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Der Klugscheisser - Was ist Meritokratie oder warum Leistung allein nicht immer zählt

Die Idee klingt bestechend: In einer Meritokratie soll jeder Mensch nach Leistung, Begabung und Fleiß beurteilt werden – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status. Auf den ersten Blick scheint das gerecht. Wer sich anstrengt, soll aufsteigen. Doch hinter dem Begriff Meritokratie verbirgt sich mehr als ein moralisches Ideal – nämlich ein gesellschaftliches Versprechen, das in der Realität oft gebrochen wird. Der Begriff stammt vom britischen Soziologen Michael Young , der 1958 in seiner satirischen Schrift The Rise of the Meritocracy eine Zukunft entwarf, in der Bildung und Intelligenz die neue Hierarchie begründen. Was als Kritik gemeint war, wurde später zur politischen Leitidee. Staaten wie Großbritannien, die USA oder auch Deutschland begannen, sich als meritokratische Gesellschaften zu verstehen: Wer Leistung zeigt, kommt nach oben – unabhängig von sozialen Schranken. Doch die Praxis zeigt: Leistung misst sich selten neutral. Bildungschancen hängen stark vom Elte...
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Die unsichtbare Macht des Glases

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die unsichtbare Macht des Glases Warum LIDE, Advanced Packaging und Glas-Mikrostrukturen mehr mit technologischer Souveränität zu tun haben, als der Begriff „Verpackung“ zunächst vermuten lässt. Von Ralf Schönert  •  16. April 2026 Wer über Halbleiterpolitik spricht, denkt meist an Fabriken, Subventionen und Nanometer. Doch ein wesentlicher Teil der digitalen Machtfrage entscheidet sich an einer weniger sichtbaren Stelle: beim Packaging. LIDE, eine laserbasierte Glasbearbeitungstechnologie, zeigt, dass technologische Souveränität nicht nur im Chip selbst liegt, sondern auch in den Strukturen, die ihn verbinden, schützen und leistungsfähig machen. Der Begriff „Packaging“ führt leicht in die Irre. Gemeint ist nicht Verpackung im alltäglichen Sinn, sondern die hochpräzise Einbettung, Verdrahtung und Verbindung von Halbleitern. In dieser Ebene entstehen aus einzelnen Chips funktionierende Systeme. Sie entscheidet mit darübe...

Der 16. April 1945 und die Zumutung der Wahrheit

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der 16. April 1945 und die Zumutung der Wahrheit Als Weimarer Bürger nach der Befreiung Buchenwalds ins Lager geführt wurden, entstand ein Schlüsselmoment deutscher Erinnerungskultur: die Einsicht, dass politisches Verbrechen nicht erst mit den Tätern beginnt, sondern auch mit dem gesellschaftlichen Wegsehen. Von Ralf Schönert  •  16. April 2026 Der 16. April 1945 markiert einen Augenblick, in dem Erinnerung nicht als spätere Deutung, sondern als unmittelbare Konfrontation begann. Als die US-Armee rund 1.000 bis 1.200 Bürger aus Weimar in das befreite KZ Buchenwald führen ließ, ging es nicht um pädagogische Symbolik, sondern um eine politische Lektion: Verbrechen dieses Ausmaßes konnten nicht glaubhaft als fernes Geheimnis behandelt werden. Buchenwald lag nicht irgendwo am Rand der Welt, sondern auf dem Ettersberg bei Weimar, in Sichtweite einer Stadt, die für deutsche Klassik, Humanismus und Bildung steht. Gerade dies...

Bye-bye X: Wenn die Sperre mehr über die Plattform verrät als über den Post

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Bye-bye X: Wenn die Sperre mehr über die Plattform verrät als über den Post Der Fall ist kleiner als die großen Debatten über Meinungsfreiheit im Netz – und gerade deshalb aufschlussreich: Was sagt eine Accountsperre über die politische Kultur einer Plattform aus? Von Ralf Schönert  •  15. April 2026 Die Sperrung meines Accounts ist heute selten nur eine private Unannehmlichkeit. Sie ist ein politischer Hinweis darauf, wie weit private Plattformen über Sichtbarkeit, Reichweite und Teilnahme am öffentlichen Gespräch verfügen. Wenn ein argumentierender politischer Beitrag (Link s.u.) zur Sanktion führt, dann liegt das eigentliche Problem nicht zuerst im verletzten Ego des Autors, sondern in der Intransparenz eines digitalen Machtzentrums. Der Anlass ist konkret. Mein Blogbeitrag vom 3. April 2026 (Link s.u.) über „Trump und den neuen Machtblock der Technik“ argumentiert zugespitzt, aber erkennbar analytisch. Der Text wa...

Geschichte als Warnung - Lehren aus dem 20. Jahrhundert

Geschichte liefert keine fertigen Handlungsanweisungen. Aber sie schärft den Blick für Muster, Brüche und Gefährdungen. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, politischer Polarisierung und sinkenden Vertrauens in Institutionen wird historische Urteilskraft zu einer demokratischen Schlüsselkompetenz. Wer das 20. Jahrhundert nicht nur als Abfolge von Daten, sondern als Erfahrungsraum von Krisen und Entscheidungen versteht, erkennt schneller, wie verletzlich offene Gesellschaften sind. Demokratie zerfällt selten auf einen Schlag Eine der wichtigsten Lehren des 20. Jahrhunderts lautet: Demokratien verschwinden meist nicht plötzlich, sondern schrittweise. In der Weimarer Republik kamen ökonomische Krisen, soziale Abstiegsängste, politische Radikalisierung und institutionelle Schwäche zusammen. Entscheidend war nicht nur die Existenz extremistischer Kräfte, sondern das Versagen demokratischer Eliten, rechtzeitig gegenzusteuern. Das ist auch heute relevant. Wenn Parlamente verächt...