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Was würde Strauß zur Weltlage sagen?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was würde Strauß zur Weltlage sagen? Zwischen NATO-Nervenzittern, Zollpolitik und europäischer Selbstberuhigung stellt sich weniger die Frage nach einem historischen Spruch als nach der politischen Nüchternheit der Gegenwart. Von Ralf Schönert  •  26. Juli 2026 Franz Josef Strauß würde die Weltlage vermutlich nicht therapeutisch besprechen, sondern wie eine Rohbauabnahme behandeln: Amerika droht dem Bündnis, Europa beschwört Haltung, und am Ende stellt sich heraus, dass Moral allein weder Handelszölle senkt noch Abschreckung organisiert. Die eigentliche Pointe ist unerquicklich: Der Mann hätte vieles unerquicklich, aber kaum überraschend gefunden. Man muss dafür keine Séance veranstalten. Es reicht ein Blick in die Gegenwart: Donald Trump erklärte Anfang April 2026, er erwäge den Austritt der USA aus der NATO, während in Europa schon die diplomatische Gesichtsmuskulatur zitterte. So klingt keine Wertegemeinschaft, so kl...
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Zu laut zum Denken: Wie Empörung die politische Urteilskraft frisst

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Zu laut zum Denken: Wie Empörung die politische Urteilskraft frisst Zwischen Dauererregung und Verkürzung: Warum öffentliche Debatten zunehmend an Tiefe verlieren – und welche Folgen das für demokratische Entscheidungen hat. Von Ralf Schönert  •  25. Juli 2026 Politische Öffentlichkeit lebt von Aufmerksamkeit. Doch was geschieht, wenn Aufmerksamkeit zunehmend durch Empörung erzeugt wird? Der gegenwärtige Diskurs ist geprägt von moralischer Zuspitzung, schneller Bewertung und einer Dynamik, die Differenzierung erschwert. Die zentrale Frage lautet daher: Untergräbt die Logik der Empörung die Fähigkeit zur politischen Urteilsbildung? Die Digitalisierung hat die Bedingungen politischer Kommunikation grundlegend verändert. Plattformen strukturieren Aufmerksamkeit entlang von Reizintensität, nicht entlang von Argumentationsqualität. Inhalte, die starke Emotionen auslösen, verbreiten sich schneller und weiter als solche, die komplex...

Kann man Faschisten argumentativ stellen?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum Widerspruch notwendig bleibt, obwohl überzeugte Antidemokraten durch Fakten allein selten erreicht werden. Von Ralf Schönert  •  24. Juli 2026 Kurzthese: Überzeugte Faschisten lassen sich in einer öffentlichen Debatte meist nicht bekehren. Argumentativer Widerspruch bleibt dennoch notwendig, weil er Behauptungen prüft, Grenzen markiert und vor allem die Zuhörenden erreicht. Warum das wichtig ist: Wo menschenfeindliche Aussagen unwidersprochen bleiben, können sie als gesellschaftlich akzeptabel erscheinen. Lesedauer: etwa 3 Minuten Themen: Faschismus, Rechtsextremismus, politische Debatte, Widerspruch, Demokratie Die Frage, ob man mit Faschisten reden soll, wird oft falsch gestellt. Entscheidend ist nicht nur, ob der ideologisch gefestigte Gegner seine Haltung ändert. Eine öffentliche Auseinandersetzung richtet sich zugleich an Unentschlossene, Mitlesende und Menschen, die aus Unsicherheit einfachen Erklärungen ...

Vergangenheit auf Bestellung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Vergangenheit auf Bestellung Wer über Geschichte spricht, spricht selten nur über die Vergangenheit. Es geht fast immer auch darum, welche Gegenwart legitim erscheinen soll und welche Zukunft sich politisch begründen lässt. Von Ralf Schönert  •  24. Juli 2026 Geschichte wird nicht einfach gefunden, sie wird ausgewählt, geordnet und erzählt. Gerade deshalb ist sie politisch so umkämpft: Wer bestimmen kann, was erinnert, verschwiegen oder moralisch hervorgehoben wird, beeinflusst nicht nur das Bild der Vergangenheit, sondern auch die Maßstäbe der Gegenwart. Die Vorstellung einer völlig neutral erzählten Geschichte klingt vernünftig, ist aber irreführend. Schon die Auswahl der Quellen, der Beginn einer Erzählung und die Entscheidung, welche Akteure im Zentrum stehen, enthalten Deutungen. Archive sprechen nicht von selbst, Museen auch nicht, und Schulbücher schon gar nicht. Politisch brisant wird das dort, wo Staaten, Parteien ...

Krankschreibung ab Tag eins: Was wirklich geplant ist

ARBEIT / GESUNDHEIT / POLITIK Die Koalition will die Attestpflicht verschärfen und die Telefon-AU abschaffen. Noch gelten jedoch die bisherigen Regeln – und „Attest ab Tag eins“ bedeutet nicht automatisch „Praxisbesuch am ersten Tag“. Von Ralf Schönert  •  23. Juli 2026 Kurzthese: Die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag bedeutet nicht automatisch einen Praxisbesuch. Das Ende der Telefon-AU würde dennoch eine einfache und ärztlich kontrollierte Versorgung beseitigen. Warum das wichtig ist: Die Reform betrifft Beschäftigte, Betriebe und bereits stark beanspruchte Arztpraxen. Lesedauer: etwa 3 Minuten Themen: Arbeitsunfähigkeit, Telefon-AU, Arbeitsrecht, Gesundheitspolitik Union und SPD wollen die Regeln für Krankschreibungen deutlich verändern. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll grundsätzlich ab dem ersten Krankheitstag erforderlich sein, während die telefonische Krankschreibung entfallen soll. Hinter der scheinbar einfachen Regel...