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Generationenvertrag 2.0: Was zwischen Jung und Alt neu austariert werden muss

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Generationenvertrag 2.0: Was zwischen Jung und Alt neu austariert werden muss Die eigentliche Frage lautet nicht, ob die Älteren den Jüngeren etwas wegnehmen, sondern wie ein alternder Sozialstaat Sicherheit, Leistungsgerechtigkeit und Zukunftsinvestitionen zugleich organisieren kann. Von Ralf Schönert  •  8. Juni 2026 Der Generationenvertrag war nie ein statisches Versprechen, sondern stets ein politisch geformtes Arrangement. Unter Bedingungen des demografischen Wandels reicht es deshalb nicht mehr, nur über Rentenhöhen oder Beitragssätze zu sprechen. Neu verhandelt werden muss die Balance zwischen Alterssicherung, Pflege, Bildung, Wohnen und öffentlicher Infrastruktur. Erst dort entscheidet sich, ob Solidarität zwischen den Generationen auch künftig mehr ist als eine wohlklingende Formel. Die politische Debatte neigt zur Vereinfachung. Auf der einen Seite steht die Sorge der Älteren vor sozialem Abstieg, auf der ande...
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Warum polnische Reparationsforderungen an Deutschland nicht haltbar sind

Die Diskussion um mögliche polnische Reparationsforderungen an Deutschland wegen der Zerstörungen und Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg ist in den letzten Jahren erneut in den Vordergrund getreten. Die polnische Regierung, insbesondere unter der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), hat mehrfach erklärt, Deutschland schulde Polen enorme Summen an Wiedergutmachung. Diese Position ist sowohl völkerrechtlich als auch politisch und historisch problematisch. Ich versuche nachfolgend die rechtlichen, politischen und historischen Gründe zu erläutern, warum diese Forderungen nicht haltbar sind. 1. Die völkerrechtliche Grundlage Die zentrale Argumentationslinie gegen die polnischen Forderungen beruht auf völkerrechtlichen Prinzipien, insbesondere auf der Frage der sogenannten "Erfüllung" und "Verwirkung" von Reparationsansprüchen. Verzichtserklärung von 1953  Am 23. August 1953 erklärte die Volksrepublik Polen einseitig den Verzicht auf weitere Reparatio...

D-Day 1944: Warum die SPD den 6. Juni als Befreiung Deutschlands sieht

Am 6. Juni 1944 eröffneten alliierte Soldaten mit der Landung in der Normandie eine Westfront, die das NS-Regime militärisch in die Knie zwang und binnen elf Monaten zur Kapitulation führte. Für die Sozialdemokratie war dies mehr als ein militärischer Wendepunkt. Seit 1933 hatte der Nationalsozialismus die SPD verboten, ihre Abgeordneten verfolgt und eine Terrorherrschaft errichtet, in der Freiheit, Rechtsstaat und Pluralismus ausgelöscht waren. Der Beschuss der Atlantikküste bedeutete daher nicht den Verlust nationaler Größe, sondern die erlösende Aussicht, ein verbrecherisches System abzuschütteln. Schon die im Londoner Exil arbeitende „Sopade“ wertete den D-Day als Signal für einen baldigen demokratischen Neubeginn. Nach 1945 griff die Partei diese Deutung konsequent auf: Jedes Gedenken an den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ verweist darauf, dass Freiheit mitunter von außen zurückgebracht werden muss, wenn sie im Innern zerstört wurde. Bis heute prägt dieser Blick das Selbstverstä...

Heimat in der offenen Welt

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Heimat in der offenen Welt Warum lokale Identität in Zeiten von Globalisierung, Migration und digitaler Vernetzung nicht verschwindet, sondern politisch neu ausgehandelt wird. Von Ralf Schönert  •  5. Juni 2026 Heimat ist kein harmloser Gefühlsrest aus vormodernen Zeiten. Gerade in einer globalisierten Welt gewinnt der Begriff neue politische Bedeutung, weil er die Frage bündelt, wo Menschen Zugehörigkeit, Sicherheit und kulturelle Orientierung finden. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Heimat modern ist, sondern ob sie offen gedacht wird oder als Grenze gegen andere dient. Lange galt Heimat vielen als verdächtiger Begriff: zu sentimental für die Gegenwart, zu belastet durch nationale Überhöhung, zu leicht missbrauchbar für kulturelle Abschottung. Doch diese Sicht greift zu kurz. Denn der Wunsch nach Verortung verschwindet nicht, nur weil Märkte global, Biografien mobil und Debatten digital geworden sind. Im Gegenteil:...

Zwischen Abschreckung und Fehlkalkulation: Wie real ist ein Krieg zwischen den USA und China?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Zwischen Abschreckung und Fehlkalkulation: Wie real ist ein Krieg zwischen den USA und China? Die eigentliche Gefahr liegt derzeit weniger in einer zwangsläufigen Kriegsentscheidung als in einer schleichenden Zuspitzung rund um Taiwan, in der militärische Signale, Bündnislogik und politische Missdeutungen ineinandergreifen. Von Ralf Schönert  •  4. Juni 2026 Wer heute von einem drohenden Krieg zwischen den USA und China spricht, sollte zwei Fehler vermeiden: Alarmismus und Selbstberuhigung. Ein großer Krieg ist nicht unausweichlich. Aber die politische und militärische Lage im Indopazifik ist so angespannt, dass schon ein begrenzter Zwischenfall, eine Blockade oder eine falsch gelesene Absicht weitreichende Folgen haben könnte. Im Zentrum der Spannung steht Taiwan. China erhöht seit Jahren den militärischen, wirtschaftlichen und politischen Druck auf die Insel. Der jüngste Pentagon-Bericht beschreibt, wie die Volksbefre...