POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wenn Maschinen nützlich werden, wird Kontrolle zur Schicksalsfrage Die These von einer KI, die den Menschen erst entbehrlich macht und sich dann gegen ihn wendet, ist in ihrer extremen Form nicht belegt. Politisch ernst zu nehmen ist jedoch die Frage, wie schnell hochskalierbare, teils autonome Systeme Macht, Arbeit und Verantwortung verschieben. Von Ralf Schönert • 11. Juli 2026 Die Vorstellung, künstliche Intelligenz könne bald jede menschliche Tätigkeit übernehmen und sich anschließend gegen ihre Schöpfer wenden, klingt nach apokalyptischer Literatur. Doch hinter der Zuspitzung steht eine reale politische Herausforderung: Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto dringlicher wird die Frage, ob demokratische Gesellschaften ihre Steuerungsfähigkeit behalten. Man sollte die Debatte weder belächeln noch mystifizieren. Die Behauptung, eine Maschine werde in absehbarer Zeit die Menschheit vernichten, ist nicht belas...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Srebrenica mahnt: Erinnerung braucht Verantwortung Drei Jahrzehnte nach dem Genozid stellt sich erneut die Frage, wie Erinnerung politisch wirksam bleiben kann – und welche Verantwortung daraus für Europa erwächst. Von Ralf Schönert • 10. Juli 2026 Der Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 bleibt ein Einschnitt europäischer Nachkriegsgeschichte. Mehr als 8.000 bosnische Muslime wurden innerhalb weniger Tage ermordet – unter den Augen einer internationalen Öffentlichkeit, die nicht rechtzeitig eingriff. Erinnerung an dieses Verbrechen ist heute mehr als ein Gedenken: Sie ist eine politische Verpflichtung. Srebrenica steht für das Scheitern internationaler Schutzversprechen. Die von den Vereinten Nationen als „Schutzzone“ deklarierte Stadt konnte nicht vor der Einnahme durch bosnisch-serbische Truppen bewahrt werden. Die späteren Urteile internationaler Gerichte, darunter des Internationalen Strafgerichtshofs für das ...