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Sozialstaat unter Druck - Wo soziale Sicherheit heute tatsächlich bröckelt

Der Sozialstaat gilt vielen als tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Er ist das Versprechen, dass niemand in Deutschland ins Bodenlose fällt, egal ob durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Alter. Doch in den letzten Jahren mehren sich die Zweifel, ob dieses Versprechen noch eingelöst werden kann. Die Belastungsgrenzen des Systems werden immer deutlicher sichtbar, und die Verunsicherung in der Bevölkerung wächst. Wo bröckelt die soziale Sicherheit heute tatsächlich? Pflege: Ein System am Limit Ein Bereich, in dem die Risse im sozialen Netz besonders deutlich werden, ist die Pflege. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig an, während gleichzeitig ein massiver Fachkräftemangel herrscht. Die Folge sind überlastetes Personal, unzureichende Versorgung und hohe Eigenanteile für die Betroffenen. Die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 war ein wichtiger Schritt, doch sie reicht heute nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Die Politik hat zwar Reformen auf den W...
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CDU, Merz und AfD - Meine Zweifel an der Brandmauer

Die Stabilität der demokratischen Mitte hängt nicht nur von Programmen ab, sondern auch von politischen Grenzziehungen. Gerade deshalb ist die Frage, ob der CDU unter Friedrich Merz bei der Aufrechterhaltung der Brandmauer zur AfD zu trauen ist, keine parteitaktische Nebensache. Sie berührt den Kern der politischen Kultur in Deutschland: ob demokratische Parteien bereit sind, kurzfristige Mehrheiten über langfristige Stabilität zu stellen. Der entscheidende Grund für das Misstrauen liegt in der Diskrepanz zwischen Bekenntnis und politischer Praxis. Merz hat die Zusammenarbeit mit der AfD zwar wiederholt ausgeschlossen. Zugleich nahm die Union Ende Januar 2025 im Bundestag in Kauf, dass ein migrationspolitischer Antrag mit Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt. Genau darin liegt das Problem: Eine Brandmauer ist nur dann glaubwürdig, wenn sie nicht erst an der Tür zur Regierung beginnt, sondern bereits im parlamentarischen Handeln sichtbar wird. Wer Mehrheiten bewusst so organisiert, da...

Wem gehört die Wahrheit der Vergangenheit?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wem gehört die Wahrheit der Vergangenheit? Die neue Debatte über Demokratiegeschichte, Erinnerungskultur und politische Deutungshoheit zeigt: Umkämpft ist nicht nur, was erinnert wird, sondern nach welchen Maßstäben eine Gesellschaft ihre Vergangenheit versteht. Von Ralf Schönert  •  24. März 2026 Vergangenheit ist kein ruhiger Besitzstand. Sie wird erforscht, erinnert, politisch aufgerufen und mitunter bewusst verzerrt. Gerade deshalb lautet die entscheidende Frage nicht, wem die Wahrheit der Vergangenheit gehört, sondern ob demokratische Gesellschaften die institutionelle Kraft besitzen, zwischen Erinnerung, Interessen und überprüfbarer historischer Erkenntnis zu unterscheiden. In diesen Wochen ist das Thema auffallend präsent. Der erste bundesweite Tag der Demokratiegeschichte hat den 18. März als Datum des deutschen Freiheits- und Verfassungsgedächtnisses sichtbar gemacht. Zugleich diskutieren Gedenkstätten, Parlame...

Soziale Marktwirtschaft -Modell im Wandel

Das von Alfred Müller-Armack konzipierte und von Ludwig Erhard politisch umgesetzte Modell der sozialen Marktwirtschaft gilt unbestritten als eines der zentralen Fundamente des bundesrepublikanischen Erfolgs. Sein Kernversprechen war die Synthese aus wirtschaftlicher Dynamik und sozialem Ausgleich – ein „Wohlstand für alle“, der nicht durch staatliche Planwirtschaft, sondern durch einen geordneten Wettbewerb innerhalb eines sozialen Rahmens erreicht werden sollte. Über Jahrzehnte hinweg funktionierte dieses Modell als Garant für Stabilität und breite Teilhabe. Doch seit den 1980er-Jahren, beschleunigt durch Globalisierung und Finanzmarktliberalisierung, ist das feine Gleichgewicht ins Wanken geraten. Die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der sozialen Marktwirtschaft und der Notwendigkeit ihrer Reformierung hat sich zu einer der zentralen gesellschaftspolitischen Debatten der Gegenwart entwickelt. Die Erosion des sozialen Ausgleichs Die soziale Marktwirtschaft basierte auf dem unausgespr...

aus der Geschichte: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen …“ – Die SPD als letzte Bastion der Demokratie: Wie Otto Wels und seine Fraktion am 23. März 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz standen

Der Weg in die NS-Diktatur wurde nicht „vom Volk“ per Mehrheitsentscheid geebnet, sondern durch eine Abfolge von Kriegsfolgen, ökonomischen Krisen, politischer Zersetzung – und schließlich durch parlamentarische Zustimmung bürgerlicher Parteien zum Ermächtigungsgesetz. Die SPD blieb als einzige Fraktion standhaft , verkörperte in Otto Wels’ Reichstagsrede den normativen Kern der Demokratie – und ging bewusst das Risiko von Verfolgung ein. Von Weimarer Aufbauleistung zur Belagerung der Demokratie Die Sozialdemokratie prägte die Gründungsjahre der Republik: Sie trug Verfassung, Parlamentarismus und soziale Reformen mit – und verteidigte die Demokratie gegen Angriffe von rechts und links. Doch die Hypotheken des Ersten Weltkriegs (Dolchstoßmythos, Reparationen), Hyperinflation 1923 und die Weltwirtschaftskrise ab 1929 zerlegten das Parteiensystem. Präsidialkabinette regierten zunehmend per Notverordnung; das Parlament verlor Bindekraft. Diese Erosion lieferte der NS-Bewegung die Bühne – ...