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Bequem, verschlüsselt, abhängig: Braucht Europa Meta weiterhin?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Neue WhatsApp-Benutzernamen schützen die Telefonnummer, aber nicht vor der strukturellen Abhängigkeit von Meta. Europas Aufgabe ist nicht der App-Boykott, sondern echte digitale Wahlfreiheit. Von Ralf Schönert  •  13. Juli 2026 Die neuen WhatsApp-Benutzernamen verbessern den Schutz vor fremden Blicken, lösen aber das Grundproblem nicht: Europas private Kommunikation hängt in erheblichem Maß an einem US-Konzern. Die angemessene Antwort ist weder digitale Panik noch ein bequemes Weiter-so, sondern der planvolle Aufbau echter Wahlfreiheit. Seit Ende Juni 2026 können Nutzerinnen und Nutzer nach und nach einen Benutzernamen reservieren. Er soll künftig gegenüber Unbekannten die Telefonnummer ersetzen. Die Verbraucherzentralen begrüßen diesen Schutz, weisen aber zugleich darauf hin, dass die Mobilfunknummer für das Konto weiterhin erforderlich bleibt. Sie empfehlen ein Pseudonym, einen zusätzlichen Benutzernamen...
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Warum Kriegsangst der falsche Kompass ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum Kriegsangst der falsche Kompass ist Europas Sicherheitslage ist ernst. Doch aus realer Bedrohung folgt nicht automatisch die Nähe eines großen Krieges. Die entscheidende Frage lautet, wie sich Gefahr nüchtern einordnen lässt, ohne in politische Panik zu verfallen. Von Ralf Schönert  •  1. April 2026 Kriegsangst ist in Europa kein irrationales Randphänomen mehr, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf eine verschärfte Sicherheitslage. Dennoch ist sie politisch ein schlechter Ratgeber. Wer Gefahr und Unvermeidlichkeit verwechselt, unterschätzt die Wirkung von Bündnissen, Abschreckung, Vorsorge und gesellschaftlicher Resilienz. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist das Wort Krieg in Europa aus der historischen Distanz in die politische Gegenwart zurückgekehrt. Dass viele Menschen diese Rückkehr nicht nur als Nachricht, sondern als persönliche Bedrohung empfinden, ist verständlich. Aber zwischen ernster...

Das „C“ als politische Variable

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Das „C“ als politische Variable Warum das christliche Selbstverständnis in der politischen Debatte selektiv aktiviert wird – und was das über den Zustand konservativer Politik aussagt. Von Ralf Schönert  •  12. Juli 2026 In der aktuellen Debatte um den Schwangerschaftsabbruch wird das „C“ im Parteinamen von CDU und CSU wieder sichtbar. Doch der selektive Rückgriff auf christliche Werte wirft eine grundsätzliche Frage auf: Handelt es sich um einen normativen Kompass oder um ein politisches Instrument, das je nach Thema unterschiedlich stark eingesetzt wird? Politische Parteien greifen seit jeher auf normative Bezugspunkte zurück, um ihre Positionen zu legitimieren. Im Fall der Union ist das „C“ historisch eng mit dem Anspruch verbunden, Politik aus einem christlich geprägten Menschenbild heraus zu gestalten. Dieses Selbstverständnis spielte insbesondere in der Nachkriegszeit eine prägende Rolle, als die christliche Sozi...

Wenn Maschinen nützlich werden, wird Kontrolle zur Schicksalsfrage

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wenn Maschinen nützlich werden, wird Kontrolle zur Schicksalsfrage Die These von einer KI, die den Menschen erst entbehrlich macht und sich dann gegen ihn wendet, ist in ihrer extremen Form nicht belegt. Politisch ernst zu nehmen ist jedoch die Frage, wie schnell hochskalierbare, teils autonome Systeme Macht, Arbeit und Verantwortung verschieben. Von Ralf Schönert  •  11. Juli 2026 Die Vorstellung, künstliche Intelligenz könne bald jede menschliche Tätigkeit übernehmen und sich anschließend gegen ihre Schöpfer wenden, klingt nach apokalyptischer Literatur. Doch hinter der Zuspitzung steht eine reale politische Herausforderung: Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto dringlicher wird die Frage, ob demokratische Gesellschaften ihre Steuerungsfähigkeit behalten. Man sollte die Debatte weder belächeln noch mystifizieren. Die Behauptung, eine Maschine werde in absehbarer Zeit die Menschheit vernichten, ist nicht belas...

Srebrenica mahnt: Erinnerung braucht Verantwortung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Srebrenica mahnt: Erinnerung braucht Verantwortung Drei Jahrzehnte nach dem Genozid stellt sich erneut die Frage, wie Erinnerung politisch wirksam bleiben kann – und welche Verantwortung daraus für Europa erwächst. Von Ralf Schönert  •  10. Juli 2026 Der Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 bleibt ein Einschnitt europäischer Nachkriegsgeschichte. Mehr als 8.000 bosnische Muslime wurden innerhalb weniger Tage ermordet – unter den Augen einer internationalen Öffentlichkeit, die nicht rechtzeitig eingriff. Erinnerung an dieses Verbrechen ist heute mehr als ein Gedenken: Sie ist eine politische Verpflichtung. Srebrenica steht für das Scheitern internationaler Schutzversprechen. Die von den Vereinten Nationen als „Schutzzone“ deklarierte Stadt konnte nicht vor der Einnahme durch bosnisch-serbische Truppen bewahrt werden. Die späteren Urteile internationaler Gerichte, darunter des Internationalen Strafgerichtshofs für das ...