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70 Jahre Ungarnaufstand: Europas verratene Freiheitsgeschichte

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT 70 Jahre Ungarnaufstand: Europas verratene Freiheitsgeschichte Der Aufstand von 1956 erinnert daran, wie hoch der Preis der Freiheit sein kann, wenn Machtpolitik stärker wirkt als Solidarität. Von Ralf Schönert  •  2. Oktober 2026 Am 23. Oktober 2026 jährt sich der Beginn des ungarischen Volksaufstands zum siebzigsten Mal. Die Erinnerung daran ist mehr als ein historisches Ritual. Sie stellt bis heute die unbequeme Frage, was europäische Freiheit wert ist, wenn sie außerhalb sicherer Machtgrenzen verteidigt werden muss. Der Ungarnaufstand begann am 23. Oktober 1956 mit Demonstrationen von Studierenden in Budapest. Aus Forderungen nach Reformen, nationaler Selbstbestimmung und politischer Öffnung wurde innerhalb weniger Tage eine breite Erhebung gegen die kommunistische Parteiherrschaft und die sowjetische Vormacht. Imre Nagy wurde zur politischen Figur dieser kurzen Hoffnung. Seine Regierung kündigte den Austritt aus ...
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80 Jahre Nürnberger Urteile

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT 80 Jahre Nürnberger Urteile Was vom Versprechen des internationalen Strafrechts geblieben ist und warum Nürnberg in einer Zeit neuer Kriege, Massengewalt und politischer Doppelstandards wieder bedrängend aktuell wirkt. Von Ralf Schönert  •  1. Oktober 2026 Vor 80 Jahren, am 30. September und 1. Oktober 1946, sprach das Internationale Militärtribunal in Nürnberg seine Urteile. Der historische Einschnitt lag nicht nur in der Bestrafung nationalsozialistischer Hauptverbrecher. Nürnberg setzte einen Maßstab: Auch politische und militärische Führung kann für Angriffskrieg, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit persönlich verantwortlich gemacht werden. Dieses Versprechen lebt fort. Aber seine Durchsetzung bleibt bis heute lückenhaft. Nürnberg war ein Bruch mit einer alten Staatsräson, nach der Gewalt von oben politisch erklärt, aber juristisch kaum erreicht werden konnte. Das Tribunal definierte und verfol...

„Patriotische Jugend“: Was hinter dem Umbau der AfD-Jugend steckt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT „Patriotische Jugend“: Was hinter dem Umbau der AfD-Jugend steckt Der Begriff „Patriotische Jugend“ war ein aufschlussreicher Namensvorschlag, die seit Ende 2025 offiziell bestehende AfD-Jugendorganisation heißt jedoch „Generation Deutschland“. Politisch entscheidend ist deshalb weniger das Etikett als die Frage nach Kontinuität, Kontrolle und ideologischer Ausrichtung. Von Ralf Schönert  •  30. September 2026  Wer nach der „Patriotischen Jugend“ fragt, fragt in Wahrheit nach der strategischen Neuordnung des AfD-Nachwuchses. Die eigentliche Pointe liegt nicht darin, dass ein schärfer klingender Name am Ende verworfen wurde, sondern darin, dass die Partei ihren Jugendverband organisatorisch enger an sich gebunden und politisch neu aufgestellt hat. Im Januar 2025 änderte die AfD ihre Bundessatzung, um die bis dahin als eigenständiger Verein organisierte „Junge Alternative“ durch eine neue, rechtlich unselbständige Pa...

Der Klugscheisser - Herrschaft – Zwischen Ordnung und Macht

Das Wort Herrschaft steht im Zentrum politischer, sozialer und geistiger Ordnung – und zugleich am Ursprung von Unterdrückung und Widerstand. Es benennt ein Verhältnis, das zugleich stabilisiert und beschränkt, schützt und beherrscht. In seiner sprachlichen Entwicklung spiegelt sich die Geschichte der Macht: von der persönlichen Autorität des „Herrn“ bis zur anonymen Struktur moderner Institutionen. Herkunft und Etymologie Das Wort Herrschaft leitet sich ab von Herr (althochdeutsch herro oder hêriro , verwandt mit dem germanischen haira- – „der Vornehmste, Anführer“). Ursprünglich bezeichnete der „Herr“ den Kriegsführer , also den, der über eine Gefolgschaft gebot. Die Endung -schaft stammt vom althochdeutschen -scaft , einer Ableitung von schaffen im Sinne von „bewirken, gestalten, ordnen“. Etymologisch bedeutet Herrschaft somit wörtlich: „Das vom Herrn Geschaffene“ oder „das vom Herrn Bewirkte“. Damit ist der Begriff zunächst funktional , nicht moralisch. Er beschreib...

Wilhelm Liebknecht und die demokratische Idee der Sozialdemokratie

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wilhelm Liebknecht und die demokratische Idee der Sozialdemokratie Der Mitbegründer der SPD steht für einen Typus sozialdemokratischer Politik, in dem Bildung, Organisation und Demokratie untrennbar zusammengehören. :contentReference[oaicite:0]{index=0} Von Ralf Schönert  •  28. September 2026 Wilhelm Liebknecht war nicht nur ein früher Parteiführer, sondern ein politischer Lehrer der deutschen Sozialdemokratie. Wer verstehen will, warum diese Partei historisch mehr war als ein Wahlverein und mehr sein musste als eine reine Regierungspartei, stößt bei ihm auf einen Grundgedanken: Soziale Emanzipation braucht politische Bildung, organisatorische Selbstständigkeit und demokratische Praxis zugleich. Aus der Revolution von 1848/49, dem Exil in London und den Kontakten zu Marx und Engels brachte Liebknecht eine Erfahrung mit, die seine Politik prägte: Demokratie war für ihn keine Nebensache der sozialen Frage, sondern ihre...