Am 22. Juli 2011 erschütterte ein doppelter Terroranschlag Norwegen – ein Land, das bis dahin als sicher und friedlich galt. Der Täter: Anders Behring Breivik, ein rechtsextremer Nationalist, der mit seinen Taten die europäische Gesellschaft wachrüttelte und ein bislang undenkbares Ausmaß an Gewalt offenbarte. Der Tag endete mit 77 Toten – 8 davon durch eine Bombe im Regierungsviertel Oslos, 69 durch Schüsse auf der Ferieninsel Utoya.
Was diesen Anschlag so erschütternd macht, ist nicht nur die Zahl der Todesopfer, sondern die Zielsetzung dahinter: Jugendliche, die sich politisch engagierten, wurden zum Feindbild eines Mannes, der sich selbst als „Retter des Abendlandes“ sah. Breivik suchte mit seinem Anschlag nicht das Chaos, sondern die gezielte Auslöschung politischer Hoffnungsträger – vor allem junger Mitglieder der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF, die sich auf Utoya zum Sommerlager versammelt hatten.
Die Symbolik der Tat ist bedrückend. Ein Ort des Lernens, der Begegnung und der politischen Bildung wurde zum Schauplatz eines kaltblütigen Massakers. Jugendliche versteckten sich in Zelten, im Wasser, unter Felsen – viele vergeblich. Die älteste Tote war 51, die jüngste gerade einmal 14 Jahre alt. Die Tat dauert über 90 Minuten, bevor Breivik sich der Polizei ergibt.
Das Motiv: ein menschenverachtendes Weltbild. In seinem Manifest beschwört Breivik den „Untergang Europas“ durch Einwanderung und Multikulturalismus. Seine Ideologie ist eine Mischung aus Nationalismus, Rassismus und christlichem Fundamentalismus – ein toxisches Gebräu, das nicht nur in Norwegen, sondern auch andernorts bis heute Anhänger findet.
Das norwegische Gericht stellte Breiviks Schuldfähigkeit fest und verurteilte ihn 2012 zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung – der höchstmöglichen Strafe im norwegischen Rechtssystem. Die gesellschaftliche Debatte über Rechtsextremismus, Hassideologie und Radikalisierung dauert jedoch bis heute an.
Utoya steht seither als Mahnmal. Eine verwelkte Rose auf dem einstigen Pfad der Verliebten erinnert an den Horror dieses Tages. Doch ebenso steht Utoya für den entschlossenen Willen, Freiheit, Demokratie und Vielfalt zu verteidigen. Die Frage, die bleibt: Haben wir aus diesem Trauma genug gelernt?


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