Ein schleichender Autoritätsverlust Das Vertrauen in staatliche Institutionen, Parteien, Medien und öffentliche Verwaltungen nimmt seit Jahren ab. Dahinter steht nicht nur ein Stimmungswechsel, sondern ein tiefer liegendes Strukturproblem moderner Gesellschaften. Wo politische Entscheidungen als fern, wirtschaftliche Entwicklungen als ungerecht und öffentliche Kommunikation als widersprüchlich erlebt werden, entsteht Distanz. Vertrauen lebt von Verlässlichkeit. Fehlt diese, wächst Skepsis. Erfahrungen sozialer Ungleichheit prägen das Urteil Ein zentraler Grund liegt in der sozialen Frage. Viele Menschen erleben, dass Wohlstandszuwächse ungleich verteilt sind, während Unsicherheit im Alltag zunimmt. Steigende Mieten, prekäre Beschäftigung oder der Eindruck, dass große Vermögen besser geschützt sind als normale Einkommen, schwächen das Vertrauen in den Staat als Garant fairer Ordnung. Institutionen wirken dann nicht mehr als neutral, sondern als Teil eines Systems, das Ungleichheit ve...
Die von Olaf Scholz am 27. Februar 2022 ausgerufene „Zeitenwende“ war mehr als eine Reaktion auf Russlands Angriff auf die Ukraine. Sie markierte einen tiefen Einschnitt im politischen Selbstverständnis der Bundesrepublik. Deutschland musste erkennen, dass wirtschaftliche Verflechtung allein keine Sicherheit garantiert. Daraus folgen bis heute grundlegende Fragen: Wie lässt sich Sicherheit neu organisieren, ohne den sozialen Zusammenhalt zu gefährden? Und wie kann eine exportorientierte Volkswirtschaft widerstandsfähiger werden? Sicherheitspolitik wird wieder Kernstaatlichkeit Die erste Folge der Zeitenwende ist die Rückkehr des Staates als sicherheitspolitischer Akteur. Mit dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro und deutlich höheren Verteidigungsausgaben reagierte Deutschland auf jahrzehntelange Versäumnisse. 2025 standen dem Verteidigungsetat laut Bundesverteidigungsministerium rund 62,43 Milliarden Euro plus 24,06 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zur Verfügung. Das ist e...