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Der blutigste Tag des Maidan – Wendepunkt der ukrainischen Revolution

Der 20. Februar 2014 markiert den dramatischsten Tag der Euromaidan-Proteste in Kiew. Nach Wochen eskalierender Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und staatlichen Sicherheitskräften fielen an diesem Morgen auf und um die Institutska-Straße gezielte Schüsse. Dutzende Menschen starben innerhalb weniger Stunden, viele durch Scharfschützenfeuer. Augenzeugenberichte, Foto- und Videomaterial sowie spätere Ermittlungen zeichnen ein Bild, in dem vor allem Spezialeinheiten der damaligen Sicherheitsbehörden eine zentrale Rolle spielten. Noch am selben Wochenende floh Präsident Wiktor Janukowytsch aus Kiew, das Parlament erklärte ihn für abgesetzt – der politische Umbruch nahm Fahrt auf.

Politische Folgen und Deutungskämpfe

Der 20. Februar wurde zum Sinnbild der „Revolution der Würde“. Er veränderte die politische Dynamik in der Ukraine, ließ die Opposition erstarken und bereitete den Weg für Neuwahlen. Zugleich begann ein bis heute anhaltender Deutungskampf: Wer gab den Schießbefehl? Welche Akteure trugen Verantwortung? Während staatliche Stellen in Kiew früh auf Spezialeinheiten verwiesen, stellten russische und prorussische Stimmen Gegennarrative auf. Internationale Medien und Menschenrechtsorganisationen dokumentierten die Ereignisse, mahnten konsequente Aufklärung an und kritisierten langwierige, politisierte Ermittlungen. Der Tag steht damit nicht nur für einen Machtwechsel, sondern auch für die Frage nach Rechtsstaatlichkeit in Zeiten revolutionärer Umbrüche.

Warum der 20. Februar bis heute nachwirkt

Politisch und gesellschaftlich ist der 20. Februar ein erinnerungspolitischer Fixpunkt. In der Ukraine wird der „Tag der Helden der Himmlischen Hundert“ jährlich begangen – als staatstragendes Gedenken an die Getöteten und als Verpflichtung, ihre Tode juristisch wie historisch aufzuarbeiten. International wird der Tag häufig rückblickend als Moment beschrieben, in dem die Ukraine den Kurs weg von einem autoritären, von Moskau beeinflussten System hin zu einem stärker europäisch orientierten Weg einschlug. Dass in den Folgewochen die Annexion der Krim und der Krieg im Donbas begannen, zeigt, wie stark der 20. Februar als Katalysator weiterer Konflikte wirkte.

Der 20. Februar 2014 war nicht bloß ein besonders blutiger Tag inmitten von Protesten. Er war ein politischer Kipppunkt, an dem Legitimität, Gewaltmonopol und öffentlicher Raum neu verhandelt wurden – mit Konsequenzen, die bis in die Gegenwart reichen. Wer die ukrainische Gegenwartspolitik verstehen will, kommt an diesem Datum nicht vorbei.

Meine Quellen:

– Amnesty International, Pressemitteilung vom 20.02.2014: „Ukraine: Deeply troubling accounts of shootings amid clashes“.

– Reuters, 03.04.2014: „Ukraine points finger at ex-president and Russia in sniper deaths“. 

– OSZE, Bericht vom 21.02.2015: Beobachtungen zum ersten Jahrestag der Schüsse an der Institutska-Straße.

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