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Der saubere Müllsack und der alte Mythos

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Eigentlich kommentiere ich Beiträge auf X oder diesem „Faxbuch“ nicht. Doch diese Haltung und die daraus erwachsenden  Wahrnehmungskommentare sind so geschichtsvergessen, dass ich als Historiker nicht schweigen möchte.  Warum die Inszenierung der „Generation Deutschland NRW“ am Gladbecker Ehrenmal keine harmlose Denkmalpflege ist. Von Ralf Schönert  •  23. Juni 2026 Kurzthese: Müll zu beseitigen ist richtig. Problematisch wird es, wenn eine solche Handlung genutzt wird, um ein historisch belastetes Denkmal nationalistisch und heroisch neu aufzuladen. Warum das wichtig ist: Erinnerungskultur entscheidet mit darüber, wie eine demokratische Gesellschaft Krieg, Gewalt und Menschenwürde versteht. Lesedauer: etwa 5 Minuten Themen: Erinnerungskultur, Rechtsextremismus, Gladbeck, Denkmäler, Geschichtspolitik Ein sauberer öffentlicher Ort ist kein politisches Problem. Ein sauber inszenierter Geschichtsmythos schon. Der X-...
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Die Ökonomie des Orbits

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die Ökonomie des Orbits Die Kommerzialisierung der Erdumlaufbahn verändert geopolitische Machtverhältnisse – doch fehlt bislang eine tragfähige Ordnung für Nutzung, Wettbewerb und Sicherheit. Von Ralf Schönert  •  23. Juni 2026 Der erdnahe Weltraum hat sich von einem geopolitischen Schauplatz staatlicher Rivalität zu einem ökonomischen Handlungsraum entwickelt. Private Akteure prägen zunehmend die Infrastruktur des Orbits – mit Chancen für Innovation und globale Kommunikation, aber auch mit neuen Risiken für Sicherheit, Nachhaltigkeit und politische Steuerbarkeit. Lange Zeit war der Weltraum ein exklusives Feld staatlicher Raumfahrtprogramme. Seit den frühen Jahren des Kalten Krieges bestimmten nationale Prestigeprojekte und militärische Interessen die Dynamik. Diese Logik hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verschoben. Mit dem Eintritt privatwirtschaftlicher Akteure ist ein Markt entstanden, der n...

Wasser als Machtfrage und Friedensaufgabe

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wasser als Machtfrage und Friedensaufgabe Je knapper und unberechenbarer Wasser wird, desto deutlicher zeigt sich: Sicherheitspolitik beginnt nicht erst mit Truppenbewegungen, sondern oft mit der Fähigkeit, Flüsse, Grundwasser und Stauseen gemeinsam zu regeln. Von Ralf Schönert  •  22. Juni 2026 Wasser galt lange als technische Frage von Versorgung und Infrastruktur. Inzwischen wird deutlicher, dass es sich ebenso um eine Frage der internationalen Ordnung handelt. Wo Niederschläge ausbleiben, Gletscher schwinden und Flüsse mehrere Staaten durchqueren, entscheidet Wasserdiplomatie mit darüber, ob aus Knappheit Kooperation oder Konflikt entsteht. Die politische Brisanz ist offenkundig. Weltweit leben nach UN-Angaben weiterhin 2,2 Milliarden Menschen ohne sicher bewirtschaftete Trinkwasserversorgung; zugleich erlebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung zumindest zeitweise schwere Wasserknappheit. Das allein erzeugt noch ke...

Wohngeld unter Spardruck: Warum Kürzen keine Wohnungspolitik ersetzt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die geplanten Einschnitte beim Wohngeld berühren eine Grundfrage sozialdemokratischer Politik: Soll der Sozialstaat vorbeugen oder erst reparieren, wenn Wohnungsnot bereits entstanden ist? Von Ralf Schönert  •  21. Juni 2026 Die Frankfurter Rundschau beschreibt die geplanten Einschnitte beim Wohngeld mit deutlicher Schärfe. Die Zuspitzung ist erkennbar, der Kern des Problems aber bleibt ernst: Wer beim Wohngeld spart, greift in ein Instrument ein, das nicht erst Armut verwaltet, sondern Wohnungsverlust und soziale Abstiegserfahrungen verhindern soll. Der unten verlinkte Artikel spricht von einem „Wohngeld-Kahlschlag“. Diese Formulierung ist journalistisch hart, aber nicht aus der Luft gegriffen. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat Bundesbauministerin Verena Hubertz Kürzungen verteidigt, die alle bisherigen Empfängerinnen und Empfänger treffen könnten; ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte soll seinen Anspr...

Restitution jenseits der Schlagzeilen

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Restitution jenseits der Schlagzeilen Die eigentliche politische Bewährungsprobe der Rückgabedebatte liegt nicht in den prominenten Einzelfällen, sondern in der stillen Umstellung von Museen, Rechtsordnungen und internationaler Kooperation. Von Ralf Schönert  •  21. Juni 2026 Die Debatte über die Rückführung von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten ist längst größer als ihre berühmtesten Beispiele. Politisch entscheidend ist inzwischen, ob aus moralischer Symbolik belastbare Verfahren werden: Provenienzforschung, Transparenz, Verhandlungen mit Herkunftsgesellschaften und neue Modelle gemeinsamer Verantwortung. Lange prägten vor allem wenige Fälle die öffentliche Wahrnehmung: die Benin-Bronzen, die Parthenon-Skulpturen, einzelne spektakuläre Museumsentscheidungen. Doch die gegenwärtige Entwicklung verläuft breiter und leiser. Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren nicht nur Benin-Bestände, sondern auch Hundert...