Es gibt Menschen, die brauchen ein Auto. Sie brauchen es für den Arbeitsweg, den Einkauf, den Wochenendausflug oder um sich morgens im Stau daran zu erinnern, dass Freiheit manchmal nach Abgasen riecht und 47 Minuten zu spät kommt. Ich brauche kein Auto. Denn meine Mutter fährt mich jeden Morgen mit dem Lastenfahrrad zur Arbeit. Sie ist 85 Jahre alt. Und ja, bevor jemand fragt: Natürlich hat sie mir vorher Frühstück gemacht. Wir sind hier schließlich nicht bei irgendeinem halbherzigen Serviceangebot, sondern bei einem Premium-Mobilitätsmodell mit familiärer Vollverpflegung. Andere nennen es „Mikromobilität“. Ich nenne es: Mama. Der Morgen beginnt mit Frühstück und leichter moralischer Überlegenheit Während andere hektisch ihre Autoschlüssel suchen, Scheiben freikratzen oder sich über Benzinpreise beschweren, sitze ich am Frühstückstisch. Meine Mutter hat schon alles vorbereitet. Kaffee, Brot, vielleicht ein Ei, vielleicht ein Blick, der sagt: „Du bist erwachsen, aber offenbar nu...
Die Weltordnung verschiebt sich. Was lange als amerikanisches Jahrhundert galt, weicht einer bipolaren Rivalität zwischen den USA und China – mit Europa als umkämpftem Terrain in der Mitte. Für Europäerinnen und Europäer ist das keine abstrakte Großmachtfrage: Sie betrifft Lieferketten, Energiepreise, digitale Infrastruktur und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wirtschaftliche Abhängigkeiten als politische Verwundbarkeit Europa hat jahrzehntelang von offenen Märkten profitiert – und dabei strukturelle Abhängigkeiten aufgebaut, die heute zur Schwachstelle werden. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner; amerikanische Konzerne dominieren europäische Cloud-Infrastruktur und digitale Kommunikation. Die Corona-Pandemie legte offen, wie fragil globalisierte Lieferketten sind, wenn Grundstoffe für Medikamente und Halbleiter überwiegend in Asien produziert werden. Ähnliches gilt für seltene Erden, die für die Energiewende unverzichtbar sind. Wirtschaftliche Verflechtung ist kein...