Ein historischer Anspruch unter Druck Die deutsche Sozialdemokratie war über mehr als ein Jahrhundert hinweg eng mit der Idee sozialer Gerechtigkeit verbunden. Für breite Bevölkerungsschichten verkörperte sie die Hoffnung auf sozialen Aufstieg, politische Teilhabe und eine demokratische Gestaltung der Wirtschaft. Vom Kampf um das allgemeine Wahlrecht über die Einführung des Sozialstaats bis hin zur Mitbestimmung in der Industrie war die SPD eine treibende Kraft gesellschaftlicher Reformen. Heute jedoch wirkt dieses historische Versprechen brüchig. Während soziale Ungleichheit wächst, prekäre Beschäftigung zunimmt und wirtschaftliche Transformationen neue Unsicherheiten erzeugen, fällt es der Sozialdemokratie zunehmend schwer, ihre Rolle als zentrale politische Kraft der sozialen Gerechtigkeit überzeugend zu behaupten. Die Frage stellt sich daher: Was ist aus dem historischen Anspruch der SPD geworden? Die historische Idee: Aufstieg durch Demokratie und Sozialstaat Die Sozialdemokra...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Was Josef von Arimatäa zur Weltlage sagen würde Ein Mann mit Sinn für Anstand und Bestattungen würde der Gegenwart vermutlich vor allem eines attestieren: Sie verwaltet Krieg, Freiheit, Klima und Moral mit erschreckender Professionalität. Von Ralf Schönert • 6. April 2026 Vielleicht würde Josef von Arimatäa heute nichts Frommes sagen, sondern nur dies: Ihr habt aus der Welt ein Grab gemacht, aber eines mit Presseabteilung. Zwischen Kriegen, Bündnisnervosität, Zollpolitik und schwindender Freiheit wirkt die Gegenwart wie ein System, das Krisen nicht löst, sondern professionell verwaltet. Josef war, historisch nüchtern betrachtet, ein Mann der Zwischenräume: fromm genug für Anstand, nah genug an der Macht, um noch handeln zu können. In der Gegenwart würde er wohl zuerst die Meisterschaft bestaunen, mit der Katastrophen in Gipfel, Lagebilder und Sprachregelungen übersetzt werden. Die Weltlage ist nicht nur gefährl...