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Helsinki 1975 und Europas zerbrechliche Friedensordnung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Helsinki 1975 und Europas zerbrechliche Friedensordnung Die KSZE-Schlussakte war kein Friedensvertrag, sondern ein politisches Regelwerk. Gerade weil ihre Prinzipien heute verletzt werden, zeigt sich, wie grundlegend sie für Europas Ordnung geworden sind. Von Ralf Schönert  •  24. August 2026 Die KSZE-Schlussakte von Helsinki markierte 1975 einen Wendepunkt der europäischen Nachkriegsgeschichte. Sie beendete den Ost-West-Konflikt nicht, aber sie band Machtpolitik an gemeinsame Prinzipien: Souveränität, Gewaltverzicht, territoriale Integrität, Kooperation und Menschenrechte. Im Rückblick liegt ihre eigentliche Bedeutung darin, dass sie Sicherheit nicht nur militärisch, sondern politisch und gesellschaftlich dachte. Gerade die Gegenwart zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn diese Verbindung zerreißt. Als am 1. August 1975 in Helsinki die Vertreter von 35 Staaten unterschrieben, war dies weder ein Akt romantischer Versöhnun...
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Was von „Russians“ geblieben ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was von „Russians“ geblieben ist Mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung zeigt Stings Lied, wie schnell die Logik des Kalten Krieges in Europa wieder politische Gegenwart werden kann. Von Ralf Schönert  •  23. August 2026 „Russians“ ist kein nostalgisches Relikt der achtziger Jahre, sondern ein politisches Warnsignal aus einer Epoche, die lange überwunden schien. Seine eigentliche Aktualität liegt heute nicht in der Popgeschichte, sondern in der Rückkehr jener Denkfiguren, gegen die das Lied 1985 ansang: Angst, Feindbildpflege und die gefährliche Illusion, Sicherheit könne dauerhaft gegen die Menschlichkeit organisiert werden. Als Teil von Stings Debütalbum „The Dream Of The Blue Turtles“ erschien „Russians“ im Juni 1985; als Single wurde der Song am 29. November 1985 veröffentlicht. Das Stück war damit ein Kind jener späten Phase des Kalten Krieges, in der atomare Abschreckung, rhetorische Eskalation un...

Generationen im Dissens: Wenn dieselbe Demokratie in verschiedenen Zeiten lebt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Generationen im Dissens: Wenn dieselbe Demokratie in verschiedenen Zeiten lebt Der politische Abstand zwischen Jung und Alt ist weniger ein bloßer Kulturkonflikt als das Ergebnis auseinanderlaufender Lebenslagen, Krisenerfahrungen und demografischer Machtgewichte. Von Ralf Schönert  •  22. August 2026 Dass jüngere und ältere Bürger politisch unterschiedlich urteilen, ist nicht neu. Neu ist jedoch, wie deutlich sich hinter diesen Unterschieden verschiedene Erfahrungswelten verfestigen: hier eine krisenerfahrene jüngere Generation, dort eine zahlenstarke ältere Wählerschaft, deren Gewicht im politischen System wächst. Der Dissens zwischen den Generationen ist deshalb kein Nebengeräusch, sondern berührt die Repräsentationsfrage der Demokratie selbst. Die Bundestagswahl 2025 hat diesen Befund greifbar gemacht. Die Wahlbeteiligung der Jüngeren stieg zwar deutlich, blieb bei den bis 34-Jährigen aber unter dem Durchschnitt; ...

Der dankbare Staat und seine alten Leute

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der dankbare Staat und seine alten Leute Zum Seniorentag am 21. August stellt sich eine unerquicklich einfache Frage: Will die Politik ältere Menschen ernst nehmen oder nur höflich beruhigen? Von Ralf Schönert  •  21. August 2026 Der Seniorentag ist ein netter Termin für Sonntagsreden, aber ein miserabler Ersatz für Politik. Wer ältere Menschen nur feiert, statt Rente, Pflege, Wohnen und digitale Teilhabe verlässlich zu sichern, betreibt keine Anerkennung, sondern höflich dekorierte Vernachlässigung. Am 21. August darf man wieder offiziell dankbar sein. Der Kalender liebt solche Übungen: ein Tag fürs Alter, ein Händedruck fürs Lebenswerk, und danach zurück zur gewohnten Staatskunst des Wegverwaltens. Blumen sind eben billiger als barrierefreie Haltestellen. Das Problem beginnt dort, wo Alter nur als Stimmungskulisse erscheint. Ältere Menschen sind keine sentimentale Reserve der Nation, sondern Bürgerinnen und Bürger m...

Der Heiland von Palm Beach

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der Heiland von Palm Beach Warum ein Teil der amerikanischen Rechten Donald Trump nicht mehr wie einen Präsidenten behandelt, sondern wie eine Erlösungsfigur, die über Kritik, Institutionen und Wirklichkeit hinausgehoben werden soll. Von Ralf Schönert  •  20. August 2026 Donald Trump hat natürlich kein Wasser in Wein verwandelt, ist nicht über das Wasser von Mar-a-Lago gelaufen und hat auch keine 5000 Menschen gespeist. Satirisch interessant ist etwas anderes: dass ein Teil seiner politischen Umgebung offenbar bereit wäre, genau so etwas irgendwann für plausibel zu halten. Darin liegt die eigentliche Diagnose. Man kennt die Liturgie inzwischen. Trump heilt die Lahmen, weil seine Gegner plötzlich wieder stehen können, sobald es um Fernsehkameras geht. Er stillt Hunger, weil jede Massenveranstaltung aussieht, als sei Fast Food bereits ein Sakrament. Und wenn das politische Drehbuch noch etwas mehr Pathos verlangt, wird er...