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Nein, kein Aprilscherz ! - Merz' Syrien-Satz

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Merz' Syrien-Satz und das Problem der politischen Zielzahl Die Kritik an der Merz-Aussage zielt weniger auf das Thema Rückkehr selbst als auf eine Migrationspolitik, die mit Prozentmarken arbeitet und damit Recht, Integration und politische Realität vermischt. Von Ralf Schönert  •  1. April 2026 Friedrich Merz hat mit seiner Aussage, in den kommenden drei Jahren sollten rund 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer in ihre Heimat zurückkehren, eine Debatte ausgelöst, die weit über Tagespolitik hinausweist. Der Vorgang zeigt, wie riskant es ist, komplexe Migrationsfragen in politische Zielzahlen zu übersetzen, bevor rechtliche, soziale und außenpolitische Voraussetzungen geklärt sind. Der Satz fiel nach dem Treffen mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa am 30. März in Berlin. Schon einen Tag später relativierte Merz die Aussage und erklärte, die Zahl von 80 Prozent sei vom syrischen Präsidenten genannt worden. Ger...
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Erst Lachgas, dann Klingelpflicht: Deutschland verwaltet den Verfall

Deutschland hat wieder geliefert. Nicht etwa Tempo, Mut oder politische Eleganz — nein, das wäre ja exzentrisch. Stattdessen gibt es zum Frühjahr 2026 zwei wunderbar bezeichnende Korrekturen am kaputten Alltagszirkus: weniger Lachgas für Minderjährige und mehr ordnungsliebende Feinarbeit am E-Scooter. Anders gesagt: Erst versucht man, Jugendlichen den chemischen Kurzurlaub aus dem Automaten zu erschweren, dann optimiert man die mobile Gehwegbelästigung technisch nach. Das ist in seiner Gesamtheit so deutsch, dass man beim Lesen fast automatisch einen Verwaltungsvorgang faltet. Beim Lachgas hat der Staat nun immerhin gemerkt, dass es keine Sternstunde des Jugendschutzes ist, wenn Minderjährige sich mit Distickstoffmonoxid in einen billigen Disco-Nebel fürs Gehirn schießen können. Eine bestechende Erkenntnis. Fast revolutionär. Offenbar musste erst ein ganzes Heer aus besorgten Erwachsenen feststellen, dass „Partydroge legal, günstig und niedrigschwellig verfügbar“ am Ende nicht zu meh...

Der Klugscheisser - Arbeit – Vom Leid zur Leistung

Das Wort Arbeit steht heute für Leistung, Erwerb und Selbstverwirklichung – ein zentraler Begriff moderner Gesellschaften. Doch in seinem Ursprung trägt es einen ganz anderen Klang: Es bedeutete einst Mühsal , Plage oder gar Leid . Die Geschichte dieses Wortes ist zugleich eine Geschichte des gesellschaftlichen Wertewandels – von der Notwendigkeit zum Ideal, vom Zwang zur Tugend. Herkunft und sprachliche Entwicklung Die Wurzeln des Wortes reichen weit zurück. Im Althochdeutschen hieß es arabeit oder arebeit , im Altsächsischen arabîti , im Altenglischen earfoþ („Mühe, Leiden“). Alle Formen gehen vermutlich auf das urgermanische *arbaiþiz zurück, das „Beschwerde, Mühsal“ bedeutete. Ein möglicher Bezug besteht zum indogermanischen Stamm *orbh- , der „sich abmühen“ oder „verwaist sein“ bedeutete – eine sprachlich wie symbolisch bemerkenswerte Verbindung: Arbeit als Mühe des Verlassenen. Das Mittelhochdeutsche kannte bereits die Formen arbeit und arebeit , wobei das Wort noch...

Nicht aus Europa, sondern gegen Europas Ordnung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Nicht aus Europa, sondern gegen Europas Ordnung Orbán, Fico und andere nationale Machtpolitiker sind kein Randphänomen mehr, sondern ein Testfall für die Frage, ob die Europäische Union ihre eigenen Werte noch wirksam verteidigen kann. Von Ralf Schönert  •  30. März 2026 Das Problem der Europäischen Union heißt nicht Ungarn oder Slowakei als solche. Es heißt die systematische Aushöhlung jener politischen und rechtlichen Grundlagen, auf denen die Union beruht. Wer Medienfreiheit schwächt, den Rechtsstaat politisch biegt und nationale Souveränität gegen gemeinsame Bindungen ausspielt, steht nicht außerhalb Europas, aber er arbeitet gegen die europäische Ordnung. Viktor Orbán ist dafür seit Jahren der markanteste Fall. Seine Regierungen haben Ungarn zu einem Modell der illiberalen Demokratie umgebaut: formal pluralistisch, tatsächlich aber geprägt von Machtkonzentration, klientelistischen Strukturen und einer politischen K...

Trump, UFOs und der Juli: Wie belastbar ist das Gerücht?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Trump, UFOs und der Juli: Wie belastbar ist das Gerücht? Zwischen angekündigter Transparenz, digitaler Gerüchtebildung und politischer Inszenierung stellt sich vor allem eine Frage: Gibt es wirklich einen belastbaren Hinweis auf eine Offenlegung von „UFO-Beweisen“ im Juli? Von Ralf Schönert  •  30. März 2026 Das Gerücht, Donald Trump wolle im Juli Beweise für UFOs oder gar außerirdisches Leben offenlegen, ist nach heutigem Stand nicht belastbar. Belegt ist lediglich, dass Trump im Februar 2026 eine Freigabe von UFO- beziehungsweise UAP-Unterlagen angekündigt hat. Ein offizieller Juli-Termin ist daraus bislang nicht geworden; vieles spricht dafür, dass sich hier politische Ankündigung, Archivpolitik und Internetmythologie überlagern. Der Ausgangspunkt der aktuellen Spekulation ist vergleichsweise nüchtern. Reuters berichtete im Februar, Trump habe angekündigt, Regierungsstellen zur Veröffentlichung von Akten über „aliens...