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50 Jahre Gladbeck im Kreis Recklinghausen – ein Jubiläum mit Vorbehalt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT 50 Jahre Gladbeck im Kreis Recklinghausen – ein Jubiläum mit Vorbehalt Das Datum erinnert an eine konfliktreiche Korrektur der Gebietsreform – und wirft die Frage auf, ob daraus ein Freudenfest oder eher ein Anlass zur politischen Selbstvergewisserung werden sollte. Von Ralf Schönert  •  1. Juli 2026 Das Jubiläum ist real, aber es ist kein natürlicher Festtag. Dass Gladbeck seit 1976 zum Kreis Recklinghausen gehört, ist das Ergebnis einer konfliktreichen Korrektur der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen. Wer daraus im Jahr 2026 eine Feier ableitet, sollte deshalb weniger Verwaltungsselbstzufriedenheit pflegen als historische Nüchternheit und politische Erinnerungskultur. Wenige Wochen nach dem eigentlichen Jahrestag lässt sich zunächst nur dies nüchtern festhalten: Seit dem 1. Juli 1976 gehört Gladbeck als selbständige Stadt zum Kreis Recklinghausen. Vorausgegangen waren die erzwungene Zusammenlegung mit Bot...
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Der „Stolzmonat“ ist keine Debatte, sondern eine rechte Gegenmobilisierung

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der „Stolzmonat“ ist keine Debatte, sondern eine rechte Gegenmobilisierung Was als vermeintlich harmloser Gegenbegriff zum Pride Month auftritt, ist politisch vor allem ein Versuch, queere Sichtbarkeit zu delegitimieren und nationalistisch umzudeuten. Von Ralf Schönert  •  1. Juli 2026 Der „Stolzmonat“ erscheint auf den ersten Blick wie eine provokante Wortspielerei. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch ein anderes Muster: Nicht kulturelle Selbstvergewisserung, sondern die politische Abwertung queerer Emanzipation ist sein eigentlicher Kern. Gerade deshalb sollte man die Kampagne weder verharmlosen noch mit normalem Meinungsaustausch verwechseln. Der Pride Month erinnert historisch an die Stonewall-Unruhen von 1969 und damit an einen Widerstand gegen staatliche Schikane, gesellschaftliche Erniedrigung und rechtliche Diskriminierung. Sein politischer Sinn liegt nicht im Feiergestus allein, sondern in Sichtbarkeit, Sch...

aus der Geschichte: Vor 100 Jahren - Das Ende der Ruhrbesetzung im Jahre 1925 – Wendepunkt für die Weimarer Republik

Die Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen von 1923 bis 1925 stellt eine der dramatischsten Episoden der Nachkriegszeit dar und markierte zugleich einen Höhepunkt der Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den westlichen Alliierten. Mit dem Abzug der letzten Besatzungssoldaten im Juli 1925 endete nicht nur eine Phase militärischer Kontrolle, in der französische und belgische Truppen Industrieanlagen besetzten, Verwaltungsakten beschlagnahmten und den Güterverkehr überwachten über eines der wichtigsten industriellen Zentren Europas, sondern auch ein Kapitel permanenter politischer Krisen für die Weimarer Republik. Das Ende der Ruhrbesetzung wurde von vielen Zeitgenossen als ein Schritt zur Wiederherstellung nationaler Souveränität verstanden – und als außenpolitischer Erfolg der demokratischen Kräfte in Deutschland. Die Ruhrbesetzung war eine unmittelbare Folge des Versailler Vertrags von 1919, der dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg zuschrieb u...

„Mehr Arbeit, mehr Wohlstand?“ Warum Friedrich Merz’ Leistungsdogma aus der Zeit gefallen ist

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT „Mehr Arbeit, mehr Wohlstand?“ Warum Friedrich Merz’ Leistungsdogma aus der Zeit gefallen ist Die Debatte über Arbeitszeit und Teilzeit verengt ein strukturelles Problem auf eine moralische Formel: Nicht die bloße Menge an Arbeit entscheidet heute über Wohlstand, sondern Produktivität, Infrastruktur und soziale Voraussetzungen. Von Ralf Schönert  •  29. Juni 2026 Friedrich Merz hat die Debatte zugespitzt: Weniger „Lifestyle-Teilzeit“, mehr Arbeit, sonst sei der Wohlstand des Landes nicht zu halten. Das klingt entschlossen, greift aber analytisch zu kurz. Denn in einer alternden, hochindustrialisierten und zugleich digitalisierten Gesellschaft lässt sich ökonomische Stärke nicht mehr mit der schlichten Verlängerung von Arbeitszeit verwechseln. Die Formel ist politisch eingängig, weil sie an ein vertrautes Nachkriegsmotiv anschließt: Wohlstand als Ergebnis von Fleiß, Disziplin und Leistung. Tatsächlich gehört dieses Narra...

Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht Die Kosovo-Krise von 1998 und der Krieg von 1999 markieren für die SPD einen tiefen Einschnitt: Aus einer Partei mit starker friedenspolitischer Selbstbindung wurde eine Regierungspartei, die militärische Gewalt als letztes Mittel mittrug. Von Ralf Schönert  •  28. Juni 2026 Der Kosovokrieg war für die deutsche Sozialdemokratie mehr als eine außenpolitische Krise. Er wurde zu einem Prüfstein dafür, ob sich historische Friedensethik, Menschenrechtspolitik und Bündnisverantwortung überhaupt noch widerspruchsfrei verbinden ließen. Gerade darin liegt bis heute seine politische Bedeutung. Als die rot-grüne Bundesregierung im Oktober 1998 ihr Amt antrat, war die Lage im Kosovo bereits eskaliert. Noch im selben Monat stimmte der Bundestag einer deutschen Beteiligung an den von der NATO geplanten Maßnahmen zu. Im März 1999 begannen nach dem Scheite...