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Teil 2 - Die unsichtbare Macht der Beratung – Wer oder was ist die Boston Consulting Group?

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Zwischen Wirtschaft und Politik: Die Grauzone der Beratung

Die Boston Consulting Group (BCG) agiert an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Ihre Berater sind keine Politiker, aber sie gestalten politische Prozesse mit. Sie sind keine Manager, aber sie beeinflussen Unternehmensstrategien. Sie schreiben keine Gesetze, aber sie liefern häufig die Argumentationsgrundlagen dafür. Diese Position verleiht ihnen eine Macht, die sich nur schwer greifen lässt – aber umso wirkungsvoller entfaltet.

In Deutschland wie in vielen anderen Ländern arbeiten Ministerien eng mit BCG und anderen Beratungsfirmen zusammen. Ob Digitalisierung, Energiewende oder Verwaltungsreform – immer häufiger lagern Behörden ihre Analyse- und Konzeptarbeit aus. Ein Beispiel: Die BCG beriet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bei der Entwicklung digitaler Strategien, ebenso wie sie in zahlreichen Projekten der öffentlichen Verwaltung tätig war. Ihre Expertise gilt als unverzichtbar, ihre Methoden als effizient. Doch die Abhängigkeit wächst.

Die Beraterelite: Netzwerke und Karrieren

Ein großer Teil des Einflusses der BCG entsteht durch ihr Personal. Viele ihrer ehemaligen Mitarbeiter besetzen heute Spitzenpositionen in Unternehmen, Ministerien und internationalen Organisationen. Die Beratung fungiert damit als Kaderschmiede – ein Sprungbrett für Karrieren, die später über zentrale Weichenstellungen in Wirtschaft und Politik entscheiden.

Das Prinzip dahinter ist einfach: Wer die Denkweise der Berater verinnerlicht hat, trägt sie weiter. Begriffe wie „Effizienz“, „Wettbewerbsfähigkeit“ oder „Transformation“ prägen dann nicht nur interne Strategiepapiere, sondern auch politische Diskurse. Diese semantische Macht ist oft nachhaltiger als formelle Entscheidungsgewalt.

Zudem ist BCG über verschiedene Stiftungen, Thinktanks und Universitätskooperationen mit akademischen und politischen Eliten vernetzt. In diesen Kreisen werden Ideen generiert, die später als politische Leitlinien erscheinen. So verschiebt sich der Raum des Politischen: weg von Parteien und Parlamenten, hin zu strategischen Beratergremien.

Der Einfluss auf den öffentlichen Sektor

Die Beratungsfirmen, allen voran BCG, McKinsey und Roland Berger, sind längst nicht mehr nur für Unternehmen tätig. Sie gestalten auch den öffentlichen Sektor – von Bildungsstrategien über Gesundheitswesen bis hin zu Energiepolitik. Wenn etwa Krankenhäuser fusionieren, Kommunen Sparprogramme auflegen oder Universitäten neue Steuerungsmodelle einführen, stehen häufig Berater im Hintergrund.

Kritisch wird das, wenn die Berater zugleich an den Märkten aktiv sind, deren Regeln sie mitgestalten. Wenn BCG etwa Energieversorger berät und zugleich an der nationalen Klimapolitik mitarbeitet, verschwimmen Grenzen zwischen öffentlichem Interesse und privatwirtschaftlichem Nutzen. Diese strukturelle Doppelrolle ist eines der zentralen Probleme der Beratungsökonomie.

Ausblick: Die Boston Consulting Group ist nicht nur ein Dienstleister, sondern Teil einer globalen Struktur, in der Wissen, Macht und Geld eng verflochten sind. Im dritten Teil geht es um die Frage, ob eine demokratische Kontrolle solcher Akteure möglich ist – und welche Alternativen zu diesem Modell der „regierten Beratung“ denkbar wären.

Fortsetzung folgt!

Meine Quellen:
The Boston Consulting Group: Unternehmensprofil“ auf Consulting.de — liefert eine kompakte Profilierung von BCG mit Fokus auf Gründung, Struktur und Tätigkeitsfeldern.

Geschichte der Unternehmensberatung“ auf PureConsultant.de — beleuchtet die Entwicklung der Branche allgemein und nennt explizit BCG als Pionier mit der „BCG-Matrix".


Elbe, M. (2010): „Organisationsberatung: Kritik und Perspektiven aus wissenschaftlicher Sicht“. In: Handbuch Organisation, Springer.

 

 

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