POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Warum der Vorwurf gegen angeblich lebensferne Politiker einen wahren Kern haben kann, aber als pauschales Urteil über demokratische Repräsentation in die Irre führt. Von Ralf Schönert • 25. Juni 2026 Der Satz klingt zunächst plausibel: Wer nie selbst erwerbstätig war, solle nicht über die arbeitende Bevölkerung entscheiden. Doch demokratische Politik funktioniert nicht nach dem Prinzip beruflicher Gleichartigkeit, sondern nach dem Prinzip gewählter Verantwortung. Gerade aus sozialdemokratischer Sicht bleibt dennoch die Frage wichtig, wie nah politische Entscheidungen an Arbeit, Alltag und sozialer Erfahrung bleiben. In Deutschland waren zuletzt rund 45 Millionen Menschen erwerbstätig. Ihre Lebenslagen sind höchst unterschiedlich: Pflegekraft, Verkäufer, Ingenieurin, Paketfahrer, Selbstständige, Verwaltungsangestellte, Erwerbslose auf Arbeitssuche, Rentnerin mit Minijob. Schon deshalb greift die Vorstellung zu kurz, ein...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Tyrannei der Erreichbarkeit Zwischen digitaler Effizienz und individueller Freiheit: Warum das Recht auf Offline-Zeit zu einer politischen Frage geworden ist. Von Ralf Schönert • 25. Juni 2026 Die permanente digitale Erreichbarkeit hat sich von einem technischen Fortschritt zu einer sozialen Erwartung verdichtet. Die Frage, ob und wie sich Individuen dieser Erwartung entziehen können, berührt nicht nur arbeitsrechtliche, sondern auch philosophische Grundfragen moderner Gesellschaften. Smartphones, E-Mails und Messenger-Dienste haben die zeitlichen Grenzen von Arbeit und Kommunikation weitgehend aufgelöst. Was einst an Bürozeiten gebunden war, ist heute potenziell rund um die Uhr verfügbar. Diese Entwicklung wurde lange als Ausdruck von Flexibilität und Effizienz interpretiert. Inzwischen zeigt sich jedoch eine Kehrseite: Die Erwartung permanenter Reaktionsbereitschaft erzeugt einen subtilen, aber nachhaltigen Dru...