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Wehrhafte Demokratie braucht kühlen Verstand

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wehrhafte Demokratie braucht kühlen Verstand Die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren kreist um eine ernste Frage: Wann muss der Rechtsstaat handeln und wann würde ein Vorstoß politisch mehr riskieren als gewinnen? Von Ralf Schönert  •  9. September 2026 Die Forderung nach einem AfD-Verbotsverfahren ist weder Ausdruck bloßer Nervosität noch bereits ein Beweis politischer Entschlossenheit. Sie berührt den Kern der wehrhaften Demokratie: Ein Parteiverbot darf nicht aus taktischer Ungeduld betrieben werden, aber es darf auch nicht aus Furcht vor politischen Folgen vorschnell verworfen werden. Über ein solches Verfahren entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht; antragsberechtigt sind Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Wer über ein Parteiverbot spricht, spricht nicht über ein normales Mittel des politischen Wettbewerbs. Ein Verbot ist die schärfste Reaktion, die der demokratische Verfassungsstaat gegen eine Pa...
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Der digitale Euro ist ein Macht- und Vertrauensprojekt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der digitale Euro ist ein Macht- und Vertrauensprojekt Zwischen Zahlungssouveränität, Datenschutz und demokratischer Kontrolle entscheidet sich, ob Europas Währung auch im digitalen Alltag öffentlich verankert bleibt. Von Ralf Schönert  •  8. September 2026 Der digitale Euro ist kein technisches Randthema für Notenbanker und Zahlungsdienstleister. Er berührt eine grundsätzliche politische Frage: Wer garantiert im digitalen Zeitalter noch, dass Geld mehr ist als ein privat vermittelter Service? Gerade deshalb muss die Debatte nüchtern geführt werden. Es geht nicht um die Abschaffung des Bargelds, aber auch nicht bloß um eine neue Bezahl-App. Es geht um die öffentliche Infrastruktur des Geldes. Seit die EU-Kommission 2023 ihren Rechtsrahmen für einen möglichen digitalen Euro vorgelegt hat, ist klar, dass hier ein institutionelles Großprojekt entsteht, an dem EZB, Rat und Europäisches Parlament gleichermaßen beteiligt sind...

Neues aus der D(S)achs(aden-Anstalt): Früher war sogar die schlechte Statistik besser

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die AfD verklärt in Sachsen-Anhalt die 1990er- und 2000er-Jahre zum verlorenen Paradies. Dummerweise erinnern sich die Zahlen weniger romantisch. Von Ralf Schönert  •  7. September 2026 Nostalgie besitzt einen unschlagbaren politischen Vorteil: Die Vergangenheit kann sich nicht mehr wehren. In Sachsen-Anhalt wird daraus gerade ein Regierungsprogramm in Sepia – mit Sicherheit, Freiheit und Ordnung aus einer Zeit, deren reale Kennzahlen erstaunlich wenig Sehnsuchtspotenzial besitzen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund warb im Wahlkampf für ein „altes, sicheres Deutschland“ und verwies ausdrücklich auf die 1990er- und 2000er-Jahre. Einen Tag nach der Landtagswahl ist das keine folkloristische Randnotiz mehr: Die AfD gewann nach vorläufigem Endergebnis 43,8 Prozent der Stimmen. Das Versprechen funktioniert, weil politische Nostalgie keine Jahresberichte liest. Sie erinnert sich an Simson, D-Mark und übersichtliche Fernseh...

Staatsgründung ohne vollendete Emanzipation

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Brasiliens Unabhängigkeit: Staatsgründung ohne vollendete Emanzipation Der 7. September 1822 markiert einen historischen Bruch mit Portugal. Politisch entscheidend ist bis heute jedoch die Frage, was nationale Unabhängigkeit bedeutet, wenn soziale Ungleichheit und alte Machtstrukturen fortbestehen. Von Ralf Schönert  •  7. September 2026 Der 7. September 1822 war für Brasilien ein Moment von weltgeschichtlicher Tragweite. Doch die Unabhängigkeit bedeutete nicht automatisch den Beginn einer freien und gleichen politischen Gemeinschaft. Sie begründete einen souveränen Staat, ließ aber zentrale soziale und politische Hierarchien zunächst bestehen. Gerade deshalb ist dieses Datum mehr als ein Nationalfeiertag: Es ist ein Prüfstein für die Frage, wie weit politische Selbstbestimmung und gesellschaftliche Emanzipation tatsächlich zusammenfallen. Als Dom Pedro am 7. September 1822 die Loslösung von Portugal erklärte, entstand kein...

Wenn rechtsnationale Politik zur Normalität drängt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt zeigt, wie sich nicht nur Mehrheiten, sondern auch politische Maßstäbe verschieben. redaktionell bearbeitet von Ralf Schönert  •  6. September 2026 Kurzthese: Der Aufstieg rechtsnationaler Politik zeigt sich nicht nur in Wahlergebnissen, sondern auch in einer Verschiebung dessen, was im politischen Mainstream sagbar und durchsetzbar wird. Entscheidend bleibt die Grenze zwischen demokratischem Konservatismus und ethnisch-nationaler Ausgrenzung. Warum das wichtig ist: Politische Normalisierung beginnt häufig lange vor einer tatsächlichen Regierungsbeteiligung. Lesedauer: etwa 3 Minuten Themen: AfD, Konservatismus, Migration, Demokratie, Sachsen-Anhalt Deutschland erlebt keinen einfachen Rechtsruck, bei dem sich das gesamte politische Spektrum gleichmäßig verschiebt. Sichtbar wird vielmehr ein Prozess, in dem rechtsnationale Positionen wahlpolitisch an Gewicht gewinnen und zugl...