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Wie Rechtspopulisten besiegt werden können

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wie Rechtspopulisten besiegt werden können Warum demokratische Politik mehr braucht als Empörung: Klarheit, soziale Glaubwürdigkeit und handlungsfähige Institutionen. Von Ralf Schönert  •  14. September 2026 Rechtspopulisten werden nicht allein durch moralische Abgrenzung geschwächt. Sie verlieren dort an Kraft, wo demokratische Politik konkrete Probleme löst, Vertrauen zurückgewinnt und die offene Gesellschaft nicht defensiv, sondern selbstbewusst verteidigt. Die Leitfrage lautet nicht, wie man Rechtspopulismus zum Verschwinden bringt. Er gehört als Versuchung zur modernen Massendemokratie: die einfache Antwort, der starke Mann, das homogene Volk, der Sündenbock. Entscheidend ist, ob demokratische Parteien ihm die gesellschaftliche Deutung überlassen. Rechtspopulismus wächst, wenn Menschen das Gefühl haben, dass politische Institutionen ihre Lebenswirklichkeit nicht mehr erreichen. Wer ihn besiegen will, muss deshalb...
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Lächeln, bis die Fassade hält

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Lächeln, bis die Fassade hält Der Tag des positiven Denkens erinnert daran, dass Optimismus eine Tugend sein kann – und eine sehr bequeme Methode, Probleme dekorativ zu übermalen. Von Ralf Schönert  •  13. September 2026 Der Tag des positiven Denkens ist ein inoffizieller Feiertag von jener Sorte, die harmlos wirkt, bis man merkt, wie gut sie in eine Gesellschaft passt, die lieber gute Laune verwaltet als Ursachen beseitigt. Optimismus ist schön. Als Regierungsersatz ist er allerdings eine Zumutung mit freundlicher Miene. Am 13. September soll also positiv gedacht werden. Das klingt zunächst wie eine harmlose Einladung zum inneren Fensterputz. Man betrachtet die Welt, sieht Kriege, Krisen, soziale Spaltung, steigende Kosten, überforderte Institutionen und sagt sich: Immerhin ist der Kaffee noch warm. Der moderne Optimismus hat sich längst von der Hoffnung entfernt. Hoffnung verlangt Richtung, Arbeit und gelegentlich W...

Wottsäpp-Gruppen, die letzte Ruhestätte des Gedankens

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wottsäpp-Gruppen, die letzte Ruhestätte des Gedankens Zwischen digitalem Stammtisch, Mikromacht und permanentem Alarm prüft die Wottsäpp-Gruppe, wie effizient eine Gesellschaft ihren Rest an Urteilskraft in schlechten Benachrichtigungstönen beerdigen kann. Von Ralf Schönert  •  12. September 2026 Wottsäpp-Gruppen sind die kleinste autoritäre Einheit der Gegenwart: ein Raum ohne Redaktion, ohne Gedächtnis, ohne Scham, aber mit hundertachtunddreißig ungelesenen Nachrichten und einem Admin, der sich für die Geschäftsordnung des Abendlandes hält. Was dort kursiert, ist selten Information und fast immer Atmosphäre: Verdacht, Gekränktheit, Selbstüberhöhung und jene demokratiezersetzende Gemütlichkeit, in der jeder Unsinn nur deshalb plausibel wirkt, weil ihn Tante Gisela mit betenden Händen weitergeleitet hat. Die Wottsäpp-Gruppe ist kein technisches Werkzeug mehr, sondern eine soziale Endlagerstätte. Sie archiviert zuverläs...

Die Geschichte des großen Arbeiterführers King Larsbeil

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Geschichte des großen Arbeiterführers King Larsbeil Wie Lars Klingbeil nach der Niederlage der SPD den seltenen sozialdemokratischen Trick vollendete, aus Schrumpfung Macht und aus Macht wieder Charakterdarstellung zu machen. Von Ralf Schönert  •  11. September 2026 Lars Klingbeil, heute Finanzminister, Vizekanzler und SPD-Vorsitzender, verkörpert den Typus Politiker, der selbst Niederlagen so sauber abheftet, bis sie wie Eignungsnachweise wirken. Die Geschichte des großen Arbeiterführers ist deshalb keine Heldensage, sondern die Chronik einer Partei, die ihre soziale Mission verfeinert hat, bis nur noch die Verwaltung derselben übrigblieb. Lars Klingbeil, in der höfischen Satire dieses Landes meinetwegen King Larsbeil genannt, sitzt seit dem 6. Mai 2025 im Finanzministerium, ist Stellvertreter des Bundeskanzlers und zugleich SPD-Vorsitzender. Der Mann vereint also jene drei Dinge, die eine erschöpfte Partei am mei...

Die Zwei-Staaten-Lösung – jetzt auch als deutsche Innenpolitik

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Wahl in Sachsen-Anhalt zeigt weniger ein geteiltes Bundesland als zwei politische Wirklichkeiten, die kaum noch dieselbe Sprache sprechen. Von Ralf Schönert  •  10. September 2026 Die Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina ist ein ernstes diplomatisches Konzept. Für Sachsen-Anhalt taugt sie nur als böse Metapher. Leider beschreibt diese Metapher inzwischen ziemlich gut, wie weit politische Wirklichkeiten auseinanderliegen können. Bei der Landtagswahl vom 6. September wurde die AfD nach dem vorläufigen Endergebnis mit 43,8 Prozent stärkste Kraft. Die CDU kam auf 17,2 Prozent. Eine absolute Mehrheit erreichte die AfD nicht. Das ist keine regionale Betriebsstörung mehr, die man mit einer Talkshow, drei mahnenden Leitartikeln und einem Besuch beim Bäcker in Wernigerode behebt. Hier ist eine politische Gegenwelt zur stärksten Kraft geworden. Zwei Staaten ohne Grenzpfähle Auf derselben Landkarte leben Menschen,...