POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Lernen ohne Verfallsdatum Neue Erkenntnisse zur Neuroplastizität stellen tradierte Altersbilder infrage und werfen eine politische Kernfrage auf: Welche Konsequenzen hat lebenslange Lernfähigkeit für Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe? Von Ralf Schönert • 14. Juni 2026 Die moderne Hirnforschung korrigiert ein lange gepflegtes Narrativ: Lernen ist keine Fähigkeit der Jugend allein. Die Erkenntnis, dass das Gehirn bis ins hohe Alter strukturell und funktional anpassungsfähig bleibt, verändert nicht nur unser Bild vom Altern, sondern auch die politischen Rahmenbedingungen von Bildung und sozialer Integration. Über Jahrzehnte galt das Altern vor allem als Prozess des Verlustes: kognitive Abnahme, nachlassende Flexibilität, begrenzte Lernfähigkeit. Diese Sichtweise war nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich wirksam. Sie prägte Bildungssysteme, Arbeitsmärkte und sozialpolitische Konzepte. Ältere M...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Biodiversität als wirtschaftliche Infrastruktur Das Artensterben ist kein Randthema des Naturschutzes, sondern ein strukturelles Risiko für globale Lieferketten und wirtschaftliche Stabilität. Von Ralf Schönert • 13. Juni 2026 Biodiversität wird häufig als ökologisches Anliegen verhandelt. Tatsächlich ist sie jedoch eine stille Grundlage wirtschaftlicher Prozesse. Ihr Verlust gefährdet nicht nur Ökosysteme, sondern zunehmend auch die Stabilität globaler Lieferketten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Biodiversität geschützt werden sollte, sondern wie eng ihre Erosion bereits mit wirtschaftlichen Risiken verknüpft ist. Moderne Volkswirtschaften beruhen auf hochgradig verflochtenen Produktions- und Lieferstrukturen. Rohstoffe, Vorprodukte und Nahrungsmittel werden über Kontinente hinweg bewegt, verarbeitet und verteilt. Diese Systeme erscheinen auf den ersten Blick technisch organisiert, tatsächlich s...