckelwal in der Ostsee. Allein der Satz klingt schon wie ein schiefgegangener Betriebsausflug der Evolution. Natürlich ist die Lage „dramatisch“. Das ist heute schließlich alles. Ein Wal schwimmt falsch abgebogen durch ein Meer, das für ihn ungefähr so geeignet ...

Europa und Migration - Aufgaben der nächsten Dekade

Migration wird Europa in den kommenden zehn Jahren nicht als Ausnahme, sondern als Daueraufgabe beschäftigen. Kriege, Klimafolgen, wirtschaftliche Ungleichgewichte und der demografische Wandel werden Wanderungsbewegungen eher verstärken als abschwächen. Zugleich altert Europa, Arbeitskräfte fehlen in Pflege, Bau, Logistik und Dienstleistung. Die eigentliche Herausforderung besteht daher nicht darin, Migration moralisch zu dramatisieren, sondern sie politisch zu ordnen, sozial abzusichern und wirtschaftlich vernünftig zu gestalten. Genau darin liegt die Bewährungsprobe europäischer Politik. Der EU-Migrations- und Asylpakt soll bis Juni 2026 in die Praxis überführt werden; er zielt auf ein gemeinsameres Management von Asyl, Grenzverfahren und Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten. Ordnung statt nationaler Improvisation Das erste Problem ist die institutionelle Zersplitterung. Solange jeder Mitgliedstaat Migration vor allem national beantwortet, entstehen politische Reflexe statt tra...

Wer ist eigentlich Jochen Ott?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wer ist Jochen Ott? Der SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag ist 2026 nicht mehr nur ein Oppositionspolitiker aus Köln, sondern die sichtbarste personelle Antwort seiner Partei auf die Machtfrage in Nordrhein-Westfalen. Von Ralf Schönert  •  28. März 2026 Jochen Ott ist derzeit vor allem deshalb politisch bedeutsam, weil sich an seiner Person eine strategische Verschiebung der nordrhein-westfälischen SPD ablesen lässt. Aus dem langjährigen Schul- und Kommunalpolitiker ist ein Oppositionsführer geworden, der nun auch als designierter Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027 gelesen wird. Die eigentliche Frage lautet daher nicht nur, wer Ott biografisch ist, sondern welche politische Funktion er im Machtgefüge des Landes inzwischen erfüllt. Jochen Ott, geboren 1974 in Köln-Porz, gehört seit 2010 dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an. Beruflich kommt er aus dem Schuldienst; er unterrichtete Geschichte, Sozialwissen...

Kriege als Geschäftsmodell

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Kriege als Geschäftsmodell Wie politische Macht, geopolitische Konflikte und private Interessen unter Donald Trump ineinandergreifen – und wo die Grenze zwischen Strategie und Selbstbereicherung verschwimmt. Von Ralf Schönert  •  26. März 2026 Die These ist so alt wie die Machtpolitik selbst: Wo Konflikte entstehen, entstehen auch Märkte. Im Umfeld von Donald Trump verdichten sich Hinweise darauf, dass geopolitische Spannungen nicht nur als außenpolitisches Instrument genutzt werden, sondern auch als Hebel wirtschaftlicher Interessen – mit fließenden Übergängen zwischen Staat und Privatgeschäft. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump war von einer bemerkenswerten Vermischung aus strategischer Konfrontation und wirtschaftlichem Kalkül geprägt. Sanktionen gegen Iran, wirtschaftlicher Druck auf Venezuela und eine aggressive Rhetorik gegenüber Kuba bildeten dabei keine isolierten Maßnahmen, sondern Tei...

Hörbuchempfehlung März 2026

Das Hörbuch „Weltgeschichte – grundlegende historische Fakten“ zeichnet die Entwicklung der europäischen Kultur nach, beginnend mit ihren zwei zentralen Texten : der jüdischen Bibel und dem griechischen Doppelepos von der Belagerung Trojas, der Ilias und der Odyssee . Die Verbreitung dieser klassischen Texte wurde durch die Erfindung des Buchdrucks um 1444 durch Johannes Gutenberg ermöglicht . Die klassische Antike wird durch die griechischen Stadtstaaten (Polis) wie Athen geprägt, wo unter Perikles eine Blütezeit der Demokratie erlebt wird . Das griechische Denken entdeckte die Rationalität und sah in der Wirklichkeit eingebaute Baupläne und Grundformen, was sich in der idealen Darstellung des menschlichen Körpers in der Kunst zeigte . Die Philosophie (Sokrates, Platon, Aristoteles) befreite sich aus religiösen Fesseln und legte durch Dialektik und die Unterscheidung von Form und Stoff (Idee und Erscheinung) das Fundament des europäischen Denkens . Die römische Geschichte begann ...

Sozialstaat unter Druck - Wo soziale Sicherheit heute tatsächlich bröckelt

Der Sozialstaat gilt vielen als tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Er ist das Versprechen, dass niemand in Deutschland ins Bodenlose fällt, egal ob durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Alter. Doch in den letzten Jahren mehren sich die Zweifel, ob dieses Versprechen noch eingelöst werden kann. Die Belastungsgrenzen des Systems werden immer deutlicher sichtbar, und die Verunsicherung in der Bevölkerung wächst. Wo bröckelt die soziale Sicherheit heute tatsächlich? Pflege: Ein System am Limit Ein Bereich, in dem die Risse im sozialen Netz besonders deutlich werden, ist die Pflege. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig an, während gleichzeitig ein massiver Fachkräftemangel herrscht. Die Folge sind überlastetes Personal, unzureichende Versorgung und hohe Eigenanteile für die Betroffenen. Die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 war ein wichtiger Schritt, doch sie reicht heute nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Die Politik hat zwar Reformen auf den W...

CDU, Merz und AfD - Meine Zweifel an der Brandmauer

Die Stabilität der demokratischen Mitte hängt nicht nur von Programmen ab, sondern auch von politischen Grenzziehungen. Gerade deshalb ist die Frage, ob der CDU unter Friedrich Merz bei der Aufrechterhaltung der Brandmauer zur AfD zu trauen ist, keine parteitaktische Nebensache. Sie berührt den Kern der politischen Kultur in Deutschland: ob demokratische Parteien bereit sind, kurzfristige Mehrheiten über langfristige Stabilität zu stellen. Der entscheidende Grund für das Misstrauen liegt in der Diskrepanz zwischen Bekenntnis und politischer Praxis. Merz hat die Zusammenarbeit mit der AfD zwar wiederholt ausgeschlossen. Zugleich nahm die Union Ende Januar 2025 im Bundestag in Kauf, dass ein migrationspolitischer Antrag mit Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt. Genau darin liegt das Problem: Eine Brandmauer ist nur dann glaubwürdig, wenn sie nicht erst an der Tür zur Regierung beginnt, sondern bereits im parlamentarischen Handeln sichtbar wird. Wer Mehrheiten bewusst so organisiert, da...

Wem gehört die Wahrheit der Vergangenheit?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wem gehört die Wahrheit der Vergangenheit? Die neue Debatte über Demokratiegeschichte, Erinnerungskultur und politische Deutungshoheit zeigt: Umkämpft ist nicht nur, was erinnert wird, sondern nach welchen Maßstäben eine Gesellschaft ihre Vergangenheit versteht. Von Ralf Schönert  •  24. März 2026 Vergangenheit ist kein ruhiger Besitzstand. Sie wird erforscht, erinnert, politisch aufgerufen und mitunter bewusst verzerrt. Gerade deshalb lautet die entscheidende Frage nicht, wem die Wahrheit der Vergangenheit gehört, sondern ob demokratische Gesellschaften die institutionelle Kraft besitzen, zwischen Erinnerung, Interessen und überprüfbarer historischer Erkenntnis zu unterscheiden. In diesen Wochen ist das Thema auffallend präsent. Der erste bundesweite Tag der Demokratiegeschichte hat den 18. März als Datum des deutschen Freiheits- und Verfassungsgedächtnisses sichtbar gemacht. Zugleich diskutieren Gedenkstätten, Parlame...