POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Bitte nicht helfen, Mr. Vance Ricarda Langs Spott über JD Vance ist mehr als ein Netzsatz: Er legt frei, wie transatlantische Anmaßung als Demokratieexport verkleidet wird und am Ende nur noch wie politischer Fremdscham-Tourismus wirkt. Von Ralf Schönert • 13. April 2026 Ricarda Langs Frage an JD Vance, ob er nicht Lust auf einen Wahlkampf-Besuch in Deutschland habe, ist die höfliche Form der politischen Ohrfeige. Denn der amerikanische Vizepräsident reist inzwischen durch Europa wie ein Wanderprediger der Souveränität, der fremde Wahlkämpfe betritt, um dort die Einmischung der anderen zu beklagen. Nach dem ungarischen Wahldebakel für Viktor Orbán war Langs Satz auf X nicht einfach Spott, sondern Präzisionsarbeit. Ein einziger Halbsatz genügte, um die ganze Pose des geopolitischen Oberlehrers in Reisegröße zusammenzufalten. Vance gibt seit geraumer Zeit den Mann, der Europa Demokratie erklärt, vorzugsweise dann, wen...
Die gesellschaftliche Mitte galt in der Bundesrepublik lange als politischer und sozialer Stabilitätsanker. Sie trug den Wohlfahrtsstaat, vertraute in Aufstieg durch Leistung und verband wirtschaftliche Vernunft mit demokratischer Mäßigung. Heute jedoch wächst in genau dieser Mitte ein Gefühl der Verunsicherung. Steigende Lebenshaltungskosten, unsichere Erwerbsbiografien, überforderte öffentliche Infrastrukturen und ein zunehmend gereiztes politisches Klima erzeugen den Eindruck, dass Verlässlichkeit zur Ausnahme geworden ist. Ökonomischer Druck auf den Alltag Der erste Grund für diese Entwicklung liegt in der materiellen Lage. Viele Angehörige der Mitte verfügen zwar noch über Arbeit, Einkommen und Wohnung, erleben aber, dass Wohlstand brüchiger wird. Wer eine Familie ernährt, Miete zahlt, Energie- und Lebensmittelpreise stemmen muss und zugleich für Alter oder Pflege vorsorgen soll, empfindet den Alltag nicht mehr als gesichert. Besonders sichtbar wird dies bei Facharbeitern, Anges...