Am 12. Februar 2002 begann vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag der Prozess gegen Slobodan Milošević. Der frühere Präsident Serbiens und der Bundesrepublik Jugoslawien war der ranghöchste politische Akteur, der sich bis dahin vor einem internationalen Tribunal verantworten musste. Dieses Ereignis markierte einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung des internationalen Strafrechts und sendete ein klares Signal: Auch Staatschefs können für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord zur Verantwortung gezogen werden. Ein politisch wie historisch bedeutender Moment Der Prozess war mehr als eine juristische Auseinandersetzung. Er bündelte Jahre politischer Konflikte, ethnischer Spannungen und brutaler Kriegsführung auf dem Balkan. Die Anklage umfasste Verbrechen während der Kriege in Kroatien, Bosnien und im Kosovo. Besonders bemerkenswert war, dass Milošević sich weigerte, die Legitimität des Gerichts anzue...
Am 11. Februar 1990 verließ Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft das Gefängnis Victor Verster bei Paarl. Die Bilder seines Hand-in-Hand-Gangs mit Winnie Mandela gingen um die Welt – und markierten nicht nur das Ende seiner persönlichen Gefangenschaft, sondern einen politischen Kipppunkt: Von diesem Tag an war das südafrikanische Apartheidsystem irreversibel delegitimiert. Internationaler Druck, ökonomische Sanktionen und innergesellschaftliche Mobilisierung hatten die Grundlagen des Regimes bereits erodiert; Mandelas Freilassung machte die anstehende Transformation sichtbar – und unumkehrbar. Der politische Kontext: De Klerks Kurswechsel Neun Tage zuvor, am 2. Februar 1990, hatte Staatspräsident F. W. de Klerk im Parlament die Entbannung des African National Congress (ANC) und anderer Organisationen angekündigt – ein politischer Erdrutsch. Die Entscheidung war nicht allein moralisch motiviert; sie folgte der Einsicht, dass Repression Südafrikas internationale Isolation vertiefte und die ...