Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an: dem orangenen in Washington.
Die Erzählung, dass Trump „eine innere Angelegenheit der USA“ sei, ist niedlich. So wie zu glauben, ein Hausbrand im Nachbarhaus ginge dich nichts an, weil „es ja deren Wohnzimmer ist“.
Für Europa ist Trump aus mehreren Gründen tödlich unpraktisch:
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Sicherheits- und Bündnispolitik: Ein US-Präsident, der NATO wie ein Netflix-Abo behandelt („Nutze ich das wirklich genug?“), ist für Europa ungefähr so beruhigend wie ein ausgelaufener Tanklastwagen vor der Haustür.
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Klimapolitik: Während Europa sich mühsam an Klimaziele klammert, bläst ein trumpistisches Amerika fröhlich CO₂ in die Luft und erklärt den Klimawandel zur Meinungssache. Ist auch klar: Die Atmosphäre kennt bekanntlich Landesgrenzen. Genau wie WLAN.
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Rechtsruck als Exportgut: Trumpismus ist nicht einfach US-Innenpolitik, er ist Markenware. Ein Franchise für autoritäre Ego-Showpolitik, das sich in Europa bestens verkauft – von Orbán über Le Pen bis zu jedem zweitklassigen Populisten, der mal auf Telegram schreibt.
Kurz: Ein Amerika unter Trump ist nicht einfach „weit weg“. Es ist der politische Presslufthammer, der direkt unter Europas Fundament lärmt. Aber gut, Hauptsache die Börse läuft.
Kritik an Amerika ist nicht automatisch Anti-Amerikanismus. Chillt.
Es ist faszinierend, wie schnell jede Kritik an den Verhältnissen in den USA als „Anti-Amerikanismus“ abgestempelt wird. Als wäre die einzige legitime Haltung eine Mischung aus Dankbarkeit, Pathos und Hollywood-Soundtrack.
Man kann gleichzeitig:
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amerikanische Kultur lieben,
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amerikanische Menschen schätzen
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und das politische System, die soziale Ungleichheit, Polizeigewalt, Waffenfetischismus, Gesundheitswesen und Außenpolitik der USA massiv kritisieren.
Es heißt kritisches Denken, nicht „Fanboy- oder Hater-Modus“.
Wenn jemand sagt:
„Die USA haben ein strukturelles Problem mit sozialer Ungleichheit, Rassismus und einem Konzern-kapitulierten Politiksystem“
… dann ist das kein „Anti-Amerikanismus“.
Das ist eine Zustandsbeschreibung, die man sogar mit Internetzugang nachprüfen kann. Ja, du auch.
Anti-Amerikanismus wäre:
„Die USA sind schlecht, weil USA schlecht, Punkt“
Kritik wäre:
„Dieses konkrete politische System schützt Kapital stärker als Menschenleben, und das ist ein Problem“
Wenn du den Unterschied nicht erkennst, liegt das nicht an der Komplexität, sondern daran, dass du geistig noch auf Twitter-Niveau scrollst.
Trump bashen – und gleichzeitig bei Apple bezahlen? Läuft bei euch.
Jetzt kommt der unangenehme Teil. Also für dich. Für mich sind das nur Worte.
Viele Europäer lieben es, sich moralisch überlegen zu fühlen:
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„Wir sind nicht so wie die Amerikaner.“
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„Wir sind aufgeklärter, sozialer, reflektierter.“
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Sagt man. Während man das neueste iPhone auspackt, bei Amazon Prime bestellt und bei McDonald’s das „American Style“-Menü inhaliert.
Realität:
Wer ständig über Trump, US-Konzerne und amerikanische Verhältnisse rantet, aber gleichzeitig sein Geld genau in diese Strukturen pumpt, ist nicht politisch bewusst.
Er ist ein moralisch empörter Premiumkunde.
Natürlich: Du allein wirst mit deinem „Heute mal kein Starbucks“ nicht das Weltwirtschaftssystem stürzen. Aber:
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Geld ist Macht.
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Konsum ist ein politischer Akt.
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Jeder Euro, den du ausgibst, ist ein Stimmzettel dafür, welche Art von Welt du mitfinanzierst.
Wenn du also:
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gegen Überwachung bist,
aber dein Leben freiwillig in Ecosysteme von Big Tech einsperrst, -
gegen Ausbeutung bist,
aber Fast-Fashion und Fast-Food-Ketten dein Standard sind, -
gegen US-Dominanz bist,
aber keine Sekunde darüber nachdenkst, welche Alternativen es gibt,
dann ist deine Kritik an Trump so glaubwürdig wie ein Nichtraucherbereich in einer Shisha-Bar.
„Aber was soll ich denn machen? Ich bin doch nur eine Person!“
Das ist der Lieblingssatz der passiven Empörungsgesellschaft:
„Ich allein kann ja nichts ändern.“
Nein, du kannst nicht allein Trump abwählen, das stimmt. Du kannst auch nicht das Weltklima retten, den Kapitalismus abschaffen oder Apple zwingen, eine gewerkschaftsfreundliche Unternehmensphilosophie zu entwickeln. Überraschung.
Aber du kannst:
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bewusster entscheiden, wo du einkaufst
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lokale und alternative Anbieter unterstützen
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digitale Alternativen nutzen, die nicht von drei Megakonzernen kontrolliert werden
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politischen Druck mit aufbauen, indem du Parteien und Initiativen unterstützt, die Regulierung von Großkonzernen ernst meinen
Und ja, ich weiß, das ist anstrengend.
Bequemer ist es natürlich, wütende Posts über Trump zu teilen und dann bei Amazon „Same Day Delivery“ zu klicken, weil du keine Lust hast, in den lokalen Laden zu gehen.
Die Wahrheit ist:
Solange Konsument*innen in Europa ihr Geld systematisch bei genau den Firmen lassen, die vom Status quo profitieren, ist „Kritik an Trump“ vor allem eins:
Selbstberuhigung.
Effektive Kritik fängt nicht beim Meme an, sondern beim Kontoauszug
Es bringt wenig, alle vier Jahre in Schockstarre zu geraten, wenn irgendwo in den USA ein Präsident gewählt wird, den man furchtbar findet, aber dazwischen weiterzuleben, als hätte der eigene Konsum null politische Konsequenzen.
Wenn Kritik an Trump & Co. effektiv sein soll, reicht es nicht:
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empört zu sein
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Artikel zu teilen
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sich intellektuell überlegen zu fühlen
Sie muss konsistent sein:
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Wer ein autoritäres, neoliberales, konzernhöriges System kritisiert,
sollte nicht konstant dessen Hauptprofiteure finanzieren, ohne wenigstens mal darüber nachzudenken. -
Wer meint, Europa müsse „eigenständiger werden“,
könnte anfangen, nicht jede digitale Infrastruktur und jede Plattform einfach aus den USA einzukaufen, nur weil es bequemer ist.
Du musst nicht perfekt sein. Niemand ist „rein“ in diesem System. Aber der Unterschied zwischen:
„Ich komme nicht ganz raus, aber ich versuche bewusst zu wählen“
und
„Ist halt so, aber TRUMP LOL!!!“
ist ungefähr der Unterschied zwischen Politik und kabarettistischer Selbsthypnose.
Europa hat Verantwortung – nicht nur Meinung
Europa tut gerne so, als sei es die vernünftige große Schwester, die neben dem hysterischen Teenager USA sitzt.
In Wirklichkeit hängt Europa an denselben Lieferketten, denselben Konzernen, derselben Logik: Profit vor Menschen, Wachstum vor Vernunft.
Wenn Europa wirklich:
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eine eigenständige Rolle spielen,
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Demokratie, Menschenrechte und Klimaschutz ernst meinen,
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und dem Trumpismus etwas entgegensetzen will,
dann reicht es nicht, alle paar Jahre betroffen dreinzuschauen, wenn in den USA wieder irgendwas brennt.
Dann bedeutet es:
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eigene Infrastruktur aufbauen, statt alles einzukaufen
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eigene Werte ernst nehmen, nicht nur in Sonntagsreden
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Konsum, Handel, Wirtschaftspolitik an diesen Werten ausrichten
Oder man macht einfach weiter wie bisher, schaut wahlweise angewidert oder fasziniert nach Amerika und denkt sich:
„Zum Glück sind wir nicht so.“
Während man genau so ist. Nur mit besserem Brot.
Trump ist nicht unser Problem. Wir sind unser Problem.
Das Trump-Regime – oder jede zukünftige Variante davon – ist schlecht für Europa.
Klar.
Aber das wirklich Peinliche ist:
Wie viel Energie in Empörung fließt und wie wenig in Konsequenz.
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Kritik an den USA ist nicht Anti-Amerikanismus.
Sie ist notwendig, wenn man den Anspruch hat, irgendwas von Demokratie und Menschenrechten verstanden zu haben. -
Aber Kritik an Trump ist weitgehend wirkungslos,
solange dieselben Leute brav weiter bei Apple, Amazon, McDonald’s & Co. Schlange stehen und so tun, als sei Konsum apolitisch.
Wenn du also das nächste Mal einen Rant über Trump lostippst, dann frag dich kurz:
„Wo gebe ich heute mein Geld aus? Und wem gehört die Welt, die ich damit mitbaue?“
Und ja, ich weiß, das ist unangenehm.
Willkommen in der Realität.
Keine Sorge, du musst sie nicht mögen – du musst nur aufhören, so zu tun, als hättest du nichts damit zu tun.
So. Blogbeitrag fertig.
Du kannst ihn jetzt teilen und danach direkt bei Amazon(ien) oder Apple bestellen oder bei McDonald's & Co deinen Verstand verfressen. Würde zur Gesamtperformance passen.
Und ja: "Frohe Weihnachten"
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