POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Rassismus unter Genoss*innen Die Friedrich-Ebert-Stiftung zeigte 2022/23, dass rassistische und abwertende Deutungsmuster kein exklusives Problem des rechten Randes sind. Die eigentliche Frage lautet daher, ob sozialdemokratische Milieus ihre moralische Selbstgewissheit schon mit politischer Selbstkritik verwechseln. Von Ralf Schönert • 15. Juli 2026 Wer über Rassismus in der Sozialdemokratie spricht, sollte mit einer begrifflichen Präzision beginnen: Die FES-Studie befragte nicht Parteimitglieder, sondern untersuchte gesellschaftliche Einstellungen insgesamt. Gerade deshalb ist ihr Befund politisch so relevant. Er zeigt, dass auch in Milieus, die sich demokratisch, aufgeklärt und solidarisch verstehen, Abwertung, kulturelle Hierarchisierung und blinde Flecken fortbestehen. Der provozierende Titel „Rassismus unter Genoss*innen“ trifft also nicht als statistische Parteimitgliederdiagnose zu, wohl aber als politische Zumutu...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Von der Bastille zum Nationalfeiertag: Wie Revolution Erinnerung wird Der 14. Juli zeigt, wie demokratische Staaten aus revolutionärer Unruhe ein dauerhaftes Ritual politischer Legitimation formen. Von Ralf Schönert • 14. Juli 2026 Nationalfeiertage erzählen nie nur von der Vergangenheit. Sie zeigen auch, welche Geschichte ein Gemeinwesen für sich beansprucht. Der französische 14. Juli ist dafür ein besonders aufschlussreicher Fall: Aus einem revolutionären Einschnitt wurde ein staatliches Ritual, das Freiheit, Ordnung und republikanische Zugehörigkeit bis heute miteinander verknüpft. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 war mehr als die Einnahme eines Gefängnisses. In der politischen Erinnerung wurde er zum Zeichen dafür, dass das Volk als geschichtsmächtiger Akteur auftrat und die Autorität der alten Ordnung offen in Frage stellte. Gerade deshalb eignet sich das Ereignis bis heute als Gründungsbild moderner...