POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die deutsche Sozialdemokratie und der Kosovokrieg: Eine Zäsur zwischen Moral und Macht Die Kosovo-Krise von 1998 und der Krieg von 1999 markieren für die SPD einen tiefen Einschnitt: Aus einer Partei mit starker friedenspolitischer Selbstbindung wurde eine Regierungspartei, die militärische Gewalt als letztes Mittel mittrug. Von Ralf Schönert • 28. Juni 2026 Der Kosovokrieg war für die deutsche Sozialdemokratie mehr als eine außenpolitische Krise. Er wurde zu einem Prüfstein dafür, ob sich historische Friedensethik, Menschenrechtspolitik und Bündnisverantwortung überhaupt noch widerspruchsfrei verbinden ließen. Gerade darin liegt bis heute seine politische Bedeutung. Als die rot-grüne Bundesregierung im Oktober 1998 ihr Amt antrat, war die Lage im Kosovo bereits eskaliert. Noch im selben Monat stimmte der Bundestag einer deutschen Beteiligung an den von der NATO geplanten Maßnahmen zu. Im März 1999 begannen nach dem Scheite...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Benjamin Netanjahu und die lange Ära der Macht Die politische Karriere des langjährigen israelischen Premierministers zeigt, wie eng sicherheitspolitische Autorität, institutionelle Konflikte und persönliche Macht in Israel miteinander verknüpft worden sind. Von Ralf Schönert • 27. Juni 2026 Benjamin Netanjahu hat die israelische Politik über Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderer Regierungschef. Sein Vermächtnis liegt nicht allein in Wahltriumphen, außenpolitischer Härte und diplomatischen Erfolgen, sondern ebenso in der tiefen Polarisierung des Landes, in der Auseinandersetzung um Rechtsstaat und Gewaltenteilung sowie in den internationalen Belastungen, die seine Amtsführung inzwischen begleiten. Netanjahus politische Karriere steht für eine seltene Verbindung aus strategischer Disziplin, ideologischer Beständigkeit und bemerkenswerter Machttechnik. Er war von 1996 bis 1999, von 2009 bis 2021 und erneut seit Dezemb...