POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT Der Eurovision Song Contest versteht sich als unpolitisches Unterhaltungsformat – doch gerade seine europäische Öffentlichkeit macht ihn seit Jahrzehnten zu einer politischen Bühne. Von Ralf Schönert • 16. Mai 2026 Der Eurovision Song Contest präsentiert sich gern als Fest der Musik, der Vielfalt und der europäischen Verständigung. Doch je größer seine mediale Reichweite geworden ist, desto stärker ist der Wettbewerb auch zu einem Spiegel politischer Konflikte geworden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob der ESC politisch ist, sondern auf welche Weise Politik dort sichtbar wird – offen, symbolisch oder unausgesprochen. Seit Jahren begleitet den ESC die Forderung, Politik aus dem Wettbewerb herauszuhalten. Die Europäische Rundfunkunion verweist regelmäßig auf Regeln gegen parteipolitische Botschaften oder politische Statements auf der Bühne. Gleichzeitig zeigt gerade die Geschichte des Wettbewerbs, dass Kul...
Wenn Öffentlichkeit zur Plattform wird Öffentliche Debatten entstehen heute nicht mehr nur in Parlamenten, Redaktionen oder auf Marktplätzen. Sie werden zunehmend auf digitalen Plattformen geführt, sortiert und verstärkt. Damit haben Unternehmen wie Meta, X, TikTok oder YouTube eine Stellung gewonnen, die weit über technische Dienstleistung hinausgeht. Sie bestimmen nicht direkt, was Menschen denken. Aber sie beeinflussen maßgeblich, was sichtbar wird, was Reichweite erhält und was im Strom der Informationen untergeht. Darin liegt eine neue Form wirtschaftlicher und politischer Macht. Aufmerksamkeit ist ein Geschäftsmodell Digitale Plattformen sind keine neutralen Infrastrukturen. Ihr ökonomisches Zentrum ist die Vermarktung von Aufmerksamkeit. Je länger Nutzerinnen und Nutzer gebunden werden, desto wertvoller wird die Plattform für Werbekunden. Deshalb bevorzugen algorithmische Systeme häufig Inhalte, die starke Reaktionen auslösen: Empörung, Zuspitzung, Konflikt. Das ist kein Betr...