Ein Blick zurück.
Eine Frage an heute.
Ich suche dringend einen Hacker. Meine Tiefkühltruhe müsste dringend abgetaut werden. Früher hätte man diesen Satz verstanden. Heute bekomme ich Angebote für einen Sicherheitscheck, eine Cloudmigration und einen Workshop zur digitalen Kältestrategie. Nur nach einem Handtuch fragt niemand. Offenbar habe ich mein Problem in der falschen Epoche angemeldet.
Dabei ist der Befund eindeutig: Unter einer alpinen Eisformation liegt eine Dose Gulasch. Ihre Beschriftung ist unleserlich. Ich vermute ein Familienrezept, schließe einen archäologischen Fund aber nicht aus.
In meiner erfundenen Kleinanzeige steht deshalb: „Hacker gesucht, Erfahrung mit hartnäckigen Altbeständen erwünscht.“ Nach acht Minuten meldet sich ein junger Mann. Er fragt, welches Betriebssystem die Truhe habe. Ich sage: „Bisher lief sie unter meiner Frau.“
Die Erbsen müssen in die Cloud
Der Fachmann will wissen, ob er Fernzugriff bekommt. Ich erkläre, der Keller sei von der Straße aus zugänglich. Er schweigt. Dann fragt er nach offenen Ports. Ich nenne den Ablauf fürs Tauwasser. Wir kommen fachlich nicht zusammen.
Ein zweiter Anbieter empfiehlt, zunächst sämtliche Bestände in die Cloud zu verlagern. Ich halte das bei Fischstäbchen für gewagt. Er nennt es Transformation. Die Erbsen bleiben vorläufig, wo sie sind.
„Früher war das Eis im Keller ein Zustand. Heute ist es ein Geschäftsmodell mit monatlicher Kündigungsfrist.“
Das Eis bekommt ein Dashboard
Der dritte Bewerber ist Berater. Endlich jemand, der mein Problem versteht: Ich besitze eine Truhe, aber noch kein Konzept. Er bietet eine Bestandsaufnahme an. Anschließend könne man Abtauziele definieren, Zuständigkeiten klären und einen Lenkungskreis bilden. Für den Eimer sei die operative Ebene zuständig.
Sein Dashboard zeigt die Vereisung in Echtzeit. Das Eis bleibt, aber ich kann ihm jetzt vom Wohnzimmer aus beim Bleiben zusehen. Früher war das Eis im Keller ein Zustand. Heute ist es ein Geschäftsmodell mit monatlicher Kündigungsfrist.
Ein bedauerlich analoger Fortschritt
Dabei ist der sachliche Kern überschaubar: Eisbildung erhöht den Energieverbrauch; regelmäßiges Abtauen hilft. No-Frost-Technik kann das Abtauen ersparen. Meine alte Truhe besitzt stattdessen die Funktion „Mach ich nächsten Sonntag“. Sie arbeitet seit Jahren zuverlässig.
Meine Frau liest die Geräteanleitung, organisiert eine kalte Zwischenlagerung für die Vorräte und schaltet die Truhe aus. Keine spitzen Werkzeuge, sagt sie. Der Hacker wird also auch im ursprünglichen Wortsinn nicht gebraucht. Dann legt sie Handtücher hin. Das Eis beginnt ohne Registrierung zu schmelzen.
Mein Fazit
Ich sage den Workshop ab. Der Berater bedauert meinen Rückzug aus der Zukunft. Im Keller tropft es. Nach einer Weile kommt die Gulaschdose zum Vorschein. Sie enthält Kabel. Damit ist wenigstens die Zuständigkeit geklärt: Ich brauche doch einen IT-Fachmann.
https://www.umweltbundesamt.de/en/gefriertruhe-gefrierschrank
Verbraucherzentrale: Gefrierschrank und Gefriertruhe
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/strom-sparen/gefrierschrank-und-gefriertruhe-worauf-muss-ich-beim-kauf-achten-38681
Zanussi: Hinweise zum Abtauen
https://support.zanussi.ch/support-articles/article/wie-kann-ich-meinen-kuhlschrank-mit-gefrierfach-kuehlschrank-mit-gefrierteil-oder-mein-gefrierschrank-abtauen
Meine Website:
https://polite-tanuki-5ee74a.netlify.app
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