Demokratie lebt vom Prinzip politischer Gleichheit: jede Stimme zählt formal gleich. In der gesellschaftlichen Wirklichkeit gilt das jedoch nur eingeschränkt. Große Vermögen erzeugen Machtressourcen, die weit über den Markt hinausreichen. Wer über Kapital, Beteiligungen, Medienzugänge und institutionelle Netzwerke verfügt, kann politische Prozesse indirekt mitgestalten – oft leise, legal und dauerhaft. Gerade darin liegt die demokratische Herausforderung. Besitz schafft politischen Vorsprung Große Vermögen wirken nicht erst dann politisch, wenn Unternehmer oder Milliardäre offen Forderungen an Regierungen richten. Einfluss entsteht viel früher: durch Lobbystrukturen, Stiftungen, Beratungsnetzwerke, Parteispenden, Beteiligungen an Medienhäusern oder den privilegierten Zugang zu Entscheidungsträgern. Während normale Bürger ihre Interessen meist punktuell artikulieren, können Vermögende ihre Anliegen professionell, dauerhaft und strategisch vertreten lassen. Das verschiebt das politisch...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Rumen Radev: General, Präsident, Symptom einer Staatskrise Wer Rumen Radev verstehen will, sollte weniger auf den Mann allein als auf das politische Vakuum schauen, in dem er groß geworden ist. Von Ralf Schönert • 9. November 2026 Rumen Radev ist ein ehemaliger Luftwaffengeneral, der in Bulgarien vom Staatsoberhaupt zur Projektionsfigur einer tieferen politischen Erschöpfung geworden ist. Seine Karriere erklärt sich nicht nur aus persönlicher Popularität, sondern aus einer lang anhaltenden Krise des Parteiensystems, aus Misstrauen gegenüber Eliten und aus dem Wunsch nach einer Autorität, die über den zersplitterten Lagern zu stehen scheint. Biografisch ist Radev rasch beschrieben: Er kam aus dem Militär, führte die bulgarische Luftwaffe und wurde 2016 zum Präsidenten gewählt; 2021 bestätigten ihn die Wähler für eine zweite Amtszeit. Politisch ist er schwerer einzuordnen. Er trat mit dem Anspruch auf, Korruption, ins...