POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Das Einzige und das „Einzigste“ Warum die Standardsprache „einzige“ verlangt, weshalb „einzigste“ als falsch gilt und warum Goethe die Form dennoch bewusst verwendete. Von Ralf Schönert • 18. August 2026 Der kleine Streit zwischen „einzige“ und „einzigste“ ist mehr als eine Schulfrage. Er führt direkt in das Spannungsfeld zwischen Sprachregel, Sprachgebrauch und literarischer Freiheit. In der heutigen Standardsprache gilt „einzige“ als korrekt; „einzigste“ wird normativ abgelehnt. Aber die Sache ist nicht deshalb banal, weil Goethe gerade diese Form benutzt hat. Sie zeigt vielmehr, dass Sprache nicht nur Logik, sondern auch Ausdruck ist. Grammatisch ist der Fall zunächst klar. Das Adjektiv „einzig“ bezeichnet etwas, das nur einmal vorhanden ist. Gerade deshalb wird es in der Standardsprache normalerweise nicht gesteigert. Wer also sagt „mein einziger Freund“, formuliert normgerecht; „mein einzigster Freund“ gilt nach ...
Altbauwohnungen, hippe Cafés, steigende Mieten – kaum ein Begriff steht so deutlich für die Veränderungen moderner Städte wie Gentrifizierung . Doch was genau passiert dabei? Der Begriff beschreibt den sozialen und wirtschaftlichen Aufwertungsprozess von Stadtvierteln, der oft zur Verdrängung einkommensschwächerer Bewohner führt. Der Soziologe Ruth Glass prägte den Begriff 1964 in London. Sie beobachtete, wie Arbeiterquartiere zunehmend von der Mittelschicht „entdeckt“ wurden. Junge Akademiker zogen in günstige Altbauwohnungen, sanierten Häuser, eröffneten Galerien und Cafés. Was zunächst nach urbaner Belebung aussah, führte bald zu steigenden Mieten, teuren Neubauten und einem sozialen Austausch der Bewohnerschaft. Gentrifizierung verläuft meist in vier Phasen: Pionierphase – Künstler, Studierende oder Kreative ziehen in heruntergekommene Viertel, weil sie billig sind. Aufwertungsphase – Investoren erkennen das Potenzial, sanieren Gebäude und locken neue Bewohner an. Ver...