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Der Klugscheisser - Governance - Was steckt hinter dem Begriff?

Der Begriff Governance ist in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft allgegenwärtig – und doch schwer zu fassen. Er beschreibt die Art und Weise, wie Gesellschaften, Institutionen oder Unternehmen gesteuert werden, ohne dass eine einzelne Autorität allein bestimmt . Governance steht also für das Zusammenspiel von Staat, Markt und Zivilgesellschaft bei der Gestaltung gemeinsamer Angelegenheiten. Während „Government“ klassisch die Regierungstätigkeit meint, bezeichnet „Governance“ ein breiteres Konzept: Steuerung durch Netzwerke, Kooperation und Regeln , die über nationale Grenzen und formale Zuständigkeiten hinausreichen. Der Begriff gewann in den 1990er-Jahren an Bedeutung, als Globalisierung und Deregulierung staatliche Steuerung zunehmend komplizierten. In der Politikwissenschaft unterscheidet man mehrere Formen: Public Governance – die Zusammenarbeit zwischen Staat, Verwaltung und Bürgern, etwa bei Stadtentwicklung oder Klimapolitik. Corporate Governance – die Regeln guter...
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Armut als demokratische Schlüsselfrage

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Armut als demokratische Schlüsselfrage Warum Armut nicht nur soziale Not beschreibt, sondern die republikanische Substanz einer Demokratie berührt. Von Ralf Schönert  •  16. Oktober 2026 Armut ist mehr als ein Mangel an Geld. Sie entscheidet darüber, wer sich beteiligen kann, wer gehört wird und wer die Demokratie nur noch als entfernte Ordnung erlebt. Am Vorabend des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut stellt sich deshalb eine politische Kernfrage: Wie republikanisch kann ein Gemeinwesen sein, wenn ein erheblicher Teil seiner Bürgerinnen und Bürger dauerhaft unter Teilhabedruck steht? Die Bundesrepublik diskutiert Armut oft in der Sprache der Sozialverwaltung: Regelsätze, Wohngeld, Kinderzuschlag, Armutsgefährdungsquote. Diese Begriffe sind notwendig, aber sie verkleinern das Problem, wenn sie den politischen Gehalt verdecken. Denn Armut ist nicht nur eine Lage am unteren Rand der Einkommensverteilung. ...

Der Staat traut sich was

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der Staat traut sich was Warum die Ehe noch immer als politisches Möbelstück herumsteht: unbequem, steuerlich gepolstert und gesellschaftlich erstaunlich schwer zu entsorgen. Von Ralf Schönert  •  15. Oktober 2026 Man kann nicht immer glücklich sein, man muss auch mal heiraten: In diesem Satz steckt die ganze deutsche Begabung, private Sehnsucht in einen Verwaltungsakt zu verwandeln und anschließend so zu tun, als sei der Stempel eine Rose. Die Ehe ist das einzige romantische Projekt, das mit einem Termin beim Amt beginnt und im Steuerrecht seine lyrischste Ausformung findet. Zwei Menschen treten vor die Republik und erklären, künftig gemeinsam zu irren. Der Staat lächelt sparsam, reicht Urkunden und sortiert schon die Freibeträge. Amor, dieser unzuverlässige Praktikant, wird durch die Sachbearbeitung ersetzt. Politisch bleibt die Ehe ein erstaunlich zähes Fossil. Sie ist nicht tot, sie riecht nur nach Aktenordner. Wä...

Sütterlin – Was ist das?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Sütterlin – Was ist das? Eine alte Schrift wird zur Gegenwartsfrage: Wer historische Handschriften nicht mehr lesen kann, verliert einen Teil des Zugangs zur eigenen Geschichte. Von Ralf Schönert  •  14. Oktober 2026 Sütterlin ist mehr als eine altertümlich wirkende Schreibschrift. Die Frage, wer sie noch lesen kann, berührt Archive, Familiengeschichte, Bildung und Erinnerungskultur. Denn demokratische Öffentlichkeit lebt nicht nur von aktuellen Informationen, sondern auch vom Zugang zu Quellen. Wer heute einen Brief der Urgroßeltern, ein altes Schulzeugnis, ein Grundbuchblatt oder eine handschriftliche Notiz aus dem frühen 20. Jahrhundert öffnet, steht häufig vor einer eigentümlichen Erfahrung: Die Sprache ist Deutsch, die Wörter sind vertraut, und doch bleibt der Text verschlossen. Nicht der Inhalt fehlt, sondern der Schlüssel zu seiner Schriftform. Sütterlin bezeichnet eine Schreibschrift, die der Grafiker Ludwig S...

Tag der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober – Warum Prävention über Leben und Tod entscheidet

Katastrophen sind selten reine Naturereignisse. Entscheidend ist, wie gut wir vorbereitet sind – oder eben nicht. Seit 1989 erinnern die Vereinten Nationen am 13. Oktober an den Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung. Er soll ins Bewusstsein rufen, dass Vorsorge Leben rettet und Schäden mindert. Doch in Deutschland und Europa wird Prävention oft vernachlässigt – mit fatalen Folgen. Lektion aus dem Ahrtal Die Flut 2021 im Ahrtal war ein Schock: Über hundert Tote, Milliardenschäden, ganze Existenzen zerstört. Dabei waren die Wetterprognosen eindeutig. Was versagte, waren Warnketten, klare Zuständigkeiten und bauliche Vorsorge. Das zeigt ein Muster: Wir setzen auf Reaktion statt auf Prävention – und zahlen am Ende den höheren Preis. Klimawandel als Risikoverstärker Mit dem Klimawandel steigt das Risiko: Dürren, Hitzewellen und Starkregen treten häufiger auf. Trotzdem bleiben Investitionen in Risikovorsorge, nachhaltige Stadtplanung oder widerstandsfähige Infrastrukturen unte...