POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Generationen im Dissens: Wenn dieselbe Demokratie in verschiedenen Zeiten lebt Der politische Abstand zwischen Jung und Alt ist weniger ein bloßer Kulturkonflikt als das Ergebnis auseinanderlaufender Lebenslagen, Krisenerfahrungen und demografischer Machtgewichte. Von Ralf Schönert • 22. August 2026 Dass jüngere und ältere Bürger politisch unterschiedlich urteilen, ist nicht neu. Neu ist jedoch, wie deutlich sich hinter diesen Unterschieden verschiedene Erfahrungswelten verfestigen: hier eine krisenerfahrene jüngere Generation, dort eine zahlenstarke ältere Wählerschaft, deren Gewicht im politischen System wächst. Der Dissens zwischen den Generationen ist deshalb kein Nebengeräusch, sondern berührt die Repräsentationsfrage der Demokratie selbst. Die Bundestagswahl 2025 hat diesen Befund greifbar gemacht. Die Wahlbeteiligung der Jüngeren stieg zwar deutlich, blieb bei den bis 34-Jährigen aber unter dem Durchschnitt; ...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der dankbare Staat und seine alten Leute Zum Seniorentag am 21. August stellt sich eine unerquicklich einfache Frage: Will die Politik ältere Menschen ernst nehmen oder nur höflich beruhigen? Von Ralf Schönert • 21. August 2026 Der Seniorentag ist ein netter Termin für Sonntagsreden, aber ein miserabler Ersatz für Politik. Wer ältere Menschen nur feiert, statt Rente, Pflege, Wohnen und digitale Teilhabe verlässlich zu sichern, betreibt keine Anerkennung, sondern höflich dekorierte Vernachlässigung. Am 21. August darf man wieder offiziell dankbar sein. Der Kalender liebt solche Übungen: ein Tag fürs Alter, ein Händedruck fürs Lebenswerk, und danach zurück zur gewohnten Staatskunst des Wegverwaltens. Blumen sind eben billiger als barrierefreie Haltestellen. Das Problem beginnt dort, wo Alter nur als Stimmungskulisse erscheint. Ältere Menschen sind keine sentimentale Reserve der Nation, sondern Bürgerinnen und Bürger m...