POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum der Traum vom Einfamilienhaus kein Maßstab für Gerechtigkeit ist Die Debatte über Generationengerechtigkeit verengt sich oft auf eine Wohnform, die historisch gewachsen ist, aber politisch nicht mehr als allgemeines Versprechen taugt. Von Ralf Schönert • 28. August 2026 Die Klage ist vertraut: Die Eltern konnten bauen, die Kinder können es nicht mehr. Darin steckt ein reales Unbehagen über steigende Wohnkosten, knappen Boden und unsichere Zukunftserwartungen. Aber analytisch führt diese Erzählung in die Irre. Denn Gerechtigkeit bemisst sich nicht daran, ob jede Generation dieselbe Wohnbiografie wiederholen kann, sondern daran, ob Wohnen bezahlbar, verlässlich und ökologisch tragfähig organisiert ist. Wer das Einfamilienhaus zum politischen Maßstab erhebt, verwechselt ein historisches Aufstiegsmodell mit einer allgemeinen Norm. Das freistehende Haus am Stadtrand war in der Bundesrepublik über Jahrzehnte ein stark...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Norwegen und die EU: Warum die Beitrittsfrage zurück ist Nicht ein baldiger Beitritt ist das Neue, sondern die Einsicht, dass Norwegens bisheriges Erfolgsmodell aus EWR, Schengen und politischer Distanz unter den Bedingungen von Krieg, Sanktionen und europäischer Sicherheitsintegration an seine Grenzen stößt. Von Ralf Schönert • 27. August 2026 Die norwegische EU-Debatte kehrt nicht deshalb zurück, weil das Land seine europäische Skepsis plötzlich abgelegt hätte. Sie kehrt zurück, weil sich die Europäische Union verändert hat: Aus einem primär wirtschaftlichen Integrationsraum ist in wachsendem Maße auch ein geopolitischer Handlungsrahmen geworden. Genau dort liegt für Norwegen das Problem: Es ist eng eingebunden, aber nicht mitentscheidend. Zweimal hat Norwegen einen EU-Beitritt abgelehnt, 1972 und 1994. Danach schien die Sache politisch erledigt. Das Land wählte den EWR als pragmatischen Mittelweg: voller Zugang zum...