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Wenn die Nachrichten baden gehen

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wenn die Nachrichten baden gehen Mit Beginn der Sommerpause in Nordrhein-Westfalen stellt sich eine alte Frage neu: Ist das sogenannte Sommerloch ein reales politisches Phänomen oder vor allem ein mediales Konstrukt? Von Ralf Schönert  •  18. Juli 2026 Mit dem Beginn der parlamentarischen Sommerpause in Nordrhein-Westfalen kehrt ein vertrautes Deutungsmuster zurück: das „Sommerloch“. Doch hinter der scheinbaren Nachrichtenleere verbirgt sich weniger ein tatsächlicher Stillstand politischer Prozesse als vielmehr eine Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit – und ein strukturelles Problem moderner Medienlogik. Wenn Landtag und Regierung ihre Sitzungsrhythmen reduzieren, entsteht zunächst der Eindruck politischer Ruhe. Gesetzgebungsverfahren verlangsamen sich, öffentliche Debatten verlieren an Taktung, und spektakuläre Entscheidungen bleiben aus. Doch dieser Zustand ist keineswegs neu. Bereits in der Bonner Republik ...
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Der Klugscheisser - Postdemokratie oder was bleibt vom Schein der Demokratie?

Wahlen, Parlamente, Parteien – auf den ersten Blick funktioniert die Demokratie. Doch der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch stellte Anfang der 2000er-Jahre die unbequeme Frage: Was, wenn die demokratischen Formen bleiben, aber ihr Inhalt schwindet? Seine Antwort war das Konzept der Postdemokratie – eine Gesellschaftsform, in der demokratische Institutionen zwar weiter existieren, die reale Macht aber zunehmend von wirtschaftlichen und politischen Eliten kontrolliert wird. In einer Postdemokratie gehen Bürgerinnen und Bürger noch wählen, doch die wesentlichen Entscheidungen fallen längst woanders – in Konzernzentralen, Lobbybüros und Regierungsapparaten. Politik wird zum professionellen Management, Parteien ähneln sich programmatisch, und der politische Diskurs verflacht. Die Öffentlichkeit hat das Gefühl, mitreden zu dürfen, während die entscheidenden Weichenstellungen bereits hinter verschlossenen Türen getroffen wurden. Crouch beschreibt die Postdemokratie als eine Ze...

Sind Dänemarks Sozialdemokraten doch nicht unser Vorbild?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Sind Dänemarks Sozialdemokraten doch nicht unser Vorbild? Der dänische Kurs fasziniert viele europäische Sozialdemokraten. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Er beruht auf nationalen Voraussetzungen, die sich weder politisch noch institutionell einfach nach Deutschland übertragen lassen. Von Ralf Schönert  •  16. Juli 2026 Der dänische Weg unter Mette Frederiksen hat viele Sozialdemokraten in Europa beeindruckt: klare Grenzen, starker Staat, verteidigter Wohlfahrtsstaat. Aber gerade der Blick auf die jüngste Entwicklung zeigt, dass daraus kein schlichtes Erfolgsrezept folgt. Dänemark ist eher ein lehrreicher Sonderfall als ein übertragbarer Bauplan. Seit den Migrationskrisen der 2010er Jahre haben die dänischen Sozialdemokraten ihre politische Sprache deutlich verändert. In aktuellen Positionspapieren betonen sie Kontrolle, Begrenzung der Zuwanderung, Ausweisung straffälliger Ausländer und stärkere Hilfe in den Herk...

Rassismus unter Genoss*innen

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Rassismus unter Genoss*innen Die Friedrich-Ebert-Stiftung zeigte 2022/23, dass rassistische und abwertende Deutungsmuster kein exklusives Problem des rechten Randes sind. Die eigentliche Frage lautet daher, ob sozialdemokratische Milieus ihre moralische Selbstgewissheit schon mit politischer Selbstkritik verwechseln. Von Ralf Schönert  •  15. Juli 2026 Wer über Rassismus in der Sozialdemokratie spricht, sollte mit einer begrifflichen Präzision beginnen: Die FES-Studie befragte nicht Parteimitglieder, sondern untersuchte gesellschaftliche Einstellungen insgesamt. Gerade deshalb ist ihr Befund politisch so relevant. Er zeigt, dass auch in Milieus, die sich demokratisch, aufgeklärt und solidarisch verstehen, Abwertung, kulturelle Hierarchisierung und blinde Flecken fortbestehen. Der provozierende Titel „Rassismus unter Genoss*innen“ trifft also nicht als statistische Parteimitgliederdiagnose zu, wohl aber als politische Zumutu...

Von der Bastille zum Nationalfeiertag: Wie Revolution Erinnerung wird

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Von der Bastille zum Nationalfeiertag: Wie Revolution Erinnerung wird Der 14. Juli zeigt, wie demokratische Staaten aus revolutionärer Unruhe ein dauerhaftes Ritual politischer Legitimation formen. Von Ralf Schönert  •  14. Juli 2026 Nationalfeiertage erzählen nie nur von der Vergangenheit. Sie zeigen auch, welche Geschichte ein Gemeinwesen für sich beansprucht. Der französische 14. Juli ist dafür ein besonders aufschlussreicher Fall: Aus einem revolutionären Einschnitt wurde ein staatliches Ritual, das Freiheit, Ordnung und republikanische Zugehörigkeit bis heute miteinander verknüpft. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 war mehr als die Einnahme eines Gefängnisses. In der politischen Erinnerung wurde er zum Zeichen dafür, dass das Volk als geschichtsmächtiger Akteur auftrat und die Autorität der alten Ordnung offen in Frage stellte. Gerade deshalb eignet sich das Ereignis bis heute als Gründungsbild moderner...