POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Srebrenica mahnt: Erinnerung braucht Verantwortung Drei Jahrzehnte nach dem Genozid stellt sich erneut die Frage, wie Erinnerung politisch wirksam bleiben kann – und welche Verantwortung daraus für Europa erwächst. Von Ralf Schönert • 10. Juli 2026 Der Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 bleibt ein Einschnitt europäischer Nachkriegsgeschichte. Mehr als 8.000 bosnische Muslime wurden innerhalb weniger Tage ermordet – unter den Augen einer internationalen Öffentlichkeit, die nicht rechtzeitig eingriff. Erinnerung an dieses Verbrechen ist heute mehr als ein Gedenken: Sie ist eine politische Verpflichtung. Srebrenica steht für das Scheitern internationaler Schutzversprechen. Die von den Vereinten Nationen als „Schutzzone“ deklarierte Stadt konnte nicht vor der Einnahme durch bosnisch-serbische Truppen bewahrt werden. Die späteren Urteile internationaler Gerichte, darunter des Internationalen Strafgerichtshofs für das ...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Europas neue Sicherheitsordnung – Zwischen Abschreckung und Eskalation Der Krieg in der Ukraine und die strategische Neuaufstellung der NATO markieren eine Zäsur: Entsteht eine dauerhafte Sicherheitsarchitektur der Abschreckung – oder droht eine neue Eskalationslogik? Von Ralf Schönert • 9. Juli 2026 Europas sicherheitspolitische Ordnung befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Der anhaltende Krieg in der Ukraine hat nicht nur territoriale Fragen neu aufgeworfen, sondern die grundlegenden Annahmen über Stabilität, Abschreckung und Kooperation erschüttert. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob sich die Sicherheitsarchitektur verändert, sondern in welche Richtung diese Entwicklung führt. Die europäische Sicherheitsordnung der Nachkriegszeit beruhte lange auf einem paradoxen Gleichgewicht: militärische Abschreckung einerseits, institutionalisierte Kooperation andererseits. Während des Kalten Kriege...