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Trump und der neue Machtblock der Technik

POLITIK / GESCHICHTE / GESELLSCHAFT

Trump und der neue Machtblock der Technik


Der Begriff "Techno-Faschismus" ist zugespitzt. Als Diagnose taugt er nur begrenzt. Doch er verweist auf eine reale Entwicklung: die enge Verbindung von exekutiver Macht, digitaler Infrastruktur, Sicherheitsstaat und privatwirtschaftlicher Technikelite.
Von Ralf Schönert  •  3. April 2026

Wer über Trump und die neue amerikanische Rechte spricht, sollte mit historischen Analogien vorsichtig umgehen. Der Ausdruck "Techno-Faschismus" bezeichnet keine exakte Wiederkehr der 1930er Jahre. Er benennt vielmehr eine politische Verschiebung: Regierungsmacht sucht ihre Durchsetzung zunehmend im Bündnis mit Plattformkonzernen, KI-Strategen, Datenfirmen und einer Ideologie der Entgrenzung technischer Kontrolle.

In Trumps zweiter Amtszeit ist diese Verschiebung deutlicher sichtbar geworden. Die Regierung hat früh regulatorische Hürden für künstliche Intelligenz abgebaut und einen Kurs betont, der amerikanische "Dominanz" in der KI sichern soll. Zugleich wurden führende Vertreter der Tech-Branche in zentrale Beratungsgremien eingebunden. Das ist noch kein Systemwechsel im engeren Sinn. Aber es verändert die Architektur politischer Macht.

Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Personalie als das Muster. Wo Staat und private Technologieanbieter immer enger kooperieren, entstehen neue Abhängigkeiten. Datenzugriff, Automatisierung, Sicherheitsanwendungen und Informationssteuerung verdichten sich zu einem Regierungsstil, der Effizienz verspricht, aber demokratische Kontrolle tendenziell als Störfaktor behandelt.

Ein neuer Elitenpakt

Die jüngsten Ernennungen in den wissenschafts- und technologiepolitischen Beraterkreis des Weißen Hauses zeigen, wohin die Reise geht. Wenn Chefs oder Gründer großer Technologiekonzerne zu unmittelbaren Taktgebern staatlicher Zukunftspolitik werden, verschwimmt die Grenze zwischen öffentlichem Interesse und privatwirtschaftlicher Agenda. Das muss nicht notwendig illegitim sein. Es ist aber demokratietheoretisch problematisch, weil gerade jene Akteure privilegierten Zugang erhalten, die von staatlichen Entscheidungen unmittelbar profitieren können.

Hinzu kommt ein Politikverständnis, das Regulierung fast ausschließlich als Wachstumshemmnis beschreibt. Der Staat erscheint dann nicht mehr als Instanz des Ausgleichs, sondern als Beschleuniger technischer Expansion. Diese Logik ist autoritär anschlussfähig, weil sie Machtkonzentration funktional rechtfertigt: Wer nationale Stärke verspricht, reklamiert kurze Wege, geringe Reibung und eine Exekutive, die sich möglichst wenig binden lässt.

Gefährlich wird die neue Verbindung von Politik und Technik nicht dort, wo sie Innovation ermöglicht, sondern dort, wo sie demokratische Begrenzung als überholtes Hindernis erscheinen lässt.

Technik als Regierungsinstrument

Besonders heikel wird die Entwicklung dort, wo digitale Systeme in Verwaltung, Militär und Sicherheitsapparat einsickern. Der Umbau staatlicher Abläufe unter dem Schlagwort Effizienz, die wachsende Rolle datengetriebener Firmen und die stärkere institutionelle Verankerung von KI im Verteidigungsbereich weisen in dieselbe Richtung: Technik dient nicht mehr nur der Modernisierung, sondern wird Teil einer neuen Staatsrationalität.

Historisch ist das kein Faschismus in klassischer Form. Es fehlen Massenpartei, Führermythos alter Prägung und die totalitäre Durchdringung des Alltags in ihrem historischen Original. Doch eine andere Parallele ist ernst zu nehmen: die Sehnsucht nach entschlossener Führung, die sich auf industrielle oder nun digitale Eliten stützt, um gesellschaftliche Konflikte administrativ zu überfahren. Darin liegt der warnende Gehalt des Begriffs.

Warum der Begriff dennoch mit Vorsicht zu verwenden ist

Gerade weil der Ausdruck "Techno-Faschismus" alarmierend klingt, sollte er nicht inflationär gebraucht werden. Wer jede autoritäre Technopolitik sofort mit Faschismus gleichsetzt, verwischt historische Unterschiede und mindert analytische Schärfe. Treffender ist es, von einer oligarchischen Technopolitik oder von digital gestütztem Autoritarismus zu sprechen. Diese Begriffe benennen präziser, worum es geht: um die Verlagerung von Entscheidungsmacht in schwer kontrollierbare Netzwerke aus Regierung, Kapital und Infrastruktur.

Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in einer historischen Wiederholung, sondern in einer neuartigen Synthese. Sie verbindet populistische Politik mit technokratischer Steuerung, nationale Machtansprüche mit privatwirtschaftlicher Datenmacht und deregulierte Märkte mit einem harten Staatskern. Das ist politisch modern, nicht archaisch. Eben deshalb sollte es ernst genommen werden.

Mein Fazit

Der Begriff "Techno-Faschismus unter Trump" ist als Schlagwort zu grob, als Warnsignal aber aufschlussreich. Er lenkt den Blick auf eine Machtverschiebung, in der demokratische Verfahren, rechtliche Begrenzungen und öffentliche Rechenschaft gegenüber der Logik technologischer Beschleunigung an Gewicht verlieren. Wer diese Entwicklung verstehen will, sollte weniger nach historischen Etiketten suchen als nach den neuen Formen von Herrschaft, die sich im Bündnis von Exekutive, Sicherheitsapparat und Tech-Eliten bereits abzeichnen.

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