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Last Eastern

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Last Eastern, I gave you my eggs Eine kleine Oster-Persiflage über die große deutsche Kunst, jedes Feiertagsritual in ein politisches Ersatzgefecht zu verwandeln und dabei so zu tun, als ginge es um Zivilisation. Von Ralf Schönert  •  5. April 2026 Aus dem schiefen Gassenhauer "Last Eastern, I gave you my eggs" wird in diesem Frühjahr eine treffende Diagnose der politischen Gegenwart: Selbst das Ei ist nicht mehr Frühstück, Brauchtum oder kümmerliche Proteinquelle, sondern Material für Aufgeregtheit, Identitätspflege und symbolische Herrschaft. Ostersonntag fällt 2026 auf den 5. April, und damit pünktlich in jene Jahreszeit, in der Politik besonders gern so tut, als sei Folklore bereits Staatskunst. Dann werden Nester befüllt, Predigten recycelt und Kommentare verfasst, in denen das Abendland an einem Schokohasen hängt wie sonst nur an der nächsten Sonntagsfrage. Der Mensch braucht Rituale; der politische Betrieb brau...
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Warum ich Viktor Orbán mag

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum ich Viktor Orbán mag Eine kleine Satire über den politischen Reiz eines Mannes, der zeigt, wie man Demokratie formell bewahrt und inhaltlich ausdünnt. Von Ralf Schönert  •  5. April 2026 Ich mag Viktor Orbán, weil er dem nervösen Europa eine seltene Dienstleistung anbietet: Klarheit. Wo andere noch so tun, als seien Gewaltenteilung, Medienpluralismus und Opposition lästige, aber notwendige Bestandteile der Demokratie, liefert er die nüchterne Kurzfassung: Macht ist am schönsten, wenn sie gewählt aussieht. Orbán hat Ungarn seit 2010 so nachhaltig geprägt, dass man seine Methode inzwischen fast für einen eigenen Baustil halten kann. Bereits 2014 sprach er offen davon, in Ungarn einen „illiberal state“ zu errichten. Das ist an ihm so angenehm ehrlich. Andere Politiker beschädigen liberale Institutionen und nennen es Modernisierung. Orbán erledigt dieselbe Arbeit mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der auch...

Ostern zwischen Schoko-Hasen, Familien-Drama und Zucker-Schock: Ein satirischer Blick aufs Fest

Jedes Jahr dasselbe. Kaum hat man sich von der weihnachtlichen Völlerei erholt und halbwegs vergessen, dass Onkel Dieter beim Raclette wieder ungefragt politische Thesen in die Käsepfanne gekotzt hat, hoppelt schon der nächste Marketing-Albtraum durchs Blumenbeet: Ostern. Oh, wie süß. Ein Fest der Auferstehung. Ein Wochenende voller Hoffnung, Besinnlichkeit und massenproduzierter Marzipanversuche. Der Tod wurde besiegt – mit einem rosa Plastikgrasnest aus dem Drogeriemarkt und einem schielenden Schoko-Hasen, der aussieht, als sei er Zeuge eines Verbrechens geworden. Und während sich Familien in christlicher Eintracht zum Osterbrunch versammeln, tun sie das, was sie am besten können: passive Aggression hinter serviettengefalteten Hasenohren verstecken. „Ach, du bist immer noch Single? Na ja, Jesus war ja auch allein. Zumindest bis zur Kreuzigung.“ Danke, Tante Heidrun. Wirklich erhebend. Natürlich dürfen die Kinder nicht zu kurz kommen – sie werden mit derart viel Zucker versorgt, da...

Glück auf! – Ursprung, Bedeutung und Geschichte des Bergmannsgrußes

Der Bergmannsgruß „Glück auf!“ ist weit mehr als eine Grußformel – er ist ein Stück deutscher Kulturgeschichte und Ausdruck einer jahrhundertealten Arbeitswelt. Ursprünglich aus dem Erzbergbau des Erzgebirges stammend, wurde der Spruch zum Symbol für Hoffnung, Gemeinschaft und Solidarität unter Bergleuten. Ursprung im Bergbau Im Mittelalter wagten sich Bergleute tief unter die Erde, um Erze, Kohle oder Salz zu fördern. Die Arbeit war lebensgefährlich: Einsturzgefahr, Gasexplosionen oder Wassereinbrüche begleiteten den Alltag. Der Gruß „Glück auf!“ bedeutete ursprünglich: „Möge sich der Schacht auftun und reiche Erze zutage fördern“ – also wörtlich das Glück, eine ergiebige Ader zu finden. Mit der Zeit wandelte sich die Bedeutung. „Glück auf!“ wurde zu einem allgemeinen Wunsch nach Glück, Gesundheit und sicherer Heimkehr aus der Grube . Er begleitete nicht nur den Beginn der Schicht, sondern auch festliche Anlässe, Bergparaden und Zusammenkünfte der Knappschaften. Seinen Ursprung ha...

Trump und der neue Machtblock der Technik

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Trump und der neue Machtblock der Technik Der Begriff "Techno-Faschismus" ist zugespitzt. Als Diagnose taugt er nur begrenzt. Doch er verweist auf eine reale Entwicklung: die enge Verbindung von exekutiver Macht, digitaler Infrastruktur, Sicherheitsstaat und privatwirtschaftlicher Technikelite. Von Ralf Schönert  •  3. April 2026 Wer über Trump und die neue amerikanische Rechte spricht, sollte mit historischen Analogien vorsichtig umgehen. Der Ausdruck "Techno-Faschismus" bezeichnet keine exakte Wiederkehr der 1930er Jahre. Er benennt vielmehr eine politische Verschiebung: Regierungsmacht sucht ihre Durchsetzung zunehmend im Bündnis mit Plattformkonzernen, KI-Strategen, Datenfirmen und einer Ideologie der Entgrenzung technischer Kontrolle. In Trumps zweiter Amtszeit ist diese Verschiebung deutlicher sichtbar geworden. Die Regierung hat früh regulatorische Hürden für künstliche Intelligenz abgebaut und einen Kurs ...