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Mordraten weltweit: Wie sicher ist Deutschland wirklich?

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT

Mordraten weltweit: Wie sicher ist Deutschland wirklich?


Internationale Vergleichsdaten zeigen ein Land mit niedriger Tötungsrate. Die politisch wichtigere Frage lautet, warum sich Unsicherheit in Deutschland dennoch so hartnäckig festsetzt.
Von Ralf Schönert  •  12. August 2026

Wer über die Sicherheit eines Landes sprechen will, sollte sich nicht von Schlagzeilen, Einzelfällen oder politischen Alarmrufen leiten lassen. Im internationalen Vergleich steht Deutschland bei vorsätzlichen Tötungen weiterhin relativ niedrig. Das entlastet die Politik nicht, zwingt sie aber zu einem nüchternen Blick: Das Problem ist weniger eine explodierende Mordrate als die wachsende Kluft zwischen statistischer Lage und öffentlicher Wahrnehmung.

Schon der Begriff führt leicht in die Irre. Im politischen Alltag ist oft von der „Mordrate“ die Rede, statistisch belastbarer ist jedoch die Zahl vorsätzlicher Tötungen pro 100.000 Einwohner. Diese Kategorie ist international eher vergleichbar als nationale Strafrechtsbegriffe wie Mord oder Totschlag. Für Deutschland weist die Weltbank auf Basis von UNODC-Daten zuletzt einen Wert von rund 1 pro 100.000 Einwohner für 2023 aus.

Setzt man diese Zahl in Relation, wird die Lage klarer. Weltweit lag der zuletzt ausgewiesene Vergleichswert bei rund 5 pro 100.000 Einwohnern. Deutschland liegt damit deutlich unter dem globalen Niveau und im unteren Bereich der europäischen Vergleichswerte. Wer also fragt, ob Deutschland ein gefährliches Land geworden sei, erhält aus den verfügbaren Langfrist- und Vergleichsdaten zunächst eine eher ernüchternde Antwort: nein.

Was der Weltvergleich wirklich zeigt

Besonders deutlich wird das im Blick auf andere Weltregionen. Für 2023 weist die Weltbank für Brasilien rund 19 und für Mexiko rund 25 vorsätzliche Tötungen pro 100.000 Einwohner aus. Solche Werte markieren keine bloße statistische Differenz, sondern eine andere sicherheitspolitische Wirklichkeit. Deutschland bewegt sich davon weit entfernt.

Auch innerhalb Europas lohnt die Unterscheidung zwischen absoluten Zahlen und Bevölkerungsbezug. Eurostat meldete für die EU 2023 insgesamt 3.930 vorsätzliche Tötungen; das waren 1,5 Prozent mehr als 2022, zugleich aber deutlich weniger als 2013. Deutschland verzeichnete dabei zwar 661 Fälle und damit einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, bleibt im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße jedoch ein Land mit vergleichsweise niedriger Tötungsbelastung.

Deutschland ist kein gewaltfreies Land, aber im internationalen Maßstab weiterhin ein Land mit niedriger Tötungsrate.

Warum die Debatte trotzdem so nervös ist

Dennoch wäre es falsch, daraus politische Entwarnung abzuleiten. Die deutsche Polizeiliche Kriminalstatistik registrierte 2024 in der Deliktgruppe Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen einen leichten Anstieg auf 2.303 Fälle. Solche Bewegungen sind ernst zu nehmen, auch wenn sie international noch keine dramatische Neubewertung der Sicherheitslage erzwingen.

Das eigentliche politische Problem liegt deshalb tiefer. Sicherheit wird nicht nur an Jahresraten gemessen, sondern an Sichtbarkeit, Nähe und Wiederholung. Einzelne Tötungsdelikte, Gewalttaten im öffentlichen Raum oder besonders brutale Fälle prägen das Sicherheitsgefühl weit stärker als Durchschnittswerte. Aus niedrigen Vergleichszahlen folgt also nicht automatisch gesellschaftliche Beruhigung.

Statistik ersetzt keine Sicherheitsstrategie

Hinzu kommt: Hinter Durchschnittswerten verschwinden besonders verletzliche Räume. So berichteten UNODC und UN Women laut Destatis, dass 2024 weltweit 83.000 Frauen und Mädchen getötet wurden, 50.000 davon durch Partner oder Angehörige. Auch ein Land mit insgesamt niedriger Tötungsrate kann in einzelnen Bereichen erhebliche Schutzdefizite aufweisen.

Eine seriöse Sicherheitspolitik muss deshalb trennen: zwischen globalem Vergleich und nationaler Entwicklung, zwischen allgemeiner Tötungsrate und spezifischen Gewaltformen, zwischen Statistik und Sicherheitsgefühl. Wer alles vermischt, produziert entweder Verharmlosung oder Alarmismus. Beides hilft dem Rechtsstaat nicht.

Mein Fazit

Im weltweiten Vergleich ist Deutschland weiterhin ein sicheres Land. Gerade deshalb sollte die Debatte nicht hysterisch, sondern präzise geführt werden. Nicht die Behauptung einer allgemeinen Verrohung trägt, sondern die nüchterne Einsicht, dass Sicherheit politisch gepflegt, lokal verteidigt und statistisch sauber beschrieben werden muss. Erst dann wird aus Kriminalitätsdebatte wieder Sicherheitsanalyse.

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