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Die Weltordnung vor der Bewährungsprobe

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Weltordnung vor der Bewährungsprobe Warum die Vereinten Nationen gebraucht werden, obwohl sie in den großen Krisen unserer Zeit oft machtlos wirken. Von Ralf Schönert  •  16. September 2026 Wenn am 22. September 2026 die Generaldebatte der 81. UN-Generalversammlung beginnt, steht nicht nur ein diplomatisches Ritual auf dem Programm. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob internationale Institutionen noch handlungsfähig sind, wenn Machtpolitik, Kriege, Blockaden und nationale Egoismen die globale Ordnung sichtbar belasten. Die Vereinten Nationen sind ein Kind der Katastrophe. 1945 entstanden sie aus der Erfahrung zweier Weltkriege, nicht aus weltbürgerlichem Idealismus allein. Ihr Kernversprechen war nie die Abschaffung aller Konflikte, sondern ihre Einhegung durch Regeln, Verfahren und Gesprächskanäle. Gerade deshalb ist die Enttäuschung über die UN oft so groß: Man erwartet von ihnen eine Weltregierung, obwohl sie...
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Vom Bergbau zur Bedeutungslosigkeit

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Vom Bergbau zur Bedeutungslosigkeit Schalke 04 und die SPD erzählen auf unterschiedliche Weise vom Verlust alter Milieus, vertrauter Bindungen und politischer Selbstgewissheit. Von Ralf Schönert  •  15. September 2026 Schalke 04 und die SPD sind keine beliebigen Institutionen. Beide waren über Jahrzehnte Teil einer Ruhrgebietsidentität, die Arbeit, Solidarität, Stolz und Aufstieg miteinander verband. Ihre Krise ist deshalb mehr als sportlicher Misserfolg oder parteipolitische Schwäche. Sie verweist auf den Zerfall eines sozialen Fundaments. Die Parallele zwischen Schalke 04 und der SPD liegt nicht darin, dass Fußballverein und Partei gleichartig wären. Sie liegt tiefer: Beide lebten lange von einer Bindung, die stärker war als aktuelle Leistung. Schalke war für viele Menschen im Revier nicht nur ein Verein, sondern ein Stück Herkunft. Die SPD war für viele Arbeiterfamilien nicht nur eine Partei, sondern politische Heima...

Wie Rechtspopulisten besiegt werden können

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wie Rechtspopulisten besiegt werden können Warum demokratische Politik mehr braucht als Empörung: Klarheit, soziale Glaubwürdigkeit und handlungsfähige Institutionen. Von Ralf Schönert  •  14. September 2026 Rechtspopulisten werden nicht allein durch moralische Abgrenzung geschwächt. Sie verlieren dort an Kraft, wo demokratische Politik konkrete Probleme löst, Vertrauen zurückgewinnt und die offene Gesellschaft nicht defensiv, sondern selbstbewusst verteidigt. Die Leitfrage lautet nicht, wie man Rechtspopulismus zum Verschwinden bringt. Er gehört als Versuchung zur modernen Massendemokratie: die einfache Antwort, der starke Mann, das homogene Volk, der Sündenbock. Entscheidend ist, ob demokratische Parteien ihm die gesellschaftliche Deutung überlassen. Rechtspopulismus wächst, wenn Menschen das Gefühl haben, dass politische Institutionen ihre Lebenswirklichkeit nicht mehr erreichen. Wer ihn besiegen will, muss deshalb...

Lächeln, bis die Fassade hält

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Lächeln, bis die Fassade hält Der Tag des positiven Denkens erinnert daran, dass Optimismus eine Tugend sein kann – und eine sehr bequeme Methode, Probleme dekorativ zu übermalen. Von Ralf Schönert  •  13. September 2026 Der Tag des positiven Denkens ist ein inoffizieller Feiertag von jener Sorte, die harmlos wirkt, bis man merkt, wie gut sie in eine Gesellschaft passt, die lieber gute Laune verwaltet als Ursachen beseitigt. Optimismus ist schön. Als Regierungsersatz ist er allerdings eine Zumutung mit freundlicher Miene. Am 13. September soll also positiv gedacht werden. Das klingt zunächst wie eine harmlose Einladung zum inneren Fensterputz. Man betrachtet die Welt, sieht Kriege, Krisen, soziale Spaltung, steigende Kosten, überforderte Institutionen und sagt sich: Immerhin ist der Kaffee noch warm. Der moderne Optimismus hat sich längst von der Hoffnung entfernt. Hoffnung verlangt Richtung, Arbeit und gelegentlich W...

Wottsäpp-Gruppen, die letzte Ruhestätte des Gedankens

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wottsäpp-Gruppen, die letzte Ruhestätte des Gedankens Zwischen digitalem Stammtisch, Mikromacht und permanentem Alarm prüft die Wottsäpp-Gruppe, wie effizient eine Gesellschaft ihren Rest an Urteilskraft in schlechten Benachrichtigungstönen beerdigen kann. Von Ralf Schönert  •  12. September 2026 Wottsäpp-Gruppen sind die kleinste autoritäre Einheit der Gegenwart: ein Raum ohne Redaktion, ohne Gedächtnis, ohne Scham, aber mit hundertachtunddreißig ungelesenen Nachrichten und einem Admin, der sich für die Geschäftsordnung des Abendlandes hält. Was dort kursiert, ist selten Information und fast immer Atmosphäre: Verdacht, Gekränktheit, Selbstüberhöhung und jene demokratiezersetzende Gemütlichkeit, in der jeder Unsinn nur deshalb plausibel wirkt, weil ihn Tante Gisela mit betenden Händen weitergeleitet hat. Die Wottsäpp-Gruppe ist kein technisches Werkzeug mehr, sondern eine soziale Endlagerstätte. Sie archiviert zuverläs...