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Es werden Posts vom Januar, 2026 angezeigt.

aus der Geschichte: 31. Januar 1933 – Tag der „Machtergreifung“

Inmitten der politischen und wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik erlebte Deutschland Anfang 1933 einen dramatischen Wendepunkt. Nach mehrfachen Wahlen und instabilen Regierungen ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 den Führer der NSDAP, Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Diese Entscheidung entstand aus Verhandlungen konservativer Kreise, die den Nationalsozialisten einhegen wollten. Der Begriff „Machtergreifung“ klingt nach einem Putsch, doch es war eine rechtliche Machtübertragung. Hitler führte zunächst eine Koalition mit deutschnationalen Ministern; außer ihm erhielten nur Wilhelm Frick und Hermann Göring Ministerposten. Trotzdem inszenierte die NSDAP den Tag als historische Zäsur. Am Abend des 30. Januar marschierten SA‑ und SS‑Kolonnen mit Fackeln durch die Berliner Wilhelmstraße, während Hitler und Hindenburg vom Fenster der Reichskanzlei aus die jubelnde Menge beobachteten. Propagandachef Joseph Goebbels notierte begeistert, die Wilhelmstraße g...

Bloody Sunday 1972 - Warum der 30. Januar zum Wendepunkt des Nordirlandkonflikts wurde

Ein Datum, das die Politik veränderte Am 30. Januar 1972 erschossen Soldaten des britischen Parachute Regiment in Derry (Nordirland) 14 unbewaffnete Zivilisten und verletzten weitere Menschen zum Teil schwer. Der Tag, als „Bloody Sunday“ in die Geschichte eingegangen, markierte nicht nur eine Eskalation der Gewalt, sondern veränderte dauerhaft die politische Landschaft des Vereinigten Königreichs und Irlands. Die Ereignisse trafen auf einen ohnehin polarisierten Kontext: Bürgerrechtsbewegungen katholischer Nationalisten standen einer Sicherheitsstrategie gegenüber, die intern als „law and order“ firmierte, jedoch in der Praxis häufig kollektive Kontrolle statt gezielter Deeskalation bedeutete. Vom Protest zur Zäsur Ausgelöst wurde der Tag durch einen Marsch gegen Internierung ohne Anklage. Als die Demonstration im Bogside-Viertel zusammentraf, drangen Einheiten der Fallschirmjäger in das Gebiet vor. Innerhalb weniger Minuten fielen Schüsse. Bereits am selben Abend dominierte die Frage,...

Wenn Satire geopolitische Reibung erzeugt

In einer politisch aufgeladenen Phase hat eine Fernsehsatire des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in der grönländischen Hauptstadt Nuuk unerwartet für internationale Empörung gesorgt. Der Kabarettist Maxi Schafroth, bekannt aus dem NDR-Format Extra 3 , versuchte im Rahmen einer Drehaktion, eine US-Flagge auf einem öffentlichen Platz zu hissen – offenbar als ironische Anspielung auf die umstrittenen Bestrebungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Grönland stärker in den Einflussbereich der USA zu rücken. Satire zwischen Ironie und Verletzung Satire lebt von Überzeichnung und Kontext – doch genau hier lag das Problem: Die Aktion in Nuuk wurde von Einheimischen nicht als ironischer Kommentar, sondern als respektlose Provokation wahrgenommen. Ein grönländischer Aktivist, der ein Video der Szene veröffentlichte, schrieb deutlich: „Wenn Sie unsere Werte nicht respektieren, warum sind Sie dann in Nuuk?! Schande über Dich, Du Narr!“ Die Reaktion zeigt, dass ironische Botschaften ohne ...

SALT-II-Verhandlungen am 29. Januar 1979 – Ein Wendepunkt im Kalten Krieg

Am 29. Januar 1979 fand in Washington ein bedeutsames Treffen zwischen dem US-Präsidenten Jimmy Carter und dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko statt. Dieses Treffen markierte einen entscheidenden Moment der sogenannten SALT‑II‑Verhandlungen (Strategic Arms Limitation Talks), die auf eine Begrenzung strategischer Nuklearwaffen abzielten. In einer Phase anhaltender Spannungen zwischen den beiden Supermächten symbolisierte die Begegnung nicht nur diplomatische Annäherung, sondern auch das gegenseitige Eingeständnis, dass der Rüstungswettlauf ohne politische Regulierung gefährliche Dimensionen angenommen hatte. Historischer Kontext Seit Beginn der 1970er Jahre bemühten sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion um eine Stabilisierung ihres strategischen Kräfteverhältnisses. Der bereits 1972 unterzeichnete SALT‑I‑Vertrag hatte erste Begrenzungen beim Ausbau der Interkontinentalraketen eingeführt. Der Folgevertrag, SALT II, sollte diese Regelungen vertiefen und insbesondere M...

Waffenstillstand tritt in Kraft - Der 28. Januar 1973 und das Ende des Vietnamkriegs

Am 28. Januar 1973 trat der Waffenstillstand in Vietnam in Kraft – ein entscheidender Moment der internationalen Politik des 20. Jahrhunderts. Nachdem am Vortag, dem 27. Januar 1973, die sogenannten Paris Peace Accords unterzeichnet worden waren, sollte am folgenden Tag die Feuerpause greifen. Dieser Tag markiert den politischen Wendepunkt im jahrzehntelangen Konflikt, der zu einem Symbol für Stellvertreterkriege im Kalten Krieg geworden war. Hintergrund: Ein Krieg, der die Welt veränderte Der Vietnamkrieg war seit Mitte der 1950er Jahre eskaliert und entwickelte sich in den 1960er Jahren zu einem internationalen Konflikt, in dem die USA eine zentrale militärische Rolle spielten. Ziel war die Eindämmung des Kommunismus – ein Grundpfeiler der amerikanischen Außenpolitik in der Ära des Kalten Krieges. Die hohen Verluste, die zunehmende innenpolitische Kritik in den USA und ein massiver Legitimitätsverlust führten ab 1968 zu einer neuen strategischen Ausrichtung. Unter Präsident Richard...

Hörbuchempfehlung Januar 2026

Das Hörbuch untersucht die weitreichende und spekulative Theorie des "Merowingischen Codes" , die besagt, dass Jesus Christus Nachkommen hatte und diese Blutlinie ( Sang Real – königliches Blut) über die Jahrhunderte hinweg im Verborgenen überlebte . Im Zentrum steht die Dynastie der Merowinger (5. bis 8. Jahrhundert), die über große Teile Europas herrschte und behauptete, aus dem Heiligen selbst abzustammen, mit Wurzeln, die bis nach Galiläa reichten . Ihre mystische Autorität und ihre Behauptung, nicht nur durch weltliche Macht, sondern durch göttliches Blut legitimiert zu sein, gerieten in Konflikt mit der aufstrebenden Kirche . Der Wendepunkt war die rätselhafte Ermordung Dagoberts II. im Jahr 679 und die anschließende Ablösung der Merowinger durch die Karolinger . Die gefährlichste Theorie lautet, dass die Merowinger nicht wegen ihrer Taten, sondern wegen ihres Blutes entfernt und systematisch vergessen gemacht wurden . Trotz der Tilgung glauben einige, dass Spure...

Was gerade um Alex Pretti passiert und warum das alarmierend ist

Alex Pretti (37), Krankenpfleger in Minneapolis, wurde am 24. Januar 2026 bei einer Aktion von Bundes-Immigrationsbehörden erschossen. Mehrere Handyvideos und Medien-Analysen widersprechen dabei der frühen offiziellen Erzählung aus dem Heimatschutzministerium (DHS), wonach es sich um „Notwehr“ gehandelt habe. Die zentrale Kontroverse: Pretti soll bereits entwaffnet bzw. nicht unmittelbar bedrohlich gewesen sein , als die tödlichen Schüsse fielen. Aus meiner Perspektive sind daran ein paar Dinge nicht einfach „bedauerlich“, sondern strukturell brandgefährlich: Militarisierung des Staates gegen Zivilgesellschaft Wenn maskierte, schwer bewaffnete Bundeskräfte in Städten operieren, eskalieren sie Konflikte nicht zufällig, sondern systematisch. Das trifft besonders Communities, in denen ohnehin Misstrauen gegenüber Sicherheitsbehörden herrscht. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Angst, Radikalisierung, Gewaltspiralen – und am Ende zahlen normale Leute den Preis. Deutungshoheit vor Auf...

Teil 2 - Die unsichtbare Macht der Beratung – Wer oder was ist die Boston Consulting Group?

Hier der Teil 1 -->  Die unsichtbare Macht der Beratung – Wer oder was ist die Boston Consulting Group? Zwischen Wirtschaft und Politik: Die Grauzone der Beratung Die Boston Consulting Group (BCG) agiert an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Ihre Berater sind keine Politiker, aber sie gestalten politische Prozesse mit. Sie sind keine Manager, aber sie beeinflussen Unternehmensstrategien. Sie schreiben keine Gesetze, aber sie liefern häufig die Argumentationsgrundlagen dafür. Diese Position verleiht ihnen eine Macht, die sich nur schwer greifen lässt – aber umso wirkungsvoller entfaltet. In Deutschland wie in vielen anderen Ländern arbeiten Ministerien eng mit BCG und anderen Beratungsfirmen zusammen. Ob Digitalisierung, Energiewende oder Verwaltungsreform – immer häufiger lagern Behörden ihre Analyse- und Konzeptarbeit aus. Ein Beispiel: Die BCG beriet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bei der Entwicklung digitaler Strategien, ebe...

Der Beginn der Weimarer Demokratie

Am 25. Januar 1919 vollzieht sich ein historischer Einschnitt, der Deutschland nachhaltig prägt. Die Bekanntgabe der Ergebnisse der ersten freien und demokratischen Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung markiert den politischen Neubeginn einer Nation, die gerade erst den Ersten Weltkrieg hinter sich gelassen hatte. Die Niederlage, der Sturz des Kaiserreichs, die Abdankung Wilhelms II. und die revolutionären Unruhen der Vormonate hatten ein Machtvakuum geschaffen, das nach einer neuen, legitimierten Ordnung verlangte. Inmitten von Hunger, Inflation, politischer Gewalt und gesellschaftlicher Unsicherheit wurde an diesem Januartag deutlich, welche Kräfte die Zukunft gestalten würden. Ein Land im Umbruch Die Wahl vom 19. Januar 1919, deren endgültiges Resultat am 25. Januar veröffentlicht wurde, brachte mehrere historische Neuerungen. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte durften Frauen nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden – ein Meilenstein, der die gesellschaftliche Moder...

Trumps neu gegründeter Friedensrat – Wenn der Brandstifter den Feuerlöscher patentiert

Die Welt hält kurz inne. Nicht aus Ehrfurcht, sondern aus jener besonderen Form des Staunens, die entsteht, wenn das Gehirn kurz neu starten muss. Donald Trump hat einen Friedensrat gegründet. Ein Friedensrat. Vom Mann, der internationale Diplomatie jahrelang behandelte wie einen Wrestling-Kampf mit schlechter Lichtregie und sehr viel Geschrei. Man stelle sich das Bild vor: Ein Wolf eröffnet ein Wochenendseminar zum Thema „Herdenschutz für Anfänger“. Ein pyromanischer Drache bringt einen DIN-zertifizierten Feuerlöscher auf den Markt. Genau dort, zwischen Absurdität und Performancekunst, positioniert sich nun Trumps neuestes Projekt. Der Friedensrat wirkt weniger wie ein politisches Gremium und mehr wie ein Spin-off von The Apprentice: Global Chaos Edition . Die Zusammensetzung – Kompetenz ist relativ Offiziell besteht der Rat aus „den besten Köpfen“. In der Trump-Übersetzung bedeutet das: Menschen, die ihm treu ergeben sind, im Fernsehen gut aussehen oder zumindest schon einmal i...

Das Gold von Kalifornien - Der 24. Januar 1848 als Wendepunkt der Moderne

Am 24. Januar 1848 ereignete sich ein Fund, der die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Vereinigten Staaten – und indirekt der gesamten Welt – nachhaltig beeinflusste: In Sutter’s Mill nahe Coloma, Kalifornien, entdeckte der Zimmermann James W. Marshall Gold. Dieses scheinbar zufällige Ereignis zählt zu den prägendsten Momenten des 19. Jahrhunderts. Es löste den Kalifornischen Goldrausch aus, der Millionen Menschen in Bewegung setzte, Migration verstärkte, Industrialisierungsprozesse beschleunigte und die territoriale wie politische Entwicklung der USA entscheidend prägte. Der historische Moment Marshall arbeitete am Bau einer Sägemühle für den Unternehmer John Sutter, als er glänzende Partikel im Wasser des American River bemerkte. Nach einigen einfachen Tests stand für ihn fest, dass es sich um Gold handeln musste. Die Nachricht verbreitete sich zunächst langsam, doch bereits im Laufe des Jahres 1848 erreichte sie San Francisco und löste eine Migrationswelle aus. Binnen eines...

Aufstand für Freiheit - Der Polnische Januaraufstand von 1863 – Wendepunkt im Kampf um nationale Selbstbestimmung

Der 23. Januar 1863 markiert den Ausbruch des Polnischen Januaraufstands, einer der bedeutendsten Erhebungen des 19. Jahrhunderts gegen die russische Herrschaft. Dieses historische Ereignis steht exemplarisch für den hartnäckigen Kampf unterdrückter Nationen um politische Selbstbestimmung und kulturelle Identität. Der Aufstand hatte seine Wurzeln in den Teilungen Polens, die das Land Ende des 18. Jahrhunderts von der politischen Landkarte verschwinden ließen. Besonders das Russische Kaiserreich verfolgte eine konsequente Politik der Russifizierung: Polnische Sprache und Kultur wurden systematisch zurückgedrängt, politische Freiheiten eingeschränkt und oppositionelle Stimmen unterdrückt. Als im Jahr 1863 die Zwangsrekrutierung junger Polen in die russische Armee angekündigt wurde, entzündete sich der Widerstand. In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar begann eine schlecht ausgerüstete, aber hochmotivierte Bewegung von Patrioten, Intellektuellen und Bauern den Aufstand. Trotz großer Ents...

Der lange Schatten des 22. Januar 1879 – Die Schlacht von Isandhlwana

Der 22. Januar 1879 gehört zu den markantesten Daten des 19. Jahrhunderts: An diesem Tag erlitt das Britische Empire in der Schlacht von Isandhlwana eine unerwartet schwere Niederlage gegen das Königreich der Zulu. Dieser Zusammenstoß steht beispielhaft für koloniale Fehleinschätzungen, militärische Überheblichkeit und den dramatischen Kontakt zweier völlig unterschiedlicher Gesellschaftssysteme. Als britische Einheiten Anfang 1879 ohne formale Kriegserklärung in Zululand eindrangen, gingen sie davon aus, die politischen Strukturen des Königreichs rasch unterwerfen zu können. Technologische Überlegenheit – moderne Gewehre, Artillerie und europäische Ausbildung – schien die britische Position zu sichern. Doch diese Annahmen erwiesen sich als fatal. Das Zulu-Heer unter König Cetshwayo war hervorragend organisiert, operierte flexibel und konnte mit schnellen Umfassungsbewegungen klassische europäische Linienaufstellungen ausmanövrieren. Am Morgen des 22. Januar lagerte ein britisches Ko...

Mittelmächte im Zeitalter der Festungen – Kanadas „wertebasierter Realismus“ als Programm und Warnung

Bei der Vielzahl an Reden auf dem diesjährigen World Economic Forum in Davos hat mich – unter allen Beiträgen – die Ansprache des kanadischen Premierministers Mark Carney besonders überzeugt. Sie sticht heraus, weil sie die gegenwärtige Weltlage nicht beschönigt, sondern als das beschreibt, was sie zunehmend ist: ein System wachsender Rivalität zwischen Großmächten, in dem wirtschaftliche Verflechtung immer häufiger als Druckmittel eingesetzt wird. Carney sprach vor dem Hintergrund sich zuspitzender geopolitischer Spannungen – zwischen Russland, China und den Vereinigten Staaten – und in einem Moment, in dem die internationale Ordnung zusätzlich durch sehr konkrete Konfliktlinien belastet wird: Der US-Präsident Donald Trump droht Verbündeten mit Zöllen und treibt zugleich die Idee voran, Grönland von Dänemark zu erwerben – ausgerechnet von einem NATO-Partner. In dieser Konstellation gewinnt Carneys zentrale Botschaft eine besondere Schärfe: Mittelmächte dürfen sich nicht mehr darauf v...

Satirische deutsche Geschichte nach 1945 – Ein Blick durch die schiefe Brille

Wer sagt, dass Lachen nicht politisch ist, war noch nie auf einem deutschen Kabarettabend. Seit 1945 hat sich die Satire hierzulande durch Trümmer, Teilung, Terror und Twitter gekämpft – und dabei immer wieder bewiesen: Ein guter Witz kann mächtiger sein als tausend Seiten Koalitionsvertrag. 1945: Staub, Schutt und ein sarkastisches „Na toll“ Deutschland liegt in Trümmern. Und doch – irgendwo in einer verrauchten Kellerbar macht jemand einen Witz über die Besatzungsmächte. Das Publikum lacht. Nicht, weil es lustig ist, sondern weil es muss. Kabaretts schossen aus dem Boden, so schnell wie Schwarzmarkt-Zigaretten auftauchten. Themen: Schuld, Neubeginn, der seltsame Alltag in einem Land, das gleichzeitig alles hinter sich lassen und neu anfangen will. Brecht schrieb Theater, Grass später bissige Romane – und beide lieferten das Fundament für eine Satire, die den Finger in jede Wunde legte. Die 60er: Lange Haare, kurze Geduld Die Jugend rebelliert – und bringt frischen Wind ins Kabarett....

Die Wannseekonferenz – Bürokratisierung des Verbrechens und die Radikalisierung der NS-Politik

Der 20. Januar 1942 markiert eines der düstersten Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte: die Wannseekonferenz . In einer Villa am Großen Wannsee in Berlin kamen hochrangige Vertreter des nationalsozialistischen Regimes zusammen, um unter Vorsitz von Reinhard Heydrich die organisatorischen Grundlagen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ zu koordinieren. Dieses Treffen steht sinnbildlich für die fatale Verbindung von moderner Verwaltung, technokratischer Präzision und staatlich geplantem Massenmord. Bürokratische Effizienz im Dienst des Unrechts Die Sitzung dauerte kaum länger als 90 Minuten. Dennoch hatte sie eine enorme Tragweite. Bereits vor 1942 hatte das Regime Millionen Jüdinnen und Juden entrechtet, deportiert und in Massenerschießungen ermordet. Die Wannseekonferenz diente nicht der Entscheidungsfindung – die Vernichtung war längst beschlossene Politik –, sondern der zentralen Abstimmung zwischen Reichsbehörden , um die Deportationen in die Vernichtungsla...

Der erste demokratische Urnengang der Deutschen – Wendepunkt nach dem Ersten Weltkrieg

Am 19. Januar 1919 fand in Deutschland ein Ereignis statt, das in mehrfacher Hinsicht eine historische Zäsur markierte: die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung . Es war die erste reichsweite Wahl nach dem Ende der Monarchie – und zugleich die erste allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl , an der Frauen aktiv und passiv teilnehmen durften. Damit vollzog sich in einem einzigen Wahlgang ein Schritt, für den andere Länder Jahrzehnte benötigten. Aufbruch in eine neue Staatsform Deutschland stand seit der Novemberrevolution vor der Aufgabe, eine politische Ordnung jenseits der kaiserlichen Strukturen zu schaffen. Der Zusammenbruch der alten Ordnung, die Kriegsniederlage und die sozialen Spannungen machten schnelle Reformen notwendig. Die Wahl am 19. Januar bildete den ersten demokratisch legitimierten Schritt auf dem Weg zur Weimarer Reichsverfassung, die im August 1919 in Kraft trat. Für die Wahl galten Regeln, die für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär war...