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Die C-14-Diamantbatterie ist keine Wunderzelle

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die C-14-Diamantbatterie ist keine Wunderzelle Die neue Betavoltaik zeigt weniger den Beginn eines Energiezeitalters als den Versuch, nukleares Erbe in eine hoch spezialisierte Langzeittechnologie zu verwandeln. Von Ralf Schönert  •  18. September 2026 Die C-14-Diamantbatterie ist eine neuartige Radionuklid- oder genauer Betavoltaik-Batterie, die den Zerfall von Kohlenstoff-14 in elektrische Energie umwandelt. Politisch interessant ist sie nicht, weil sie Smartphones oder Elektroautos revolutionieren würde, sondern weil sie eine ernste Frage berührt: Wie lassen sich nukleare Altlasten, Hightech-Forschung, Regulierung und strategische Industriepolitik sinnvoll miteinander verbinden? Vorgestellt wurde die weltweit erste Kohlenstoff-14-Diamantbatterie Ende 2024 von der University of Bristol und der britischen Atomenergiebehörde UKAEA. Das Entscheidende daran ist nicht ein spektakulärer Leistungswert, sondern die extreme Da...
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Der Klugscheisser - Desiderat erklärt Was verbirgt sich hinter dem Begriff?

Wer wissenschaftliche Texte liest, stößt früher oder später auf das Wort Desiderat . Es klingt gelehrt, beinahe geheimnisvoll – doch seine Bedeutung ist schlicht und präzise zugleich. Ein Desiderat ist etwas, das fehlt. Es bezeichnet eine Forschungslücke , eine offene Frage oder ein noch nicht erfülltes Bedürfnis in der wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Diskussion. Der Begriff stammt vom lateinischen desiderare , was so viel heißt wie „ersehnen“ oder „wünschen“. In der Gelehrtensprache des 18. und 19. Jahrhunderts wurde daraus ein Ausdruck für das, was man sich in der Forschung oder Lehre wünscht – nämlich Erkenntnis dort, wo sie bislang fehlt. Wenn also ein Historiker schreibt: „Die Rolle der Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet bleibt ein Desiderat der Forschung“, meint er: Hier gibt es noch etwas zu erforschen. Ein Desiderat ist damit kein Mangel im negativen Sinn, sondern ein Hinweis auf Erkenntnispotenzial. Es markiert die Grenze des Wissens und lädt dazu ein, diese zu über...

Die Weltordnung vor der Bewährungsprobe

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Weltordnung vor der Bewährungsprobe Warum die Vereinten Nationen gebraucht werden, obwohl sie in den großen Krisen unserer Zeit oft machtlos wirken. Von Ralf Schönert  •  16. September 2026 Wenn am 22. September 2026 die Generaldebatte der 81. UN-Generalversammlung beginnt, steht nicht nur ein diplomatisches Ritual auf dem Programm. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob internationale Institutionen noch handlungsfähig sind, wenn Machtpolitik, Kriege, Blockaden und nationale Egoismen die globale Ordnung sichtbar belasten. Die Vereinten Nationen sind ein Kind der Katastrophe. 1945 entstanden sie aus der Erfahrung zweier Weltkriege, nicht aus weltbürgerlichem Idealismus allein. Ihr Kernversprechen war nie die Abschaffung aller Konflikte, sondern ihre Einhegung durch Regeln, Verfahren und Gesprächskanäle. Gerade deshalb ist die Enttäuschung über die UN oft so groß: Man erwartet von ihnen eine Weltregierung, obwohl sie...

Vom Bergbau zur Bedeutungslosigkeit

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Vom Bergbau zur Bedeutungslosigkeit Schalke 04 und die SPD erzählen auf unterschiedliche Weise vom Verlust alter Milieus, vertrauter Bindungen und politischer Selbstgewissheit. Von Ralf Schönert  •  15. September 2026 Schalke 04 und die SPD sind keine beliebigen Institutionen. Beide waren über Jahrzehnte Teil einer Ruhrgebietsidentität, die Arbeit, Solidarität, Stolz und Aufstieg miteinander verband. Ihre Krise ist deshalb mehr als sportlicher Misserfolg oder parteipolitische Schwäche. Sie verweist auf den Zerfall eines sozialen Fundaments. Die Parallele zwischen Schalke 04 und der SPD liegt nicht darin, dass Fußballverein und Partei gleichartig wären. Sie liegt tiefer: Beide lebten lange von einer Bindung, die stärker war als aktuelle Leistung. Schalke war für viele Menschen im Revier nicht nur ein Verein, sondern ein Stück Herkunft. Die SPD war für viele Arbeiterfamilien nicht nur eine Partei, sondern politische Heima...

Wie Rechtspopulisten besiegt werden können

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wie Rechtspopulisten besiegt werden können Warum demokratische Politik mehr braucht als Empörung: Klarheit, soziale Glaubwürdigkeit und handlungsfähige Institutionen. Von Ralf Schönert  •  14. September 2026 Rechtspopulisten werden nicht allein durch moralische Abgrenzung geschwächt. Sie verlieren dort an Kraft, wo demokratische Politik konkrete Probleme löst, Vertrauen zurückgewinnt und die offene Gesellschaft nicht defensiv, sondern selbstbewusst verteidigt. Die Leitfrage lautet nicht, wie man Rechtspopulismus zum Verschwinden bringt. Er gehört als Versuchung zur modernen Massendemokratie: die einfache Antwort, der starke Mann, das homogene Volk, der Sündenbock. Entscheidend ist, ob demokratische Parteien ihm die gesellschaftliche Deutung überlassen. Rechtspopulismus wächst, wenn Menschen das Gefühl haben, dass politische Institutionen ihre Lebenswirklichkeit nicht mehr erreichen. Wer ihn besiegen will, muss deshalb...