POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Curtis Yarvin und die elegante Verachtung der Demokratie Warum der neoreaktionäre US-Ideengeber politisch nicht wegen seiner Exzentrik, sondern wegen der Anschlussfähigkeit seiner antidemokratischen Denkfigur ernst genommen werden muss. Von Ralf Schönert • 16. August 2026 Curtis Yarvin ist keine Randfigur mehr, die man achselzuckend dem exzentrischen Internet überlassen könnte. Sein Denken bündelt eine alte autoritäre Sehnsucht in neuer, technokratischer Sprache: Demokratie erscheint bei ihm nicht als unvollkommene, aber korrigierbare Ordnung, sondern als Betriebsunfall, der durch konzentrierte Exekutivmacht ersetzt werden solle. Gerade diese Verbindung aus Elitenarroganz, digitaler Kühle und politischer Anschlussfähigkeit macht seine Texte so problematisch. Wer Curtis Yarvin nur als exzentrischen Blogger abtut, unterschätzt den Vorgang. Unter dem Pseudonym Mencius Moldbug hat er seit Jahren eine Denkfigur ausgearbei...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Moses und das elfte Gebot von eBay Eine absurde Frage mit erstaunlich politischem Kern: Warum Plattformregeln heute wichtiger sind als Namen, Empörung und die deutsche Lust, jede Hausordnung in Weltanschauung zu verwandeln. Von Ralf Schönert • 15. August 2026 Die Frage ist albern, aber politisch ergiebig. Nicht weil eBay heimlich alttestamentarische Obergrenzen verwaltet, sondern weil sie zeigt, wie bereitwillig wir private Plattformregeln für Naturgesetze halten und jede technische Einschränkung sofort als Identitätsdrama aufführen. Natürlich darf ein Mensch namens Moses nach den derzeit öffentlich zugänglichen eBay-Regeln mehr als zehn Gebote abgeben. eBay arbeitet mit Maximalgeboten, automatischen Erhöhungsschritten und bindenden Geboten, nicht mit Namensexegese. Gerade deshalb ist die Frage hübsch. Sie legt die deutsche Spezialbegabung frei, Verwaltungslogik mit Kulturkampf zu marinieren. Aus einem Konto wird eine Wel...