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Norwegen und die EU: Warum die Beitrittsfrage zurück ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Norwegen und die EU: Warum die Beitrittsfrage zurück ist Nicht ein baldiger Beitritt ist das Neue, sondern die Einsicht, dass Norwegens bisheriges Erfolgsmodell aus EWR, Schengen und politischer Distanz unter den Bedingungen von Krieg, Sanktionen und europäischer Sicherheitsintegration an seine Grenzen stößt. Von Ralf Schönert  •  27. August 2026 Die norwegische EU-Debatte kehrt nicht deshalb zurück, weil das Land seine europäische Skepsis plötzlich abgelegt hätte. Sie kehrt zurück, weil sich die Europäische Union verändert hat: Aus einem primär wirtschaftlichen Integrationsraum ist in wachsendem Maße auch ein geopolitischer Handlungsrahmen geworden. Genau dort liegt für Norwegen das Problem: Es ist eng eingebunden, aber nicht mitentscheidend. Zweimal hat Norwegen einen EU-Beitritt abgelehnt, 1972 und 1994. Danach schien die Sache politisch erledigt. Das Land wählte den EWR als pragmatischen Mittelweg: voller Zugang zum...
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P3TTM revolutioniert die Solartechnik? Noch ist es ein Laborbefund

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT P3TTM revolutioniert die Solartechnik? Noch ist es ein Laborbefund Die eigentliche politische Frage lautet nicht, ob ein neues Molekül schon morgen Dächer verändert, sondern ob Europa aus wissenschaftlicher Entdeckung industrielle Stärke und strategische Resilienz macht. Von Ralf Schönert  •  25. August 2026 Die Nachricht über P3TTM klingt nach technischer Sensation. Tatsächlich geht es um mehr als um ein neues Material: um die Frage, ob die Energiewende in Europa nicht nur beim Ausbau der Photovoltaik, sondern auch bei Forschung, Fertigung und technologischer Souveränität einen neuen Schritt machen kann. Hinter P3TTM steht keine marktreife Solaranlage, sondern eine Forschungsarbeit aus Cambridge. Die Wissenschaftler beschrieben 2025 einen organischen Radikal-Halbleiter, bei dem in Versuchsstrukturen eine nahezu vollständige Ladungssammlung unter Rückwärtsvorspannung beobachtet wurde. Das ist beachtlich, weil es auf L...

FÄISSBUCK: Das digitale Altersheim der Selbstüberschätzung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT FÄISSBUCK: Das digitale Altersheim der Selbstüberschätzung Metas Abschied vom klassischen Faktencheck, der Rückzug aus dem Nachrichtengeschäft und der Druck der EU-Regulierung zeigen, was Facebook politisch geworden ist: kein Forum, sondern eine Infrastruktur für gekränkte Gewissheiten. Von Ralf Schönert  •  25. August 2026 Facebook wirkt heute wie eine Mischung aus Familienalbum, Leserbriefarchiv und digitalem Stammtisch, nur mit besserem Werbegeschäft. Das politische Problem ist nicht bloß die Unwahrheit. Das eigentliche Problem ist eine Plattform, die Verantwortung gern als Zumutung behandelt und jede Korrektur der eigenen Erregungsökonomie für Zensur hält. Facebook war einmal das Versprechen einer vernetzten Öffentlichkeit. Heute ist es eher die digitale Tagespflege der Meinung: viel Lautstärke, wenig Selbstzweifel, dazwischen die ewige Gewissheit, dass man es "doch wohl noch sagen dürfen wird". Die Plattform alter...

Helsinki 1975 und Europas zerbrechliche Friedensordnung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Helsinki 1975 und Europas zerbrechliche Friedensordnung Die KSZE-Schlussakte war kein Friedensvertrag, sondern ein politisches Regelwerk. Gerade weil ihre Prinzipien heute verletzt werden, zeigt sich, wie grundlegend sie für Europas Ordnung geworden sind. Von Ralf Schönert  •  24. August 2026 Die KSZE-Schlussakte von Helsinki markierte 1975 einen Wendepunkt der europäischen Nachkriegsgeschichte. Sie beendete den Ost-West-Konflikt nicht, aber sie band Machtpolitik an gemeinsame Prinzipien: Souveränität, Gewaltverzicht, territoriale Integrität, Kooperation und Menschenrechte. Im Rückblick liegt ihre eigentliche Bedeutung darin, dass sie Sicherheit nicht nur militärisch, sondern politisch und gesellschaftlich dachte. Gerade die Gegenwart zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn diese Verbindung zerreißt. Als am 1. August 1975 in Helsinki die Vertreter von 35 Staaten unterschrieben, war dies weder ein Akt romantischer Versöhnun...

Was von „Russians“ geblieben ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was von „Russians“ geblieben ist Mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung zeigt Stings Lied, wie schnell die Logik des Kalten Krieges in Europa wieder politische Gegenwart werden kann. Von Ralf Schönert  •  23. August 2026 „Russians“ ist kein nostalgisches Relikt der achtziger Jahre, sondern ein politisches Warnsignal aus einer Epoche, die lange überwunden schien. Seine eigentliche Aktualität liegt heute nicht in der Popgeschichte, sondern in der Rückkehr jener Denkfiguren, gegen die das Lied 1985 ansang: Angst, Feindbildpflege und die gefährliche Illusion, Sicherheit könne dauerhaft gegen die Menschlichkeit organisiert werden. Als Teil von Stings Debütalbum „The Dream Of The Blue Turtles“ erschien „Russians“ im Juni 1985; als Single wurde der Song am 29. November 1985 veröffentlicht. Das Stück war damit ein Kind jener späten Phase des Kalten Krieges, in der atomare Abschreckung, rhetorische Eskalation un...