Wenn von globaler Wirtschaftsmacht, politischem Einfluss und technokratischer Steuerung die Rede ist, denken viele an Regierungen, Zentralbanken oder internationale Konzerne. Weniger bekannt ist, dass hinter vielen dieser Akteure diskrete Beraterfirmen stehen, die Strategien entwerfen, Strukturen formen und ganze Staaten beraten. Eine dieser Firmen ist die Boston Consulting Group (BCG) – eine der einflussreichsten Unternehmensberatungen der Welt.
Gegründet wurde die BCG 1963 von Bruce D. Henderson in den USA. Ihr Ziel war es, analytische Methoden in die Unternehmenssteuerung einzuführen – ein Ansatz, der in den 1960er-Jahren revolutionär war. Heute ist BCG in mehr als 50 Ländern vertreten und beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter. Der Name steht für strategische Weichenstellungen, Effizienzprogramme und digitale Transformation. Doch die BCG ist mehr als eine Beratungsfirma: Sie ist Teil eines Netzwerks, das tief in wirtschaftliche und politische Entscheidungsprozesse hineinwirkt.
Die Idee hinter der BCG-Matrix
Bekannt wurde die Boston Consulting Group vor allem durch die Entwicklung der sogenannten BCG-Matrix – eines Portfoliomodells, das Unternehmen hilft, ihre Geschäftsbereiche nach Marktwachstum und Marktanteil zu bewerten. Das Raster aus „Stars“, „Cash Cows“, „Question Marks“ und „Dogs“ wurde zur Blaupause moderner Unternehmensplanung. Es steht für eine neue Art des Denkens: Unternehmen als Investitionsportfolios, Menschen als Kostenfaktoren, Wachstum als oberstes Ziel.
Diese Denkweise hat sich in Wirtschaft und Politik tief eingegraben. Heute findet man ihre Spuren in Verwaltungsreformen, Krankenhausstrukturen und Bildungsstrategien. BCG liefert nicht nur Zahlen und Modelle – sie liefert Denkmuster, die sich in Entscheidungsprozessen verfestigen.
Beratung als Machtinstrument
Was BCG besonders macht, ist weniger die Methode als die Reichweite. Regierungen, Banken, Energieversorger, Technologiekonzerne – sie alle greifen auf die Expertise der Berater zurück. In Deutschland war BCG unter anderem in die Reform der Bundesagentur für Arbeit, in Strategien zur Digitalisierung der Verwaltung und in Klimaplanungen eingebunden. Ihre Empfehlungen fließen in politische Programme ein, oft ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt.
Kritiker sehen darin eine schleichende „Privatisierung des Denkens“: Wenn Entscheidungen, die das Gemeinwohl betreffen, zunehmend auf Analysen externer Berater gründen, verlagert sich Macht von der gewählten Politik zu anonymen Experten. Die Frage ist daher nicht nur, was BCG tut, sondern wie viel Einfluss sie in unserer Gesellschaft ausübt.
Ausblick: Die Boston Consulting Group steht beispielhaft für eine Ökonomie, in der Wissen zur Ware und Beratung zur Macht wird. Im nächsten Teil geht es um die Netzwerke, mit denen BCG Politik und Wirtschaft weltweit prägt – und um die Frage, wie viel Demokratie in einem System bleibt, das sich zunehmend von Beratern leiten lässt.
Fortsetzung folgt!
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