Wenn Öffentlichkeit zur Plattform wird Öffentliche Debatten entstehen heute nicht mehr nur in Parlamenten, Redaktionen oder auf Marktplätzen. Sie werden zunehmend auf digitalen Plattformen geführt, sortiert und verstärkt. Damit haben Unternehmen wie Meta, X, TikTok oder YouTube eine Stellung gewonnen, die weit über technische Dienstleistung hinausgeht. Sie bestimmen nicht direkt, was Menschen denken. Aber sie beeinflussen maßgeblich, was sichtbar wird, was Reichweite erhält und was im Strom der Informationen untergeht. Darin liegt eine neue Form wirtschaftlicher und politischer Macht. Aufmerksamkeit ist ein Geschäftsmodell Digitale Plattformen sind keine neutralen Infrastrukturen. Ihr ökonomisches Zentrum ist die Vermarktung von Aufmerksamkeit. Je länger Nutzerinnen und Nutzer gebunden werden, desto wertvoller wird die Plattform für Werbekunden. Deshalb bevorzugen algorithmische Systeme häufig Inhalte, die starke Reaktionen auslösen: Empörung, Zuspitzung, Konflikt. Das ist kein Betr...
Globalisierung ist kein abstrakter Prozess, sondern greift tief in den Alltag moderner Gesellschaften ein. Sie verbindet Märkte, beschleunigt Kapitalströme, verlagert Produktionsketten und verdichtet Kommunikation in bislang unbekanntem Ausmaß. Daraus sind Wohlstandsgewinne entstanden, aber auch neue Unsicherheiten. Gerade dort, wo wirtschaftliche Öffnung mit sozialer Entsicherung, regionalem Strukturverlust und politischem Kontrollverlust zusammenfällt, wachsen Gegenbewegungen. Diese richten sich nicht nur gegen einzelne Fehlentwicklungen, sondern oft gegen die liberale Ordnung insgesamt. Wirtschaftliche Öffnung und soziale Spaltung Seit den 1990er Jahren wurde Globalisierung vielfach als Sachzwang beschrieben. Freihandel, Deregulierung und internationale Arbeitsteilung galten als nahezu alternativlos. Tatsächlich haben exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland erheblich profitiert. Zugleich aber wurden die Lasten ungleich verteilt. Industrieregionen verloren Arbeitsplätze...