Alex Pretti (37), Krankenpfleger in Minneapolis, wurde am 24. Januar 2026 bei einer Aktion von Bundes-Immigrationsbehörden erschossen. Mehrere Handyvideos und Medien-Analysen widersprechen dabei der frühen offiziellen Erzählung aus dem Heimatschutzministerium (DHS), wonach es sich um „Notwehr“ gehandelt habe. Die zentrale Kontroverse: Pretti soll bereits entwaffnet bzw. nicht unmittelbar bedrohlich gewesen sein, als die tödlichen Schüsse fielen.
Aus meiner Perspektive sind daran ein paar Dinge nicht einfach „bedauerlich“, sondern strukturell brandgefährlich:
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Militarisierung des Staates gegen Zivilgesellschaft
Wenn maskierte, schwer bewaffnete Bundeskräfte in Städten operieren, eskalieren sie Konflikte nicht zufällig, sondern systematisch. Das trifft besonders Communities, in denen ohnehin Misstrauen gegenüber Sicherheitsbehörden herrscht. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Angst, Radikalisierung, Gewaltspiralen – und am Ende zahlen normale Leute den Preis. -
Deutungshoheit vor Aufklärung (Propaganda-Speedrun)
Politische Spitzen und Behörden verbreiteten sehr früh harte Labels („inländischer Terrorismus“), ohne transparent belegte Grundlage – und während Videos gleichzeitig Fragen aufwerfen. Das ist die Umkehr rechtsstaatlicher Logik: erst stigmatisieren, dann ermitteln. -
Rechtsstaat heißt: Kontrolle der Exekutive, nicht Fanclub
Forderungen nach unabhängiger Untersuchung sind keine „Anti-Polizei-Hysterie“, sondern demokratische Hygiene. Wenn sogar von möglicher Beweismanipulation die Rede ist und Gerichte eingreifen müssen, ist das ein Warnsignal in Leuchtreklame. -
Was wir hier zwingend verteidigen müssen
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Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit (auch gegen den Staat).
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Transparente, unabhängige Kontrolle bewaffneter Behörden.
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Verhältnismäßigkeit statt Einschüchterungspolitik.
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Eine Migrationspolitik, die nicht auf performativer Härte basiert, sondern auf Recht, Integration, Arbeit, sozialer Sicherheit.
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Stellungnahme zu Obamas Äußerungen
Obama nennt den Fall einen „Weckruf“, kritisiert einschüchternde Taktiken (u.a. maskierte Bundeskräfte) und unterstützt friedlichen Protest. Inhaltlich: richtig. Ein demokratischer Staat darf nicht so tun, als seien Grundrechte optionales Zubehör – besonders nicht, wenn eine Bundesbehörde mit Gewalt Fakten schafft.
Aber (und hier kommt der Teil, den man nicht weglächeln sollte): Obamas moralische Klarheit wirkt glaubwürdiger, wenn sie mit politischer Selbstkritik gekoppelt ist. Unter seiner Präsidentschaft gab es historisch hohe Abschiebezahlen und eine starke Verflechtung von Polizei/Kommunen und Immigration Enforcement, die von Bürgerrechtsgruppen massiv kritisiert wurde. Das relativiert nicht seine aktuelle Aussage – es zeigt nur: Wer „Weckruf“ sagt, sollte auch sagen, wer jahrelang den Wecker auf Snooze gedrückt hat.
Meine Meinung
Es gibt diese Momente, in denen eine Demokratie kurz stehen bleibt und sich fragen muss, ob sie eigentlich noch weiß, was sie sein will. Der 24. Januar 2026 war so ein Moment: Alex Pretti, Krankenpfleger, US-Bürger, wird in Minneapolis von Bundes-Immigrationskräften erschossen. Und wie so oft beginnt danach das zweite Drama: das um die Wahrheit.
Denn während Behörden schnell „Notwehr“ sagen, sagen Videos etwas viel Unangenehmeres: Moment mal – war der Mann nicht bereits entwaffnet? Hatte er nicht eher ein Handy als eine Bedrohung in der Hand? Wenn die öffentliche Wahrnehmung näher an der Smartphone-Aufnahme hängt als an der Pressekonferenz einer Behörde, dann hat nicht „die Gesellschaft das Vertrauen verloren“ – dann hat der Staat es verspielt.
Und dann diese Rhetorik. Kaum ist das Blut getrocknet, fliegen Begriffe wie „inländischer Terrorismus“ durch den Raum. Das ist nicht Aufklärung, das ist Vorverurteilung mit Megafon. Wer so spricht, will nicht verstehen, was passiert ist – er will die Deutungshoheit besetzen, bevor jemand Fragen stellt. Rechtsstaatlich ist das ungefähr so elegant wie eine Hausdurchsuchung mit Konfetti-Kanone: viel Show, wenig Substanz.
Aus meiner Sicht ist das der Kern: Der Staat hat ein Gewaltmonopol – und deshalb die höchste Bringschuld zur Selbstbegrenzung. Wenn bewaffnete, teils maskierte Bundeskräfte im öffentlichen Raum operieren wie in einem schlechten Actionfilm, dann ist das keine „Sicherheitsstrategie“. Das ist eine Eskalationsmaschine. Und Eskalationsmaschinen treffen nie die, die sich das im Thinktank ausgedacht haben. Sie treffen Passanten. Familien. Arbeiterinnen und Arbeiter. Leute wie Alex Pretti.
Ja, Obama nennt das einen Weckruf. Da hat er recht. Es ist ein Weckruf, dass Grundrechte nicht nur dann gelten, wenn es politisch bequem ist. Es ist ein Weckruf, dass „Law and Order“ ohne Law nur noch Order ist – und Ordnung ohne Recht ist schlicht Macht.
Aber wenn wir schon wach sind, dann bitte richtig: Auch die liberalen und demokratischen Lager haben in den letzten Jahrzehnten gern mit Abschiebe- und Enforcement-Zahlen Politik gemacht. Rekordwerte unter Obama sind dokumentiert – das heißt nicht, dass sein heutiger Satz falsch ist. Es heißt nur: Moralische Empörung ist überzeugender, wenn sie nicht so tut, als sei die eigene Vergangenheit ein unbeschriebenes Blatt.
Was jetzt?
Keine religiösen Debatten darüber, ob man Bundesbehörden „mögen“ darf. Sondern das Langweilige, das Erwachsene tun: unabhängige Ermittlungen, Transparenz, Bodycam-/Videoauswertung, klare Verantwortlichkeiten, Konsequenzen. Und politisch: eine Migrations- und Sicherheitsarchitektur, die nicht auf Einschüchterung basiert, sondern auf Recht, sozialer Stabilität und menschlicher Würde. Das ist nicht „linksromantisch“. Das ist das Mindestprogramm einer Demokratie, die nicht aus Versehen zur Kulisse werden will.
Und an alle, die jetzt reflexhaft „Aber er war bewaffnet!“ rufen: Selbst wenn das stimmt – der Rechtsstaat ist kein Nervenkostüm, das bei Stress reißt. Gerade dann muss er halten. Sonst hält am Ende gar nichts mehr.
Meine Quellen:
https://www.theguardian.com/us-news/2026/jan/25/alex-pretti-killing-calls-for-investigation
https://www.zeit.de/video/2026-01/alex-pretti-minneapolis-videoanalyse
https://tracreports.org/tracatwork/detail/A6019.html
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