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Rumen Radev: General, Präsident, Symptom einer Staatskrise

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Rumen Radev: General, Präsident, Symptom einer Staatskrise Wer Rumen Radev verstehen will, sollte weniger auf den Mann allein als auf das politische Vakuum schauen, in dem er groß geworden ist. Von Ralf Schönert  •  9. November 2026 Rumen Radev ist ein ehemaliger Luftwaffengeneral, der in Bulgarien vom Staatsoberhaupt zur Projektionsfigur einer tieferen politischen Erschöpfung geworden ist. Seine Karriere erklärt sich nicht nur aus persönlicher Popularität, sondern aus einer lang anhaltenden Krise des Parteiensystems, aus Misstrauen gegenüber Eliten und aus dem Wunsch nach einer Autorität, die über den zersplitterten Lagern zu stehen scheint. Biografisch ist Radev rasch beschrieben: Er kam aus dem Militär, führte die bulgarische Luftwaffe und wurde 2016 zum Präsidenten gewählt; 2021 bestätigten ihn die Wähler für eine zweite Amtszeit. Politisch ist er schwerer einzuordnen. Er trat mit dem Anspruch auf, Korruption, ins...
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Ein Märchen aus längst vergangener Zeit

Es war einmal eine Frau, nennen wir sie Sandra, weil das der Name ist, den man automatisch bekommt, wenn man Entscheidungen trifft, die man später bereut. Sandra war unzufrieden. Nicht mit sich selbst – nein, das wäre ja reflektiert. Sie war unzufrieden mit der Welt. Genauer gesagt: mit Männern. Genauer gesagt: damit, dass sie ihr nicht permanent hinterherliefen wie schlecht programmierte NPCs in einem mittelmäßigen Videospiel. Also tat sie, was rationale Menschen eben tun: Sie ging in den Wald, traf eine Fee und äußerte einen Wunsch. Die Fee – ein leicht überarbeiteter, zynischer Kosmos-Subunternehmer – hörte sich Sandras Anliegen an. „Ich möchte, dass mir alle Männer nachlaufen“, sagte Sandra, mit dem Selbstbewusstsein einer Person, die nie über die Konsequenzen nachdenkt. Die Fee lächelte dieses spezielle Lächeln, das man nur aufsetzt, wenn man gleich jemandem eine Lektion erteilt, die er definitiv nicht verstehen wird. „Wie du willst.“ Und schwupp . Sandra wurde zu einem Fuß...

Die SPD 2026 - Ein politischer Zombie auf der Suche nach seiner Seele

Die Welt hat sich verändert, heißt es in diversen Äußerungen. Ein Satz, so wahr wie banal. Doch während die Realität im Jahr 2026 im Eiltempo an uns vorbeizieht, wirkt die Sozialdemokratie wie ein Wanderer, der im dichten Nebel der eigenen Geschichte die Orientierung verloren hat. Die ersten Informationen, die zum neuen Parteiprogramm vorliegen, beschwören die „Antworten auf die Herausforderungen der Zeit“, bleiben sie uns aber – wie so oft – schuldig. Es ist die alte Krankheit der SPD: Sie verwechselt das Aufzählen von Problemen mit deren Lösung. Die Legende von den „vielen Ideen“ Man behauptet kühn, das Problem der SPD sei nicht der Mangel an Ideen, sondern deren mangelnde Konsequenz. Das ist eine charmante Selbsttäuschung. In Wahrheit leidet die Partei an einer intellektuellen Erschöpfung. Wenn von „digitaler Transformation“ oder der „Klimakrise“ die Rede ist, klingen die sozialdemokratischen Antworten meist nach Reparaturwerkstatt, nicht nach Innovation. Man will den Fortschritt „w...

Der Klugscheisser - Was ist Meritokratie oder warum Leistung allein nicht immer zählt

Die Idee klingt bestechend: In einer Meritokratie soll jeder Mensch nach Leistung, Begabung und Fleiß beurteilt werden – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status. Auf den ersten Blick scheint das gerecht. Wer sich anstrengt, soll aufsteigen. Doch hinter dem Begriff Meritokratie verbirgt sich mehr als ein moralisches Ideal – nämlich ein gesellschaftliches Versprechen, das in der Realität oft gebrochen wird. Der Begriff stammt vom britischen Soziologen Michael Young , der 1958 in seiner satirischen Schrift The Rise of the Meritocracy eine Zukunft entwarf, in der Bildung und Intelligenz die neue Hierarchie begründen. Was als Kritik gemeint war, wurde später zur politischen Leitidee. Staaten wie Großbritannien, die USA oder auch Deutschland begannen, sich als meritokratische Gesellschaften zu verstehen: Wer Leistung zeigt, kommt nach oben – unabhängig von sozialen Schranken. Doch die Praxis zeigt: Leistung misst sich selten neutral. Bildungschancen hängen stark vom Elte...

Die unsichtbare Macht des Glases

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die unsichtbare Macht des Glases Warum LIDE, Advanced Packaging und Glas-Mikrostrukturen mehr mit technologischer Souveränität zu tun haben, als der Begriff „Verpackung“ zunächst vermuten lässt. Von Ralf Schönert  •  16. April 2026 Wer über Halbleiterpolitik spricht, denkt meist an Fabriken, Subventionen und Nanometer. Doch ein wesentlicher Teil der digitalen Machtfrage entscheidet sich an einer weniger sichtbaren Stelle: beim Packaging. LIDE, eine laserbasierte Glasbearbeitungstechnologie, zeigt, dass technologische Souveränität nicht nur im Chip selbst liegt, sondern auch in den Strukturen, die ihn verbinden, schützen und leistungsfähig machen. Der Begriff „Packaging“ führt leicht in die Irre. Gemeint ist nicht Verpackung im alltäglichen Sinn, sondern die hochpräzise Einbettung, Verdrahtung und Verbindung von Halbleitern. In dieser Ebene entstehen aus einzelnen Chips funktionierende Systeme. Sie entscheidet mit darübe...