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aus der Geschichte: Vor 100 Jahren - Das Ende der Ruhrbesetzung im Jahre 1925 – Wendepunkt für die Weimarer Republik

Die Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen von 1923 bis 1925 stellt eine der dramatischsten Episoden der Nachkriegszeit dar und markierte zugleich einen Höhepunkt der Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den westlichen Alliierten. Mit dem Abzug der letzten Besatzungssoldaten im Juli 1925 endete nicht nur eine Phase militärischer Kontrolle, in der französische und belgische Truppen Industrieanlagen besetzten, Verwaltungsakten beschlagnahmten und den Güterverkehr überwachten über eines der wichtigsten industriellen Zentren Europas, sondern auch ein Kapitel permanenter politischer Krisen für die Weimarer Republik. Das Ende der Ruhrbesetzung wurde von vielen Zeitgenossen als ein Schritt zur Wiederherstellung nationaler Souveränität verstanden – und als außenpolitischer Erfolg der demokratischen Kräfte in Deutschland. Die Ruhrbesetzung war eine unmittelbare Folge des Versailler Vertrags von 1919, der dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg zuschrieb u...
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„Mehr Arbeit, mehr Wohlstand?“ Warum Friedrich Merz’ Leistungsdogma aus der Zeit gefallen ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT „Mehr Arbeit, mehr Wohlstand?“ Warum Friedrich Merz’ Leistungsdogma aus der Zeit gefallen ist Die Debatte über Arbeitszeit und Teilzeit verengt ein strukturelles Problem auf eine moralische Formel: Nicht die bloße Menge an Arbeit entscheidet heute über Wohlstand, sondern Produktivität, Infrastruktur und soziale Voraussetzungen. Von Ralf Schönert  •  29. Juni 2026 Friedrich Merz hat die Debatte zugespitzt: Weniger „Lifestyle-Teilzeit“, mehr Arbeit, sonst sei der Wohlstand des Landes nicht zu halten. Das klingt entschlossen, greift aber analytisch zu kurz. Denn in einer alternden, hochindustrialisierten und zugleich digitalisierten Gesellschaft lässt sich ökonomische Stärke nicht mehr mit der schlichten Verlängerung von Arbeitszeit verwechseln. Die Formel ist politisch eingängig, weil sie an ein vertrautes Nachkriegsmotiv anschließt: Wohlstand als Ergebnis von Fleiß, Disziplin und Leistung. Tatsächlich gehört dieses Narra...

Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht Die Kosovo-Krise von 1998 und der Krieg von 1999 markieren für die SPD einen tiefen Einschnitt: Aus einer Partei mit starker friedenspolitischer Selbstbindung wurde eine Regierungspartei, die militärische Gewalt als letztes Mittel mittrug. Von Ralf Schönert  •  28. Juni 2026 Der Kosovokrieg war für die deutsche Sozialdemokratie mehr als eine außenpolitische Krise. Er wurde zu einem Prüfstein dafür, ob sich historische Friedensethik, Menschenrechtspolitik und Bündnisverantwortung überhaupt noch widerspruchsfrei verbinden ließen. Gerade darin liegt bis heute seine politische Bedeutung. Als die rot-grüne Bundesregierung im Oktober 1998 ihr Amt antrat, war die Lage im Kosovo bereits eskaliert. Noch im selben Monat stimmte der Bundestag einer deutschen Beteiligung an den von der NATO geplanten Maßnahmen zu. Im März 1999 begannen nach dem Scheite...

Benjamin Netanjahu und die lange Ära der Macht

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Benjamin Netanjahu und die lange Ära der Macht Die politische Karriere des langjährigen israelischen Premierministers zeigt, wie eng sicherheitspolitische Autorität, institutionelle Konflikte und persönliche Macht in Israel miteinander verknüpft worden sind. Von Ralf Schönert  •  27. Juni 2026 Benjamin Netanjahu hat die israelische Politik über Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderer Regierungschef. Sein Vermächtnis liegt nicht allein in Wahltriumphen, außenpolitischer Härte und diplomatischen Erfolgen, sondern ebenso in der tiefen Polarisierung des Landes, in der Auseinandersetzung um Rechtsstaat und Gewaltenteilung sowie in den internationalen Belastungen, die seine Amtsführung inzwischen begleiten. Netanjahus politische Karriere steht für eine seltene Verbindung aus strategischer Disziplin, ideologischer Beständigkeit und bemerkenswerter Machttechnik. Er war von 1996 bis 1999, von 2009 bis 2021 und erneut seit Dezemb...

Friend-Shoring – Die Rückkehr der politischen Geografie in den Welthandel

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Friend-Shoring – Die Rückkehr der politischen Geografie in den Welthandel Wenn wirtschaftliche Effizienz hinter geopolitische Loyalität zurücktritt: Wie stabil ist ein Welthandel, der sich zunehmend an politischen Wertegemeinschaften orientiert? Von Ralf Schönert  •  26. Juni 2026 Der Begriff „Friend-Shoring“ markiert eine stille, aber tiefgreifende Verschiebung im globalen Wirtschaftssystem. Lieferketten werden nicht mehr primär nach Kosten, sondern nach politischer Verlässlichkeit organisiert. Damit rückt die Geopolitik zurück in das Zentrum der Weltwirtschaft – mit langfristigen Folgen für Effizienz, Stabilität und internationale Kooperation. Der Welthandel war über Jahrzehnte von einer einfachen Logik geprägt: Produktion dort, wo sie am günstigsten ist, Absatz dort, wo Nachfrage besteht. Dieses Prinzip der globalen Arbeitsteilung wurde nach dem Ende des Kalten Krieges zu einem nahezu universellen Ordnungsmodell. Do...