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Rettet Chaos Menschenleben?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Rettet Chaos Menschenleben? Warum die Physik von Menschenmengen zeigt, dass Sicherheit nicht nur eine Frage von Ordnung, sondern auch von kluger Steuerung ist. Von Ralf Schönert  •  24. Oktober 2026 Menschenmengen wirken unberechenbar. Doch gerade dort, wo viele Körper zugleich durch enge Räume drängen, gelten physikalische Regeln. Die eigentliche politische Frage lautet daher nicht, ob Chaos Leben retten kann, sondern ob Verwaltung, Veranstalter und Sicherheitsbehörden bereit sind, aus der Wissenschaft praktische Konsequenzen zu ziehen. Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich: Eine kleine Störung vor einem Ausgang kann unter bestimmten Bedingungen den Abfluss einer Menschenmenge verbessern. Gemeint ist nicht Unordnung im gesellschaftlichen Sinn, sondern eine gezielte Brechung gefährlicher Gleichförmigkeit. Wenn viele Menschen gleichzeitig durch eine Engstelle wollen, entsteht Druck. Der Ausgang wird nicht schnel...
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Was war das „Frakturverbot“?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was war das „Frakturverbot“? Ein Blick auf den Normalschrifterlass von 1941 und die politische Frage, warum selbst Schriftformen zu Trägern von Ideologie, Erinnerung und Missverständnissen werden können. Von Ralf Schönert  •  18. Oktober 2026 Das sogenannte „Frakturverbot“ ist mehr als eine typografische Randnotiz. Es zeigt, wie politische Macht versucht, selbst Schriftbilder zu deuten, umzuwerten und für Herrschaftszwecke nutzbar zu machen. Wer darüber spricht, spricht deshalb nicht nur über Buchstaben, sondern über Kulturpolitik, Propaganda und historische Erinnerung. Der Begriff „Frakturverbot“ bezeichnet verkürzt einen Vorgang aus dem Januar 1941. Martin Bormann verbreitete damals ein nicht zur Veröffentlichung bestimmtes Rundschreiben der NSDAP, in dem die bis dahin vielfach als „deutsche Schrift“ verstandenen gebrochenen Schriften zugunsten der Antiqua zurückgedrängt wurden. Die Antiqua sollte künftig als „Normal-...

Der Klugscheisser - Governance - Was steckt hinter dem Begriff?

Der Begriff Governance ist in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft allgegenwärtig – und doch schwer zu fassen. Er beschreibt die Art und Weise, wie Gesellschaften, Institutionen oder Unternehmen gesteuert werden, ohne dass eine einzelne Autorität allein bestimmt . Governance steht also für das Zusammenspiel von Staat, Markt und Zivilgesellschaft bei der Gestaltung gemeinsamer Angelegenheiten. Während „Government“ klassisch die Regierungstätigkeit meint, bezeichnet „Governance“ ein breiteres Konzept: Steuerung durch Netzwerke, Kooperation und Regeln , die über nationale Grenzen und formale Zuständigkeiten hinausreichen. Der Begriff gewann in den 1990er-Jahren an Bedeutung, als Globalisierung und Deregulierung staatliche Steuerung zunehmend komplizierten. In der Politikwissenschaft unterscheidet man mehrere Formen: Public Governance – die Zusammenarbeit zwischen Staat, Verwaltung und Bürgern, etwa bei Stadtentwicklung oder Klimapolitik. Corporate Governance – die Regeln guter...

Armut als demokratische Schlüsselfrage

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Armut als demokratische Schlüsselfrage Warum Armut nicht nur soziale Not beschreibt, sondern die republikanische Substanz einer Demokratie berührt. Von Ralf Schönert  •  16. Oktober 2026 Armut ist mehr als ein Mangel an Geld. Sie entscheidet darüber, wer sich beteiligen kann, wer gehört wird und wer die Demokratie nur noch als entfernte Ordnung erlebt. Am Vorabend des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut stellt sich deshalb eine politische Kernfrage: Wie republikanisch kann ein Gemeinwesen sein, wenn ein erheblicher Teil seiner Bürgerinnen und Bürger dauerhaft unter Teilhabedruck steht? Die Bundesrepublik diskutiert Armut oft in der Sprache der Sozialverwaltung: Regelsätze, Wohngeld, Kinderzuschlag, Armutsgefährdungsquote. Diese Begriffe sind notwendig, aber sie verkleinern das Problem, wenn sie den politischen Gehalt verdecken. Denn Armut ist nicht nur eine Lage am unteren Rand der Einkommensverteilung. ...

Der Staat traut sich was

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der Staat traut sich was Warum die Ehe noch immer als politisches Möbelstück herumsteht: unbequem, steuerlich gepolstert und gesellschaftlich erstaunlich schwer zu entsorgen. Von Ralf Schönert  •  15. Oktober 2026 Man kann nicht immer glücklich sein, man muss auch mal heiraten: In diesem Satz steckt die ganze deutsche Begabung, private Sehnsucht in einen Verwaltungsakt zu verwandeln und anschließend so zu tun, als sei der Stempel eine Rose. Die Ehe ist das einzige romantische Projekt, das mit einem Termin beim Amt beginnt und im Steuerrecht seine lyrischste Ausformung findet. Zwei Menschen treten vor die Republik und erklären, künftig gemeinsam zu irren. Der Staat lächelt sparsam, reicht Urkunden und sortiert schon die Freibeträge. Amor, dieser unzuverlässige Praktikant, wird durch die Sachbearbeitung ersetzt. Politisch bleibt die Ehe ein erstaunlich zähes Fossil. Sie ist nicht tot, sie riecht nur nach Aktenordner. Wä...