Christi Himmelfahrt – der Tag, an dem laut christlicher Überlieferung Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Ein zutiefst spirituelles Ereignis. Ein Moment der Andacht. Der Erhebung. Der Transzendenz. Und dann kam Deutschland. Hier wurde aus diesem religiösen Feiertag eine Art inoffizielle Feldstudie über männliches Sozialverhalten unter Alkoholeinfluss. Statt stiller Besinnung gibt es heute Bollerwagen-Karawanen, die aussehen, als hätten sich Pfadfinder und Kneipentouristen auf ein Experiment eingelassen. Ergebnis: unklar, aber laut. Man muss es bewundern: Ein Ereignis, das ursprünglich von göttlicher Erhöhung handelt, wird hierzulande konsequent in Richtung Erdanziehungskraft interpretiert – vor allem nach dem fünften Bier. Die Ironie ist fast schon poetisch. Natürlich gibt es auch die Fraktion, die tapfer versucht, den religiösen Kern zu bewahren. Kirchenbesuche, Gebete, vielleicht ein kurzer Gedanke an die Bedeutung des Tages. Diese Menschen wirken an Christi Himmelfahrt ungefähr so ...
Die Arbeiterbewegung des 21. Jahrhunderts steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss sich in einer tief veränderten Arbeitswelt behaupten und zugleich ihre politische Bindekraft neu begründen. Das klassische Industrieproletariat, das einst den sozialen und organisatorischen Kern der Bewegung bildete, ist geschrumpft. An seine Stelle ist eine vielfältigere, aber auch fragmentiertere Arbeitsgesellschaft getreten: Dienstleistungsberufe, Logistik, Pflege, Leiharbeit, Solo-Selbstständigkeit und Plattformarbeit prägen heute den Alltag vieler Beschäftigter. Damit verändert sich nicht nur die soziale Basis der Arbeiterbewegung, sondern auch die Form ihrer Interessenvertretung. Atypische Beschäftigung bleibt dabei ein prägender Faktor der Gegenwart. Vom Fabriktor zur zersplitterten Arbeitswelt Die historische Arbeiterbewegung entstand in einer Zeit, in der große Belegschaften an wenigen Orten konzentriert waren. Das erleichterte gewerkschaftliche Organisation, kollektives Handeln und...