POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Vom Recycling zur Konstruktion der Zukunft Die Kreislaufwirtschaft verlangt mehr als Abfallvermeidung: Sie stellt die Frage, ob unsere industrielle Produktionslogik grundlegend neu gedacht werden muss. Von Ralf Schönert • 15. Juni 2026 Die Idee der Kreislaufwirtschaft hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Verschiebung erfahren: Weg von der nachträglichen Verwertung von Abfällen, hin zu einem grundlegenden Umdenken im Design von Produkten. Im Zentrum steht nicht mehr das Recycling als Endpunkt, sondern die Frage, wie Produkte von Beginn an so gestaltet werden können, dass Abfall gar nicht erst entsteht. Diese Verschiebung ist politisch bedeutsam. Sie betrifft nicht nur Umweltpolitik im engeren Sinne, sondern auch Industriepolitik, Innovationsstrategien und globale Lieferketten. Die Europäische Union hat mit ihrem Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft bereits früh signalisiert, dass Produktdesign, Reparierbarkeit un...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Lernen ohne Verfallsdatum Neue Erkenntnisse zur Neuroplastizität stellen tradierte Altersbilder infrage und werfen eine politische Kernfrage auf: Welche Konsequenzen hat lebenslange Lernfähigkeit für Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe? Von Ralf Schönert • 14. Juni 2026 Die moderne Hirnforschung korrigiert ein lange gepflegtes Narrativ: Lernen ist keine Fähigkeit der Jugend allein. Die Erkenntnis, dass das Gehirn bis ins hohe Alter strukturell und funktional anpassungsfähig bleibt, verändert nicht nur unser Bild vom Altern, sondern auch die politischen Rahmenbedingungen von Bildung und sozialer Integration. Über Jahrzehnte galt das Altern vor allem als Prozess des Verlustes: kognitive Abnahme, nachlassende Flexibilität, begrenzte Lernfähigkeit. Diese Sichtweise war nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich wirksam. Sie prägte Bildungssysteme, Arbeitsmärkte und sozialpolitische Konzepte. Ältere M...