Für die Sozialdemokratie war dies mehr als ein militärischer Wendepunkt. Seit 1933 hatte der Nationalsozialismus die SPD verboten, ihre Abgeordneten verfolgt und eine Terrorherrschaft errichtet, in der Freiheit, Rechtsstaat und Pluralismus ausgelöscht waren. Der Beschuss der Atlantikküste bedeutete daher nicht den Verlust nationaler Größe, sondern die erlösende Aussicht, ein verbrecherisches System abzuschütteln.
Schon die im Londoner Exil arbeitende „Sopade“ wertete den D-Day als Signal für einen baldigen demokratischen Neubeginn. Nach 1945 griff die Partei diese Deutung konsequent auf: Jedes Gedenken an den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ verweist darauf, dass Freiheit mitunter von außen zurückgebracht werden muss, wenn sie im Innern zerstört wurde.
Bis heute prägt dieser Blick das Selbstverständnis der SPD. In einer Zeit, in der Populismus und Autoritarismus erneut an Boden gewinnen, mahnt der 6. Juni daran, Demokratie aktiv zu verteidigen – notfalls solidarisch und grenzüberschreitend. Der D-Day symbolisiert Mut und Hoffnung: den Mut der Alliierten, entschlossen gegen die Barbarei zu kämpfen, und die Hoffnung, dass Unrecht nicht ewig währt. Wer heute für ein offenes, soziales und geeintes Europa eintritt, knüpft an jene Stunde an, in der Befreiung an den Küsten der Normandie landete.

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