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Zwischen Abschreckung und Fehlkalkulation: Wie real ist ein Krieg zwischen den USA und China?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Zwischen Abschreckung und Fehlkalkulation: Wie real ist ein Krieg zwischen den USA und China? Die eigentliche Gefahr liegt derzeit weniger in einer zwangsläufigen Kriegsentscheidung als in einer schleichenden Zuspitzung rund um Taiwan, in der militärische Signale, Bündnislogik und politische Missdeutungen ineinandergreifen. Von Ralf Schönert  •  4. Juni 2026 Wer heute von einem drohenden Krieg zwischen den USA und China spricht, sollte zwei Fehler vermeiden: Alarmismus und Selbstberuhigung. Ein großer Krieg ist nicht unausweichlich. Aber die politische und militärische Lage im Indopazifik ist so angespannt, dass schon ein begrenzter Zwischenfall, eine Blockade oder eine falsch gelesene Absicht weitreichende Folgen haben könnte. Im Zentrum der Spannung steht Taiwan. China erhöht seit Jahren den militärischen, wirtschaftlichen und politischen Druck auf die Insel. Der jüngste Pentagon-Bericht beschreibt, wie die Volksbefre...
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Tiefsee-Bergbau: Rohstoffsuche im geopolitischen Schattenraum

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Tiefsee-Bergbau: Rohstoffsuche im geopolitischen Schattenraum Zwischen strategischer Abhängigkeit und ökologischer Ungewissheit stellt sich die Frage, ob der Abbau seltener Rohstoffe am Meeresgrund ein notwendiger Schritt oder ein riskantes Experiment ist. Von Ralf Schönert  •  3. Juni 2026 Die Suche nach seltenen Erden und strategischen Metallen hat längst neue Räume erschlossen. Der Meeresboden gilt als eine der letzten großen Rohstoffreserven der Erde. Doch der Tiefsee-Bergbau wirft grundlegende Fragen auf: nach der politischen Kontrolle globaler Gemeingüter, nach technologischer Verantwortung und nach den Grenzen wirtschaftlicher Expansion. Mit dem wachsenden Bedarf an Metallen für Digitalisierung, Energiewende und Elektromobilität hat sich der Blick auf die Tiefsee verschoben. Manganknollen, Kobaltkrusten und andere mineralische Vorkommen werden zunehmend als strategische Ressource betrachtet. Internationale Insti...

Zwischen Beschleunigung und Wandel: Die neue Grammatik der digitalen Öffentlichkeit

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Zwischen Beschleunigung und Wandel: Die neue Grammatik der digitalen Öffentlichkeit Wie soziale Medien und Kurznachrichtendienste die deutsche Sprache verändern – und welche politischen und gesellschaftlichen Folgen daraus entstehen. Von Ralf Schönert  •  2. Juni 2026 Sprache ist kein statisches System, sondern ein historisch gewachsenes, sich fortlaufend wandelndes Gefüge. Mit der Verbreitung sozialer Medien und digitaler Kommunikationsformen scheint sich dieser Wandel jedoch zu beschleunigen. Die zentrale Frage lautet: Verändert die digitale Kurzkommunikation nicht nur unseren Sprachgebrauch, sondern auch die Struktur des Deutschen selbst – und damit mittelbar die politische Öffentlichkeit? Digitale Kommunikation ist geprägt von Geschwindigkeit, Verdichtung und situativer Anpassung. Plattformen wie Kurznachrichtendienste oder soziale Netzwerke begünstigen kurze, prägnante und oft fragmentierte Ausdrucksformen. Abkürzungen, ...

Walter Lübcke: Mutiger Demokrat und Opfer rechter Gewalt – Ein Leben für Menschenwürde und Grundgesetz

Walter Lübcke (1953 – 2019) war CDU-Politiker und seit 2009 Regierungspräsident des Regierungs­bezirks Kassel. Nach einer Banklehre, acht Jahren Wehrdienst und einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium mit Promotion leitete er Bildungs­einrichtungen, ehe er 1999 in den Hessischen Landtag einzog. Seine offene Art, sein Engagement für Demokratie und sein Plädoyer für die Aufnahme Geflüchteter prägten sein Wirken. Besonders bekannt wurde sein Auftritt 2015 in Lohfelden, als er christliche Nächstenliebe und das Grundgesetz gegen fremden­feindliche Zwischenrufe verteidigte. Die daraufhin im Netz verbreitete verkürzte Video­sequenz machte Lübcke zum Ziel einer lang­anhaltenden Hass­kampagne aus der extremen Rechten. Am Abend des 1. Juni 2019 erschoss ihn der vorbestrafte Neonazi Stephan Ernst auf der Terrasse seines Hauses in Istha. Ernst wurde am 28. Januar 2021 wegen Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt; sein Mitangeklagter Markus H. erhielt eine Bewä...

Der Klugscheisser - Bürger – Vom Bewohner zur politischen Idee

Kaum ein Wort hat die europäische Geschichte so nachhaltig geprägt wie „Bürger“ . Es bezeichnet nicht nur den Einwohner einer Stadt, sondern steht zugleich für ein gesellschaftliches Ideal – den freien, selbstverantwortlichen Menschen. Der Weg von der mittelalterlichen Stadtmauer bis zum modernen Staatsbürger ist sprachlich wie historisch eine Geschichte der Emanzipation. Herkunft und Etymologie Das Wort Bürger geht zurück auf das Mittelhochdeutsche burgære , das „Bewohner einer Burg“ oder „Mitglied einer befestigten Siedlung“ bedeutete. Die Wurzel burg- findet sich bereits im Althochdeutschen burg („Befestigung, Schutzort“) und im Indogermanischen bhergh- („hoch, erhoben, Schutz“). Ein Bürger war also ursprünglich jemand, der innerhalb einer Burg lebte – geschützt durch Mauern, aber auch gebunden an Pflichten gegenüber der Gemeinschaft. Die sprachliche Nähe zu „Burg“ verdeutlicht, dass Bürgertum zunächst nicht politisch , sondern territorial definiert war. Der mittelalter...