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Deutschland 4.0 – Bitte faxen Sie Ihre Zukunft!

POLITIK · GESCHICHTE · GESELLSCHAFT Eine Satire über große KI-Versprechen, kleine Amtsfenster und eine Zukunft, die vorsichtshalber noch einmal ausgedruckt wird. Von Ralf Schönert • 21. Oktober 2026 Deutschland will bei künstlicher Intelligenz ganz vorne mitspielen. Das ist erfreulich. Schließlich braucht ein Land, das seine Bürger gelegentlich zur persönlichen Abgabe digital vorbereiteter Unterlagen einbestellt, anspruchsvolle Ziele. Die entscheidende Frage lautet allerdings: Wird die Technik unsere Verwaltung verändern – oder wird unsere Verwaltung der Technik erst einmal das richtige Abheften beibringen? Es gibt fantastische Nachrichten: Die Zukunft soll nach Deutschland kommen. Bundeskanzler Friedrich Merz wirbt für Investitionen in Milliardenhöhe; beim Berliner Investitionsgipfel am 19. und 20. Oktober 2026 gehören industrielle KI, Halbleiter und Rechenzentren zu den Schwerpunkten. [1] Man möchte hoffen, dass die Zukun...
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aus der Geschichte: Das Sozialistengesetz von 1878: Bismarcks Schlag gegen die Sozialdemokratie und seine unbeabsichtigten Folgen

Am 21. Oktober 1878 trat ein Gesetz in Kraft, das die deutsche Politik für mehr als ein Jahrzehnt prägen sollte: das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, kurz das Sozialistengesetz. Eingebracht von Reichskanzler Otto von Bismarck, leitete es eine zwölfjährige Verfolgungszeit ein, die den politischen Arm der Arbeiterbewegung lahmlegen sollte. Paradoxerweise stärkte es am Ende gerade die Sozialdemokratie. Attentate als Vorwand Zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. im Frühjahr und Sommer 1878 gaben Bismarck den willkommenen Anlass. Obwohl den Tätern keine direkte Verbindung zur Sozialdemokratie nachgewiesen werden konnte, nutzte der Kanzler die aufgeheizte Stimmung. Er stellte die Partei als Gefahr für Staat und Gesellschaft dar und drängte auf ein Ausnahmegesetz. Anfangs verweigerten die Liberalen ihre Zustimmung – doch nach dem zweiten Anschlag und der durch geschickte Propaganda geschürten Hysterie fielen die rechtsstaatlichen Bedenken. Politische Ma...

Wehrpflicht auch für Frauen?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Wehrpflicht auch für Frauen? Die Debatte über den neuen Wehrdienst führt zu einer heiklen Leitfrage: Soll staatsbürgerliche Pflicht geschlechtsneutral gedacht werden, oder bleibt die Verfassung bewusst asymmetrisch? Von Ralf Schönert  •  20. Oktober 2026 Die Frage einer Wehrpflicht auch für Frauen berührt mehr als die Personalplanung der Bundeswehr. Sie führt in das Zentrum eines demokratischen Spannungsverhältnisses: zwischen Gleichberechtigung, individueller Freiheit, staatlicher Schutzpflicht und der Frage, wer in einer veränderten Sicherheitslage welche Lasten tragen soll. Seit Anfang 2026 steht Deutschland wieder vor einer Frage, die lange historisch erledigt schien. Der neue Wehrdienst setzt weiterhin auf Freiwilligkeit, baut aber die Wehrerfassung wieder auf. Junge Männer müssen den Fragebogen beantworten; für Frauen bleibt dies freiwillig. Damit ist noch keine allgemeine Wehrpflicht zurückgekehrt, wohl aber ein ...

Rettet Chaos Menschenleben?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Rettet Chaos Menschenleben? Warum die Physik von Menschenmengen zeigt, dass Sicherheit nicht nur eine Frage von Ordnung, sondern auch von kluger Steuerung ist. Von Ralf Schönert  •  24. Oktober 2026 Menschenmengen wirken unberechenbar. Doch gerade dort, wo viele Körper zugleich durch enge Räume drängen, gelten physikalische Regeln. Die eigentliche politische Frage lautet daher nicht, ob Chaos Leben retten kann, sondern ob Verwaltung, Veranstalter und Sicherheitsbehörden bereit sind, aus der Wissenschaft praktische Konsequenzen zu ziehen. Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich: Eine kleine Störung vor einem Ausgang kann unter bestimmten Bedingungen den Abfluss einer Menschenmenge verbessern. Gemeint ist nicht Unordnung im gesellschaftlichen Sinn, sondern eine gezielte Brechung gefährlicher Gleichförmigkeit. Wenn viele Menschen gleichzeitig durch eine Engstelle wollen, entsteht Druck. Der Ausgang wird nicht schnel...

Was war das „Frakturverbot“?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was war das „Frakturverbot“? Ein Blick auf den Normalschrifterlass von 1941 und die politische Frage, warum selbst Schriftformen zu Trägern von Ideologie, Erinnerung und Missverständnissen werden können. Von Ralf Schönert  •  18. Oktober 2026 Das sogenannte „Frakturverbot“ ist mehr als eine typografische Randnotiz. Es zeigt, wie politische Macht versucht, selbst Schriftbilder zu deuten, umzuwerten und für Herrschaftszwecke nutzbar zu machen. Wer darüber spricht, spricht deshalb nicht nur über Buchstaben, sondern über Kulturpolitik, Propaganda und historische Erinnerung. Der Begriff „Frakturverbot“ bezeichnet verkürzt einen Vorgang aus dem Januar 1941. Martin Bormann verbreitete damals ein nicht zur Veröffentlichung bestimmtes Rundschreiben der NSDAP, in dem die bis dahin vielfach als „deutsche Schrift“ verstandenen gebrochenen Schriften zugunsten der Antiqua zurückgedrängt wurden. Die Antiqua sollte künftig als „Normal-...