Europa als Vernunftprojekt Die Europäische Union wird in Krisenzeiten meist mit Zahlen, Verträgen und Nutzenargumenten verteidigt: Binnenmarkt, Frieden, Freizügigkeit, Währungsstabilität. All das ist richtig – und politisch hoch relevant. Dennoch bleibt ein auffälliger Befund: Viele Bürgerinnen und Bürger erkennen den praktischen Nutzen Europas an, ohne sich dem Projekt innerlich verbunden zu fühlen. Die EU erscheint oft als Verwaltungs- und Regelwerk, nicht als politisches Gemeinwesen, das Zugehörigkeit stiftet. Gerade darin liegt ein gesellschaftliches Problem. Denn auf Dauer tragen demokratische Ordnungen nicht von Rationalität allein, sondern auch von Identifikation, Vertrauen und gemeinsamer Vorstellungskraft. Wohlstand ohne Erzählung Ein Grund für diese Distanz liegt in der Geschichte der Integration selbst. Europa wurde nach 1945 bewusst als Friedens- und Wirtschaftsprojekt aufgebaut. Seine Stärke lag in der schrittweisen Verflechtung von Interessen, nicht in der Mobilisierun...
Das Hörbuch konzentriert sich auf die "Kaiserzeit" von 1888 bis 1914 und untersucht die Geschichte Deutschlands an der Wende zum 20. Jahrhundert . Es wird die Perspektive beleuchtet, nach der Deutschland als aufstrebende Großmacht , deren "expansive Kraft" unweigerlich zur "Explosion" führen musste, betrachtet wurde . Die Erzählung beginnt mit den turbulenten Thronwechseln im Jahr 1888 . Nach dem Tod Wilhelms I. und dem nur 99 Tage regierenden, liberal gesinnten Friedrich III. , bestieg der junge Wilhelm II. den Thron . Wilhelm II. geriet schnell in Konflikt mit dem alternden Reichskanzler Otto von Bismarck, insbesondere in der Sozialpolitik, da der Kaiser den ausgebeuteten Arbeitern entgegenkommen wollte . Im März 1890 zwang der Kaiser den 73-jährigen Bismarck zum Rücktritt . Bismarck, der den Machtkampf verlor, verbrachte seine letzten Jahre als Kritiker und "Demagoge" in Friedrichsruh , wobei er von Kräften wie den Antisemiten und Alldeutschen...