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Wohngeld unter Spardruck: Warum Kürzen keine Wohnungspolitik ersetzt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die geplanten Einschnitte beim Wohngeld berühren eine Grundfrage sozialdemokratischer Politik: Soll der Sozialstaat vorbeugen oder erst reparieren, wenn Wohnungsnot bereits entstanden ist? Von Ralf Schönert  •  21. Juni 2026 Die Frankfurter Rundschau beschreibt die geplanten Einschnitte beim Wohngeld mit deutlicher Schärfe. Die Zuspitzung ist erkennbar, der Kern des Problems aber bleibt ernst: Wer beim Wohngeld spart, greift in ein Instrument ein, das nicht erst Armut verwaltet, sondern Wohnungsverlust und soziale Abstiegserfahrungen verhindern soll. Der unten verlinkte Artikel spricht von einem „Wohngeld-Kahlschlag“. Diese Formulierung ist journalistisch hart, aber nicht aus der Luft gegriffen. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat Bundesbauministerin Verena Hubertz Kürzungen verteidigt, die alle bisherigen Empfängerinnen und Empfänger treffen könnten; ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte soll seinen Anspr...
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Restitution jenseits der Schlagzeilen

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Restitution jenseits der Schlagzeilen Die eigentliche politische Bewährungsprobe der Rückgabedebatte liegt nicht in den prominenten Einzelfällen, sondern in der stillen Umstellung von Museen, Rechtsordnungen und internationaler Kooperation. Von Ralf Schönert  •  21. Juni 2026 Die Debatte über die Rückführung von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten ist längst größer als ihre berühmtesten Beispiele. Politisch entscheidend ist inzwischen, ob aus moralischer Symbolik belastbare Verfahren werden: Provenienzforschung, Transparenz, Verhandlungen mit Herkunftsgesellschaften und neue Modelle gemeinsamer Verantwortung. Lange prägten vor allem wenige Fälle die öffentliche Wahrnehmung: die Benin-Bronzen, die Parthenon-Skulpturen, einzelne spektakuläre Museumsentscheidungen. Doch die gegenwärtige Entwicklung verläuft breiter und leiser. Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren nicht nur Benin-Bestände, sondern auch Hundert...

Arbeit nach dem Acht-Stunden-Tag

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Arbeit nach dem Acht-Stunden-Tag Automatisierung und flexible Arbeitszeitmodelle verschieben eine alte Ordnung: Nicht mehr nur die Länge der Arbeit steht zur Debatte, sondern ihre Verteilung, Kontrolle und soziale Absicherung. Von Ralf Schönert  •  20. Juni 2026 Der klassische Acht-Stunden-Tag war nie nur eine betriebliche Regel, sondern ein sozialer Kompromiss des Industriezeitalters. Heute gerät er von zwei Seiten unter Druck: durch technische Automatisierung, die Arbeitsabläufe verdichtet und verschiebt, und durch politische Forderungen nach mehr zeitlicher Flexibilität. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob sich Arbeit verändert, sondern wer die neuen Spielräume definiert und zu wessen Nutzen. Der Acht-Stunden-Tag ist historisch ein Schutzrecht. Die Internationale Arbeitsorganisation erhob 1919 die Begrenzung auf acht Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich zum arbeitsrechtlichen Leitbild. Auch in De...

Hegseths Rede und Europas strategische Prüfung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die NATO steht nach der Brüsseler Rede des US-Verteidigungsministers vor einer neuen Phase: weniger Routine, mehr Bedingung, mehr europäische Verantwortung. Von Ralf Schönert  •  19. Juni 2026 Kurzthese: Pete Hegseths Rede vom 18. Juni 2026 war mehr als eine Mahnung zu höheren Verteidigungsausgaben. Sie machte deutlich, dass die USA ihre Rolle in Europa künftig stärker an Bedingungen knüpfen wollen. Warum das wichtig ist: Für Europa geht es nicht mehr nur um Haushaltszahlen, sondern um politische Handlungsfähigkeit. Lesedauer: etwa 5 Minuten. Themen: NATO, USA, Europa, Verteidigungspolitik, transatlantische Beziehungen. Die Rede des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel markiert einen ernsten Moment für das Bündnis. Sie zeigt nicht das Ende der NATO, wohl aber das Ende mancher Selbstverständlichkeiten, auf denen Europa lange gebaut hat. Hegseth sprach am 18. J...

Gebaute Nähe, gelebte Distanz

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Gebaute Nähe, gelebte Distanz Die Gestaltung des öffentlichen Raums ist keine bloße Geschmacksfrage, sondern eine politische Entscheidung darüber, wie viel Begegnung, Sicherheit, Teilhabe und seelische Entlastung eine Gesellschaft ihren Bürgern ermöglicht. Von Ralf Schönert  •  19. Juni 2026 Städte und Gemeinden debattieren über Wohnungsbau, Verkehr, Klimaanpassung und Sicherheit meist in getrennten Zuständigkeiten. Doch im Alltag der Menschen greifen diese Felder ineinander. Ob ein Platz einlädt oder abschreckt, ob Grün erreichbar ist, ob Wege sicher, schattig und barrierefrei sind, entscheidet mit darüber, wie Menschen sich begegnen, wie sie ihre Umgebung erleben und wie belastend oder entlastend ein urbanes Leben wirkt. Dass hochwertige Grün- und Freiräume soziale und gesundheitliche Wirkungen entfalten können, ist durch internationale und deutsche Fachdebatten seit Jahren gut belegt. Öffentlicher Raum ist deshalb immer au...