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Die politische Ökonomie des Reichtums

Reichtum ist in modernen Gesellschaften weit mehr als privater Besitz. Er bedeutet ökonomische Verfügungsmacht, eröffnet politischen Einfluss und prägt, oft im Hintergrund, die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Genau darin liegt die eigentliche Problemstellung: Nicht der Wohlstand als solcher ist demokratisch fragwürdig, sondern seine starke Konzentration. Wenn Vermögen in wenigen Händen gebündelt sind, verschieben sich Machtverhältnisse – zulasten sozialer Ausgleichsfunktionen, öffentlicher Handlungsfähigkeit und gleicher Lebenschancen. Reichtum ist Macht – nicht nur Einkommen In der politischen Debatte wird häufig über Löhne, Inflation oder Bürgergeld gesprochen, seltener jedoch über Vermögen. Dabei liegt gerade hier ein zentraler Schlüssel zum Verständnis sozialer Ungleichheit. Einkommen bestimmt den Lebensunterhalt im Alltag; Vermögen hingegen schafft Sicherheit, Einfluss und Unabhängigkeit über Generationen hinweg. Wer große Immobilienbestände, Unternehmensanteile od...
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Populismus in Europa - Ursachen und Perspektiven

Verunsicherung als politischer Nährboden Populismus ist in Europa kein Randphänomen mehr, sondern Ausdruck einer tieferen gesellschaftlichen Krise. Wo viele Menschen den Eindruck gewinnen, wirtschaftlich zurückzufallen, politisch nicht mehr gehört zu werden und kulturell unter Rechtfertigungsdruck zu stehen, wächst die Bereitschaft, einfachen Antworten zu folgen. Populistische Bewegungen leben von diesem Gefühl der Entkopplung: zwischen Regierenden und Regierten, zwischen wirtschaftlicher Dynamik und sozialer Sicherheit, zwischen europäischer Integration und nationaler Alltagserfahrung. Soziale Unsicherheit stärkt politische Vereinfachung Ein zentraler Treiber des Populismus ist die soziale Frage. Steigende Lebenshaltungskosten, prekäre Beschäftigung, Wohnungsnot und die Sorge vor sozialem Abstieg erzeugen ein Klima dauerhafter Unsicherheit. Gerade dort, wo der Sozialstaat als geschwächt erlebt wird, gewinnen Parteien an Zulauf, die politische Konflikte auf ein scheinbar klares Sche...

Qualität beim ESC: Das Wort wurde leider verletzt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Über Bulgariens Sieg mit „Bangaranga“, die Sehnsucht nach kultureller Würde und die komische Verzweiflung, aus einem Punktespektakel ein Feuilletonseminar zu machen. Von Ralf Schönert  •  17. Mai 2026 Ein Kommentator schrieb über den Siegersong des diesjährigen ESC: „Dieser Song hat eine ganz andere Qualität.“ Das ist ein mutiger Satz. Ungefähr so mutig wie „Diese Tiefkühlpizza hat eine ontologische Wucht“. Man kann ihn sagen. Aber danach sollte jemand das Kulturressort kurz lüften. Bulgarien hat den 70. Eurovision Song Contest in Wien mit Dara und „Bangaranga“ gewonnen. 516 Punkte, erster Sieg für das Land, große Bühne, großes Licht, großes Raunen. Und schon greift die Kommentatorenhand nach dem schwersten Besteck: Qualität. Da liegt sie dann, diese Qualität, zwischen Nebelkanone und Televoting, wie ein Doktortitel auf einem Glitzerbody. Natürlich darf man den Song mögen. Man darf beim ESC sogar Dinge mögen, die außer...

Der Klugscheisser - Intersektionalität oder warum Diskriminierung selten nur eine Ursache hat

In Debatten über Gleichstellung, Diskriminierung und soziale Gerechtigkeit taucht immer häufiger der Begriff Intersektionalität auf. Doch was bedeutet er eigentlich? Der Begriff beschreibt, dass Menschen nicht nur durch eine einzige Kategorie wie Geschlecht, Herkunft oder Klasse benachteiligt werden, sondern durch deren Zusammenspiel. Diskriminierung wirkt also nicht eindimensional, sondern überkreuzt sich – wie Straßen in einer Kreuzung, dem englischen „intersection“. Geprägt wurde der Begriff von der US-amerikanischen Juristin und Bürgerrechtlerin Kimberlé Crenshaw Ende der 1980er-Jahre. Sie beobachtete, dass schwarze Frauen in rechtlichen Verfahren weder durch den Feminismus noch durch die Bürgerrechtsbewegung ausreichend vertreten wurden. Während der Feminismus meist von weißen Frauen ausging und die Bürgerrechtsbewegung sich auf schwarze Männer konzentrierte, fielen schwarze Frauen „zwischen die Kategorien“. Crenshaws Analyse zeigte, dass ihre spezifische Benachteiligung nur ve...

Wie politisch ist der ESC?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der Eurovision Song Contest versteht sich als unpolitisches Unterhaltungsformat – doch gerade seine europäische Öffentlichkeit macht ihn seit Jahrzehnten zu einer politischen Bühne. Von Ralf Schönert  •  16. Mai 2026 Der Eurovision Song Contest präsentiert sich gern als Fest der Musik, der Vielfalt und der europäischen Verständigung. Doch je größer seine mediale Reichweite geworden ist, desto stärker ist der Wettbewerb auch zu einem Spiegel politischer Konflikte geworden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob der ESC politisch ist, sondern auf welche Weise Politik dort sichtbar wird – offen, symbolisch oder unausgesprochen. Seit Jahren begleitet den ESC die Forderung, Politik aus dem Wettbewerb herauszuhalten. Die Europäische Rundfunkunion verweist regelmäßig auf Regeln gegen parteipolitische Botschaften oder politische Statements auf der Bühne. Gleichzeitig zeigt gerade die Geschichte des Wettbewerbs, dass Kul...