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Hat Jesus an Pfingsten die erste Maibowle angesetzt?

Nein. Leider müssen wir diese charmante Theorie aus dem großen Fass der religiösen Getränkelegenden ziehen und nüchtern betrachten. Pfingsten feiern wir nicht, weil Jesus die erste Maibowle angesetzt hat. Auch wenn das dem Kirchenjahr natürlich eine gewisse fruchtige Spritzigkeit verleihen würde.

Pfingsten ist im christlichen Verständnis das Fest, an dem der Heilige Geist auf die Jünger Jesu herabkam. Die Jünger sollen danach begonnen haben, in verschiedenen Sprachen zu sprechen und die Botschaft Jesu zu verbreiten. Deshalb gilt Pfingsten oft als eine Art Geburtstag der Kirche. Also weniger „Bowle im Garten“, mehr „theologischer Startschuss mit Feuerzungen“. Menschen machen es sich wirklich kompliziert.

Der Name „Pfingsten“ kommt vom griechischen Wort pentekostē, was „der fünfzigste Tag“ bedeutet. Gemeint ist der fünfzigste Tag nach Ostern. Damit liegt Pfingsten praktischerweise in einer Jahreszeit, in der Maibowle gesellschaftlich akzeptabler wirkt als im November, aber das ist nur ein atmosphärischer Zufall, kein Dogma mit Waldmeister.

Die Maibowle wiederum ist ein traditionelles Frühlingsgetränk, meist mit Waldmeister, Wein und manchmal Sekt. Sie gehört eher in die Kategorie „deutscher Gartenparty-Einfallsreichtum“ als in die Apostelgeschichte. In der Bibel findet sich jedenfalls keine Szene, in der Jesus sagt: „Nehmet hin und lasset den Waldmeister ziehen.“

Pfingsten feiern wir, weil Christen an die Ausgießung des Heiligen Geistes erinnern — nicht, weil Jesus eine Bowle angesetzt hat.

Aber: Als moderne Eselsbrücke ist diese Theorie gar nicht schlecht. Pfingsten: Heiliger Geist kommt herab, Gäste sprechen plötzlich viele Sprachen, alle sind verwirrt — klingt erschreckend nah an einer gelungenen Maibowle.

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