POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT 28. Juli 1914: Als Europa den politischen Ausweg verlor Die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien markierte nicht nur den Beginn des Ersten Weltkriegs, sondern das Scheitern einer europäischen Ordnung, die Diplomatie durch Machtkalkül ersetzte. Von Ralf Schönert • 28. Juli 2026 Der 28. Juli 1914 steht für eine historische Lehre, die bis heute politisch relevant ist: Der Erste Weltkrieg brach nicht aus, weil Europa blindlings in ein unabwendbares Schicksal stolperte, sondern weil Regierungen Eskalation für beherrschbar hielten und den Raum für Diplomatie immer weiter verengten. Gerade deshalb ist dieses Datum mehr als ein Erinnerungsanlass. Es ist eine Warnung vor jener Logik, die Macht, Tempo und nationale Ehre über politische Vernunft stellt. Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Dem waren das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni, ein scharfes Ultimatum an Belgrad und das rasche Schei...
Als Kind der Nachkriegszeit lernte ich noch, Telefongespräche sorgsam zu planen, weil jedes Ferngespräch spürbar ins monatliche Budget fraß. Heute, nur wenige Jahrzehnte später, tragen wir Smartphones in der Tasche, die mehr Rechenleistung besitzen als das gesamte Apollo-Programm. Dieser rasante technologische Wandel prägt nicht nur unseren Alltag, sondern stellt auch die Fundamente demokratischer Gesellschaften infrage – mitunter mit erschreckender Radikalität. Mein erster "Computer" war ein programmierbarer Taschenrechner in den 1970er-Jahren. Er konnte kaum mehr als Grundrechenarten und einfache Schleifen, aber ich hielt ihn für ein Wunder. Später folgte ein Heimcomputer wie der C64, klackernde Diskettenlaufwerke, flimmernde Bildschirme. Heute verwalte ich, damals noch spielerisch technikbegeistert, über smarte Geräte fast mein gesamtes Leben – vom Einkauf über die Steuererklärung bis zur Partnerwahl. Die Technik ist dabei nicht neutral geblieben: Sie hat meine Wahrnehmung...