POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Die konservative Revolution als Warnsignal Warum ein historisch belasteter Begriff wieder politische Bedeutung gewinnt und was das über den Zustand liberaler Demokratien sagt. Von Ralf Schönert • 16. Oktober 2026 Die Rede von einer „konservativen Revolution“ klingt widersprüchlich: Bewahren und Umstürzen scheinen nicht zusammenzupassen. Gerade darin liegt ihre politische Brisanz. Der Begriff steht für den Versuch, demokratische Institutionen nicht offen abzuschaffen, sondern ihren Sinn kulturell, sprachlich und moralisch umzudeuten. Wer heute von einer konservativen Revolution spricht, meint selten bloß eine Rückkehr zu klassischen konservativen Tugenden: Maß, Verantwortung, Bindung, Institutionenvertrauen. Gemeint ist häufiger eine tiefere Verschiebung des politischen Koordinatensystems. Nicht mehr einzelne Reformen stehen im Mittelpunkt, sondern die Erzählung, der bestehende demokratische Liberalismus selbst sei ers...
POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Ein Jahr Koalitionsvertrag: Stabilität durch Kompromiss – Fortschritt unter Vorbehalt Zwischen sozialpolitischem Anspruch und marktwirtschaftlicher Begrenzung: Wie tragfähig ist die Bilanz der schwarz-roten Vereinbarung nach zwölf Monaten? Von Ralf Schönert • 25. April 2026 Ein Jahr nach Abschluss des Koalitionsvertrags zwischen CDU und SPD zeigt sich ein vertrautes Bild: politischer Ausgleich als Voraussetzung für Regierungsfähigkeit – und zugleich als Grenze für programmatische Klarheit. Der Vertrag enthält sozialpolitische Fortschritte, bleibt jedoch in seiner strukturellen Wirkung ambivalent. Er stabilisiert, ohne grundlegend zu verändern. Koalitionsverträge sind stets Dokumente der Balance. Sie spiegeln weniger die reine Programmatik einer Partei als vielmehr das Ergebnis politischer Aushandlung. In diesem Sinne war auch die Vereinbarung zwischen CDU und SPD von Beginn an ein Kompromisspapier, das unterschiedlic...