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Vom Kanzler zur Karikatur: Wie die CDU ihre Seele an die AfD vermietet

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Vom Kanzler zur Karikatur: Wie die CDU ihre Seele an die AfD vermietet Das eigentliche Problem ist nicht die offene Kooperation, sondern die schleichende Übernahme von Tonlage, Konfliktlogik und Themenhierarchie einer Partei, von der sich die Union offiziell abgrenzt. Von Ralf Schönert  •  10. August 2026 Die CDU verliert nicht erst dann ihre politische Mitte, wenn sie mit der AfD paktiert. Sie verliert sie schon dann, wenn sie beginnt, die Wirklichkeit durch deren Begriffe zu ordnen. Der Preis einer solchen Annäherung ist nicht nur taktischer Natur. Er betrifft das Selbstverständnis einer Volkspartei, die einst für Stabilität, Maß und institutionelle Vernunft stand. Spätestens die Migrationsabstimmungen im Bundestag Ende Januar 2025 haben diesen Wandel sichtbar gemacht. Ein Unionsantrag erhielt am 29. Januar eine Mehrheit, und zwar auch mit Stimmen der AfD; zwei Tage später scheiterte das sogenannte Zustrombegrenzungsg...
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Die letzte bedrohte Minderheit heißt Mehrheitskultur

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die letzte bedrohte Minderheit heißt Mehrheitskultur Am 9. August erinnert der Internationale Tag der indigenen Völker an reale Entrechtung. In Bayern hingegen wird gern so getan, als sei schon Widerspruch gegen Folklore eine Form kultureller Verfolgung. Von Ralf Schönert  •  9. August 2026 Der 9. August ist kein Folkloretermin für beleidigte Provinzseelen, sondern ein Gedenk- und Mahntag für Rechte, die indigenen Gemeinschaften vielerorts bis heute streitig gemacht werden. Gerade deshalb wirkt der bayerische Hang, Mehrheitsmacht als bedrohte Eigenart zu verkleiden, so unerquicklich komisch. Die Vereinten Nationen begehen den Internationalen Tag der indigenen Völker jedes Jahr am 9. August; das Datum erinnert an das erste Treffen der einschlägigen UN-Arbeitsgruppe im Jahr 1982. Seit der UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker von 2007 geht es dabei um Selbstbestimmung, Sprache, Teilhabe und Schutz vor erzwungener ...

Wie Deutschland Lebensmittel einkauft

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wie Deutschland Lebensmittel einkauft Zwischen Discounter, App-Rabatt und Nachhaltigkeitsanspruch zeigt sich, dass der Lebensmitteleinkauf längst mehr ist als Privatsache: Er ist ein Gradmesser für Kaufkraft, Marktmacht und Verbraucherschutz. Von Ralf Schönert  •  8. August 2026 Wer in Deutschland Lebensmittel einkauft, handelt nicht nur nach Geschmack oder Gewohnheit. Er reagiert auf hohe Preise, auf ein stark konzentriertes Handelssystem und zunehmend auch auf digitale Rabattlogiken. Der Wocheneinkauf ist damit zu einer politischen Alltagserfahrung geworden. Lange galt der Supermarkt als unpolitischer Ort: Man kaufte ein, was man brauchte, und zahlte, was auf dem Schild stand. Diese Selbstverständlichkeit ist brüchig geworden. Preisbewusstsein, Herkunft, Tierwohl, Nachhaltigkeit und die Frage nach fairen Angeboten konkurrieren heute bei fast jedem Einkauf miteinander. Gerade darin spiegelt sich ein gesellschaftliche...

Palantir in Deutschland: Sicherheitsversprechen, Datenschutzrisiko, Souveränitätsfrage

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Palantir in Deutschland: Sicherheitsversprechen, Datenschutzrisiko, Souveränitätsfrage Die Debatte über polizeiliche Analysesoftware ist keine bloße Technikfrage. Sie berührt die Grenzen staatlicher Datennutzung, den Schutz Unbeteiligter und die digitale Handlungsfähigkeit des Rechtsstaats. Von Ralf Schönert  •  7. August 2026 Wer in Deutschland über Palantir spricht, spricht nicht nur über Software, sondern über ein Staatsverständnis. Das Versprechen lautet: schneller erkennen, besser verknüpfen, entschlossener handeln. Die Gegenfrage lautet jedoch, ob aus legitimer Gefahrenabwehr eine Infrastruktur entsteht, die Datenbestände massenhaft zusammenzieht, Unbeteiligte miterfasst und demokratische Kontrolle technisch wie rechtlich erschwert. Genau hier haben Bundesverfassungsgericht und Datenschutzaufsicht die entscheidenden Warnmarken gesetzt. Die politische Aktualität des Themas ist offenkundig. Auf Bundesebene war die E...

Mehr als 80 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki: Was Friedenspolitik heute leisten muss

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Mehr als 80 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki: Was Friedenspolitik heute leisten muss Der 80. Jahrestag fiel 2025. Die politische Kernfrage bleibt 2026 dieselbe: Wie lässt sich Sicherheit sichern, ohne das Denken in nuklearer Abschreckung zum letzten Horizont von Politik werden zu lassen? Von Isabelle Bailey   •  6. August 2026 Wer heute an Hiroshima und Nagasaki erinnert, darf sich nicht in Gedenkritualen erschöpfen. Friedenspolitik ist unter den Bedingungen einer erodierenden Rüstungskontrollordnung, fortgesetzter nuklearer Modernisierung und geschwächter multilateraler Institutionen eine harte, institutionelle und strategische Aufgabe. Hiroshima am 6. August 1945 und Nagasaki am 9. August 1945 markieren keinen bloßen historischen Einschnitt, sondern den Beginn eines politischen Zeitalters, in dem menschliche Vernichtung technisch planbar wurde. Dass Hiroshima und Nagasaki ihre Friedenserklärungen auch Jahrzehnte späte...