Pedro Sánchez spricht im Irankrieg anders als viele andere europäische Regierungschefs: direkter, politischer und geschichtsbewusster. Während Brüssel, Berlin oder Paris vor allem Formeln der Deeskalation, der „Zurückhaltung“ und der Diplomatie bemühen, hat der spanische Ministerpräsident seine Position auf eine innenpolitisch wie symbolisch aufgeladene Formel verdichtet: „No a la guerra“. Genau darin liegt der Schlüssel zu Spaniens Sonderrolle. Spaniens Kurs ist moralisch – und politisch kalkuliert Sánchez’ Klarheit ist nicht nur Ausdruck außenpolitischer Überzeugung. Sie ist auch eine Antwort auf die politische Kultur seines Landes. Spaniens Linke, aber auch weite Teile der gesellschaftlichen Mitte, tragen bis heute die Erinnerung an den Irakkrieg 2003 in sich. Der damalige Schulterschluss José María Aznars mit Washington wurde von massiven Protesten begleitet und gilt als ein tiefer Einschnitt im politischen Gedächtnis des Landes. Wenn Sánchez heute den Slogan „No a la guerra“ wie...
Der Stabilitätspakt der Nachkriegszeit, der viele westliche Demokratien über Jahrzehnte trug, basierte auf einem impliziten Versprechen: Dem Aufstiegsversprechen durch Leistung und der Sicherheit durch einen breiten gesellschaftlichen Konsens in der politischen Mitte. Doch dieses Fundament zeigt tiefe Risse. Wo einst Volksparteien die Interessen der breiten Masse bündelten, klaffen heute Repräsentationslücken, die zunehmend von den Rändern des politischen Spektrums gefüllt werden. Die Krise der Mitte ist dabei kein bloßes Stimmungsphänomen, sondern das Resultat einer schleichenden Entkoppelung von ökonomischer Realität und politischer Gestaltung. Die ökonomische Statik: Zwischen Steuerlast und Vermögenskonzentration Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Veränderung der wirtschaftlichen Statik. Während die Reallöhne in vielen Sektoren über Jahre stagnierten, hat sich die Schere bei der Vermögenskonzentration signifikant geweitet. In Deutschland beispielsweise besitzen die ...