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Der Wahlabend und die Waschmaschine der Ausreden

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Ein satirisches Szenario für Sachsen-Anhalt: Was CDU, SPD, Grüne und Linke sagen, wenn nach dem 6. September 2026 alle plötzlich schon immer gewarnt hätten. Von Ralf Schönert  •  10. Mai 2026 Die AfD gewinnt am 6. September 2026 die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dann beginnt am 7. September nicht die Analyse, sondern die große bundesrepublikanische Textbausteinmesse: Betroffenheit links, Verantwortung rechts, Selbstkritik überall, Konsequenzen nirgends. Wahlabende haben in Deutschland etwas Liturgisches. Erst kommen Hochrechnungen, dann lange Gesichter, dann Sätze, die schon vor der Wahl fertig waren. Demokratie als Mikrowellengericht: zwei Minuten erhitzen, „die Menschen ernst nehmen“ darüberstreuen, fertig ist die Aufarbeitung. Die Kernfrage lautet nicht: Warum wählen Menschen rechts? Die bequemere Frage lautet: Wie kommentiert man es so, dass niemand im eigenen Laden etwas ändern muss? Politik nennt das Strategie. ...
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Nicht jedem Applaus folgen – Warum Politik Haltung zeigen muss

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Nicht jedem Applaus folgen – Warum Politik Haltung zeigen muss Zwischen Zustimmung und Verantwortung: Warum politische Führung mehr verlangt als das Reagieren auf Stimmungen. Von Ralf Schönert  •  4. Juli 2026 Politische Entscheidungen stehen heute stärker denn je unter dem unmittelbaren Druck öffentlicher Reaktionen. Doch demokratische Führung erschöpft sich nicht im Nachvollzug von Stimmungen. Sie verlangt Orientierung, Abwägung und mitunter auch die Bereitschaft, gegen den kurzfristigen Beifall zu handeln. In einer zunehmend mediatisierten Öffentlichkeit wird Politik häufig in Echtzeit bewertet. Meinungen verbreiten sich schnell, Zustimmung wie Ablehnung artikulieren sich unmittelbar. Diese Dynamik erzeugt einen Erwartungsdruck, der politische Entscheidungen in die Nähe kurzfristiger Resonanzlogiken rückt. Applaus wird dabei leicht zum Maßstab politischen Erfolgs. Doch diese Verschiebung ist problematisch. Demokra...

AOC 2028? Warum Alexandria Ocasio-Cortez als Alternative ernst genommen werden sollte

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT AOC 2028? Warum Alexandria Ocasio-Cortez als Alternative ernst genommen werden sollte Die Frage nach Alexandria Ocasio-Cortez ist weniger eine Personalie als ein Testfall für die Zukunft der amerikanischen Demokraten: Reicht Opposition gegen Trump, oder braucht es einen erkennbaren politischen Gegenentwurf? Von Ralf Schönert  •  3. Juli 2026 Alexandria Ocasio-Cortez ist für die amerikanische Linke längst mehr als eine prominente Kongressabgeordnete. Ob sie 2028 tatsächlich für das Weiße Haus kandidiert, ist offen. Politisch interessanter ist ohnehin eine andere Frage: Verkörpert sie einen Typus demokratischer Erneuerung, der in den Vereinigten Staaten nach Jahren der Polarisierung, sozialen Verunsicherung und institutionellen Erschöpfung wieder Resonanz finden könnte? Ocasio-Cortez sitzt seit 2019 im Repräsentantenhaus und gehört heute zu den bekanntesten Gesichtern des progressiven Flügels der Demokratischen Partei. Ihre p...

Neues Grundsatzprogramm: Aufbruch oder Ausweichmanöver?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Neues Grundsatzprogramm: Aufbruch oder Ausweichmanöver? Die SPD verspricht mit ihrem neuen Grundsatzprogramm Erneuerung und breite Beteiligung. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob ein programmatischer Prozess politische Klarheit erzeugt oder vor allem Zeit gewinnt. Von Ralf Schönert  •  2. Juli 2026 Die Arbeit an einem neuen Grundsatzprogramm ist für die SPD mehr als ein organisatorisches Routineprojekt. Sie berührt die Grundfrage, wie eine Partei mit schwindender Bindekraft, wechselnder Führungskonstellation und offenkundigen Glaubwürdigkeitsproblemen auf gesellschaftliche Umbrüche antwortet. Gerade deshalb ist Skepsis angebracht: Ein neues Programm kann Orientierung stiften, es kann aber auch dazu dienen, strategische Unentschlossenheit in ein langes Verfahren zu übersetzen. Dass die SPD ein neues Grundsatzprogramm entwickeln will, ist zunächst nachvollziehbar. Das Hamburger Programm stammt aus dem Jahr 2007 und ist d...

50 Jahre Gladbeck im Kreis Recklinghausen – ein Jubiläum mit Vorbehalt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT 50 Jahre Gladbeck im Kreis Recklinghausen – ein Jubiläum mit Vorbehalt Das Datum erinnert an eine konfliktreiche Korrektur der Gebietsreform – und wirft die Frage auf, ob daraus ein Freudenfest oder eher ein Anlass zur politischen Selbstvergewisserung werden sollte. Von Ralf Schönert  •  1. Juli 2026 Das Jubiläum ist real, aber es ist kein natürlicher Festtag. Dass Gladbeck seit 1976 zum Kreis Recklinghausen gehört, ist das Ergebnis einer konfliktreichen Korrektur der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen. Wer daraus im Jahr 2026 eine Feier ableitet, sollte deshalb weniger Verwaltungsselbstzufriedenheit pflegen als historische Nüchternheit und politische Erinnerungskultur. Wenige Wochen nach dem eigentlichen Jahrestag lässt sich zunächst nur dies nüchtern festhalten: Seit dem 1. Juli 1976 gehört Gladbeck als selbständige Stadt zum Kreis Recklinghausen. Vorausgegangen waren die erzwungene Zusammenlegung mit Bot...