POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Digitale Souveränität ist mehr als ein Schlagwort Europas Debatte über Cloud-Infrastrukturen und Plattformen kreist um eine nüchterne Frage: Wie lässt sich strategische Handlungsfähigkeit gewinnen, ohne in digitale Abschottung zu verfallen? Von Ralf Schönert • 30. Mai 2026 Europas Ruf nach digitaler Souveränität ist die Reaktion auf eine lange gewachsene strukturelle Abhängigkeit. Gemeint ist nicht nur die Frage, wo Daten liegen, sondern wer Standards setzt, Schnittstellen kontrolliert, Preise diktiert und im Konfliktfall über Zugänge verfügt. Wer über Cloud, Plattformen und Software-Grundlagen nicht selbst in hinreichendem Maß verfügt, bleibt politisch und wirtschaftlich verwundbar. Die europäische Diskussion hat sich spürbar verschoben. Vor einigen Jahren stand vor allem der Datenschutz im Vordergrund; heute geht es weiter. Digitale Infrastruktur wird zunehmend als Machtfrage verstanden: als Teil wirtschaftlicher Re...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Quantencomputing und die stille Erosion der Verschlüsselung Die politische Frage lautet nicht mehr, ob Staaten und Unternehmen auf post-quantenfeste Kryptografie umstellen müssen, sondern ob sie den Übergang rechtzeitig organisieren. Von Ralf Schönert • 29. Mai 2026 Quantencomputing ist noch nicht die unmittelbare Auflösung aller digitalen Geheimnisse. Aber die politische und sicherheitstechnische Lage hat sich bereits verändert: Seit 2024 liegen mit den ersten NIST-Standards verbindliche post-quantenfähige Verfahren vor, die EU hat 2024 und 2025 einen koordinierten Übergang angemahnt, und Sicherheitsbehörden drängen auf Migration. Die eigentliche Umwälzung besteht deshalb weniger im plötzlichen Bruch als in einem langen, infrastrukturellen Umbau von Staat, Wirtschaft und Verwaltung. Lange Zeit galt starke Verschlüsselung als unsichtbares Fundament der digitalen Moderne. Sie schützt Bankgeschäfte, Verwaltungsdaten, d...