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Warum der Präsident nicht krank ist, solange der Apparat nickt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum der Präsident nicht krank ist, solange der Apparat nickt An Donald Trump zeigt sich, wie Macht jede Frage nach Amtsfähigkeit in einen Loyalitätstest verwandelt und warum stationäre Behandlung in Washington fast schon als Staatsstreich gelten würde. Von Ralf Schönert  •  2. September 2026 Ob Donald Trump medizinisch an Demenz leidet, ist von außen nicht seriös feststellbar. Politisch aufschlussreicher ist ohnehin etwas anderes: Warum ein System, das jeden Anschein von Schwäche als Verrat behandelt, selbst offenkundige Fragen nach Gesundheit lieber wegmoderiert, bis nur noch die Tapeten ehrlicher wirken als das Personal. Die bequemste Erzählung lautet: Ein Mann zeigt Ausfälle, also gehört er in Behandlung. Das klingt vernünftig, hygienisch, fast staatsbürgerlich. Leider ist die Präsidentschaft kein Wartezimmer, sondern eine Maschine zur Verdrängung. Solange die Kulisse steht, gilt nicht der Befund, sondern die Beleu...
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SPD auf der Suche nach sich selbst

Politik · Sozialdemokratie · Gesellschaft Was das neue Grundsatzprogramm leisten muss – und warum es dabei um mehr geht als um neue Formulierungen Von Ralf Schönert · 1. September 2026 Die SPD arbeitet an einem neuen Grundsatzprogramm. 2027 soll das Hamburger Programm von 2007 abgelöst werden. Noch gibt es keinen fertigen Entwurf. Doch bereits jetzt wird deutlich: Es geht nicht nur um neue politische Forderungen. Die Sozialdemokratie muss eine viel grundsätzlichere Frage beantworten: Wen will sie im 21. Jahrhundert eigentlich vertreten? Die Debatte findet zu einem schwierigen Zeitpunkt statt. Die SPD ist weit von der Stärke einer klassischen Volkspartei entfernt, traditionelle Wählerbindungen haben sich gelöst und ihre politische Handschrift wird in Regierungskoalitionen häufig nur noch schwer erkannt. Deshalb wird das neue Grundsatzprogramm nicht daran gemessen werden können, wie elegant es formuliert ...

Was einen guten deutschen Sozialdemokraten ausmacht

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was einen guten deutschen Sozialdemokraten ausmacht Nach Wahlniederlage, Vertrauensverlust und neuer Programmsuche stellt sich die alte Frage neu: Woran misst sich sozialdemokratische Glaubwürdigkeit heute? Von Ralf Schönert  •  1. September 2026 Ein guter Sozialdemokrat ist weder der reine Verwaltungspragmatiker noch der nostalgische Bekenntnispolitiker. Er verbindet Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität mit demokratischer Nüchternheit, sozialer Verankerung und der Bereitschaft, Wandel so zu organisieren, dass er nicht auf dem Rücken der Schwächeren ausgetragen wird. Die Frage klingt altmodisch, ist aber hochaktuell. Nach der Bundestagswahl 2025, bei der die SPD bundesweit 16,4 Prozent erreichte, sprach die Partei selbst von einem historischen Einschnitt und einem tiefen Verlust an Rückhalt und Vertrauen. Wer heute über gute Sozialdemokratie spricht, spricht deshalb nicht über Stilfragen, sondern über politische Re...

Hat der Westen mit einem Befreier oder mit einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher kooperiert?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Kosovo-Sondertribunal: Hat der Westen mit einem Befreier oder mit einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher kooperiert? Der Fall Hashim Thaçi berührt nicht nur die Frage individueller Schuld, sondern auch die politische Bereitschaft des Westens, strategische Partner lange von einer kritischen Prüfung auszunehmen. Von Ralf Schönert  •  31. August 2026 Das Kosovo-Sondertribunal verhandelt keine nationale Gründungslegende, sondern mögliche individuelle Verbrechen im Schatten eines Befreiungskrieges. Gerade darin liegt seine politische Sprengkraft: Nicht nur Hashim Thaçi und andere frühere UÇK-Führer stehen zur Prüfung, sondern auch die westliche Neigung, aus geopolitischer Nützlichkeit moralische Eindeutigkeit zu machen. Hashim Thaçi wurde für viele Kosovo-Albaner zur Verkörperung des Aufstiegs vom Guerillakommandeur zum Staatsmann. Nach dem Krieg arbeitete er eng mit westlichen Regierungen und Institutionen zusammen, zuerst im ...

Oh Gott, die Isländer haben die Beitrittsverhandlungen zur EU abgelehnt. Werden jetzt die Preise für eingelegten Hering ins Unermessliche steigen?

Es ist passiert. Island hat die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen abgelehnt. Europa taumelt. Die Märkte zittern.  Und irgendwo in einem Edeka in Niedersachsen steht ein Rentner namens Horst vor dem Kühlregal und hält drei Gläser Bismarckhering an die Brust. „Die kriegt ihr nicht“, sagt er. Zu niemandem. Noch.  Der Heringsschock von 2026 Natürlich behaupten sogenannte Fachleute, die Entscheidung Islands werde nicht unmittelbar zu einer Verknappung von eingelegtem Hering führen. Fachleute sagen so etwas immer kurz vor dem Zusammenbruch einer Zivilisation. „Es gibt keinen Grund zur Panik.“ „Die Lieferketten sind stabil.“ „Der Hering ist ausreichend verfügbar.“ Das haben die Römer vermutlich auch über Garum gesagt. Und wo ist Rom heute? Ruinen. Denken Sie darüber nach.  Der Nordatlantik schließt. Nach unbestätigten Berichten hat Island bereits begonnen, sämtliche Heringe zu zählen. Jeder Fisch erhält eine Nummer. Besonders große Exemplare zusätzli...