Am 19. Januar 1919 fand in Deutschland ein Ereignis statt, das in mehrfacher Hinsicht eine historische Zäsur markierte: die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung. Es war die erste reichsweite Wahl nach dem Ende der Monarchie – und zugleich die erste allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl, an der Frauen aktiv und passiv teilnehmen durften. Damit vollzog sich in einem einzigen Wahlgang ein Schritt, für den andere Länder Jahrzehnte benötigten.
Aufbruch in eine neue Staatsform
Deutschland stand seit der Novemberrevolution vor der Aufgabe, eine politische Ordnung jenseits der kaiserlichen Strukturen zu schaffen. Der Zusammenbruch der alten Ordnung, die Kriegsniederlage und die sozialen Spannungen machten schnelle Reformen notwendig. Die Wahl am 19. Januar bildete den ersten demokratisch legitimierten Schritt auf dem Weg zur Weimarer Reichsverfassung, die im August 1919 in Kraft trat.
Für die Wahl galten Regeln, die für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär waren: alle Personen ab 20 Jahren waren wahlberechtigt – unabhängig von Geschlecht, Einkommen oder sozialem Status. Mehr als 37 Millionen Menschen nahmen ihr Wahlrecht wahr; die Wahlbeteiligung lag bei beeindruckenden 83 Prozent.
Frauen erstmals an die Urnen
Besonders bedeutsam war das Wahlrecht der Frauen. Bis 1918 waren sie im politischen System des Kaiserreichs weder als Wählerinnen noch als Abgeordnete vorgesehen. Nun traten 300 Frauen als Kandidatinnen an, 37 von ihnen wurden gewählt – ein bis dahin unvorstellbarer Einschnitt in die politische Kultur. Symbolisch stand dieses Wahlrecht für die umfassende gesellschaftliche Erneuerung, die der Übergang zur Republik versprach.
Politische Kräfteverhältnisse
Die Wahl brachte eine deutliche Mehrheit für Parteien hervor, die den republikanischen Neuanfang unterstützten:
-
Die SPD wurde mit rund 38 % stärkste Kraft,
-
gefolgt vom Zentrum und der DDP.
Diese sogenannte Weimarer Koalition bildete die Basis für die spätere Reichsverfassung. Trotz aller politischen Spannungen der folgenden Jahre legte die Wahl vom Januar 1919 den demokratischen Grundstein für das Deutschland der Zwischenkriegszeit.
Warum dieses Ereignis bis heute nachwirkt
Die Wahl war mehr als ein historischer Termin. Sie symbolisiert den Moment, in dem Deutschland erstmals eine demokratisch legitimierte Verfassungsordnung erprobte – mit allen Hoffnungen und Risiken, die damit verbunden waren. Ihre Bedeutung ist bis heute spürbar:
Sie erinnert daran, dass demokratische Strukturen immer auf Beteiligung, Gleichberechtigung und politischer Verantwortung beruhen.
Meine Quellen:
-
Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. C.H. Beck, München 2018.
-
Deutscher Bundestag: „100 Jahre Frauenwahlrecht“.
💬 Hinweis für Redaktionen und Blogbetreiber
Wenn Sie diesen Beitrag informativ finden, dürfen Sie ihn gerne zitieren oder verlinken.
Ich freue mich über jede Weiterverbreitung und sachliche Diskussion.
❦ Bitte geben Sie bei Übernahme die Quelle an:
meinekommentare.blogspot.com
*Hinweis gemäß Art. 52 DSA (digital service act der EU) – seit 01.08.2025 verpflichtend: Das verwendete Bild- und Grafikmaterial ist KI-generiert. Ausnahmen sind unter dem jeweiligen Objekt gekennzeichnet.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen