Am 1. März 1954 zündeten die USA auf dem Bikini-Atoll im Pazifik die Wasserstoffbombe „Castle Bravo“. Mit etwa 15 Megatonnen Sprengkraft – deutlich mehr als die prognostizierten sechs – wurde es der stärkste US-Atomtest. Die Fehlkalkulation beim Einsatz von Lithium-7 trieb radioaktiven Niederschlag weit über die ausgewiesene Sperrzone hinaus. Aus einem scheinbar technischen Versuch wurde binnen Stunden ein politisches Ereignis ersten Ranges – mit Folgen für Inselbewohner der Marshallinseln, Besatzungen von Fischereibooten, US-Militärangehörige und für die globale Debatte über Kernwaffen. Von der Testreihe zur internationalen Kontroverse „Bravo“ war der Auftakt der Operation Castle, einer Serie von Hochleistungsversuchen, die die Machbarkeit kompakter, militärisch nutzbarer H-Bomben demonstrieren sollte. Politisch folgten sofort Krisensymptome: In Japan löste die Verstrahlung der Besatzung des Trawler „Daigo Fukuryū Maru“ (Lucky Dragon No. 5) Empörung aus; der Tod des Funkers Kuboyama A...
Am 28. Februar 2004 erlebte die Karibiknation Haiti ein dramatisches politisches Ereignis: Der demokratisch gewählte Präsident Jean-Bertrand Aristide wurde unter umstrittenen Umständen aus dem Amt entfernt und ins Exil gezwungen. Dieses Ereignis markierte nicht nur einen Wendepunkt in der innenpolitischen Entwicklung Haitis, sondern hatte auch weitreichende Auswirkungen auf die internationale Politik in der Region. Jean-Bertrand Aristide, ein ehemaliger Priester mit starkem Rückhalt in der armen Bevölkerung Haitis, war bereits 1991 durch einen Militärputsch gestürzt worden, kehrte jedoch 1994 mit Unterstützung der USA ins Amt zurück. In den Jahren seiner zweiten Amtszeit (2001–2004) geriet er zunehmend unter Druck. Vorwürfe der Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Machtmissbrauch führten zu wachsender Unzufriedenheit im Land. Eine bewaffnete Rebellion begann im Februar 2004 im Norden Haitis, angeführt von ehemaligen Militärs und Paramilitärs. Am 28. Februar 2004 veränderte sich d...