Direkt zum Hauptbereich

Rechtsruck mit Ansage - Wie NIUS und eXXpress Meinungsmacht organisieren

Bezug: Artikel im STANDARD.AT https://www.derstandard.at/story/3100000291031/wie-nius-und-exxpress-die-rechts-rechte-wende-vorbereiten


Wer bestimmt in aufgeheizten Zeiten, worüber wir reden – und wie wir darüber reden? Der Blick auf NIUS (Deutschland) und eXXpress (Österreich) zeigt, wie politisch ausgerichtete Medienplattformen eine gemeinsame Erzählung formen: Gegen „Eliten“, gegen „Mainstream“, gegen „woke“ Politik – und stets mit dem Versprechen, die „Stimme der Mehrheit“ zu sein. Entscheidend ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern die Methode.

Verzahnung und Einfluss In Österreich hat eXXpress seit 2021 eine feste Nische: boulevardiges Tempo, scharfe Schlagzeilen, ein klarer Frame gegen Grüne, liberale Kulturpolitik und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Parallel baut NIUS in Deutschland seit 2023/24 ein reichweitenstarkes Video- und Social-Ökosystem auf. Bemerkenswert: die Kapital- und Kooperationsbrücke. Über die Betreiberfirma von NIUS (VIUS) sind Beteiligungen am eXXpress entstanden – und damit ein transnationaler Resonanzraum, in dem Themen, Talking Points und Personalien zirkulieren. So wird aus nationaler Empörung ein grenzüberschreitendes Dauerfeuer an Aufregern.

Kampagnenmechanik statt Aufklärung Das Erfolgsrezept lautet: starke Feindbilder, serielle Skandalisierung, aggressive Framing-Begriffe („Zwang“, „Verbote“, „Umerziehung“), zugespitzte Clips fürs Social-Scrollen. Journalistische Sorgfalt – Kontext, Gegenstimmen, Korrekturen – tritt dabei oft hinter Schlagkraft zurück. Wer widerspricht, wird in der eigenen Erzählung zum Teil „des Systems“. So entsteht eine selbstverstärkende Echokammer, die Aufmerksamkeit in Zustimmung ummünzen will – weniger durch Argumente als durch Affekte.

Warum das politisch zählt Solche Medienmilieus sind keine Randphänomene. Sie prägen Agenda und Sprache, setzen klassische Medien unter Druck und verschieben das Sagbare. In Wahljahren wird das zum Faktor: Wer Themenfelder wie Migration, Klima, öffentlicher Rundfunk oder „Gender“ permanent maximal auflädt, gestaltet den Rahmen, in dem Parteien punkten – und normalisiert eine Politik des Daueralarms. Die Grenzüberschreitung – ob durch Halbwahrheiten, überzeichnete Gegnerschaft oder insinuierende Headlines – ist kein Unfall, sondern Teil des Produkts.

Was wir daraus lernen sollten Für Schülerinnen, Studierende und politisch Interessierte heißt das: Quellen checken, Frame erkennen, Muster entlarven. Wer spricht? Wem nützt die Zuspitzung? Welche Fakten fehlen? Medienkompetenz ist hier nicht „nice to have“, sondern demokratische Selbstverteidigung. Ein pluraler Diskurs braucht harte Debatte – aber auch Standards. Wo sie systematisch unterlaufen werden, entsteht keine „Gegenöffentlichkeit“, sondern ein verkürzter Blick auf Wirklichkeit.

  

💬 Hinweis für Redaktionen und Blogbetreiber

Wenn Sie diesen Beitrag informativ finden, dürfen Sie ihn gerne zitieren oder verlinken.

Ich freue mich über jede Weiterverbreitung und sachliche Diskussion.

❦ Bitte geben Sie bei Übernahme die Quelle an:
meinekommentare.blogspot.com

*Hinweis gemäß Art. 52 DSA (digital service act der EU) – seit 01.08.2025 verpflichtend: Das verwendete Bild- und Grafikmaterial ist KI-generiert. Ausnahmen sind unter dem jeweiligen Objekt gekennzeichnet.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zitate: Arthur Schopenhauer und der Nationalstolz – Biografie und Deutung eines kritischen Gedankens

Arthur Schopenhauer (1788–1860) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts. Geboren in Danzig als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, verbrachte er seine Kindheit in Hamburg und studierte später Philosophie in Göttingen und Berlin. Früh beeinflusst durch Kant, entwickelte er eine eigene metaphysische Weltsicht, die stark vom indischen Denken sowie dem Pessimismus geprägt war. Sein Hauptwerk, Die Welt als Wille und Vorstellung (1819), wurde zunächst kaum beachtet, erlangte aber später große Wirkung, insbesondere auf Philosophen wie Nietzsche und Künstler wie Wagner oder Thomas Mann. Schopenhauer lebte zeitweise in Weimar, Frankfurt am Main und Italien und führte ein zurückgezogenes Leben, geprägt von kritischer Beobachtung der Gesellschaft. In seinem Spätwerk Parerga und Paralipomena (1851), einer Sammlung von Essays und Aphorismen, formuliert er diesen berühmten Gedanken. Diese Aussage ist eine scharfe Kritik an einer Haltung, die Schopenhauer als int...

aus der Geschichte: Die Internationale – Geschichte, Bedeutung und Wirkung einer Arbeiterhymne

"Die Internationale" ist eines der bekanntesten Lieder der internationalen Arbeiterbewegung und wurde im Laufe der Zeit zu einer Hymne für Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten und andere linke Bewegungen weltweit. Ihr Ursprung liegt im 19. Jahrhundert, einer Zeit tiefgreifender politischer und sozialer Umbrüche. Der Text von "Die Internationale" wurde 1871 von Eugène Pottier (1816–1887), einem französischen Kommunarden und Mitglied der Pariser Kommune, als Gedicht verfasst. Die Pariser Kommune, die vom 18. März bis 28. Mai 1871 existierte, gilt als eines der frühesten Beispiele einer Arbeiterregierung. Nach der blutigen Niederschlagung der Kommune durch französische Regierungstruppen verfasste Pottier das Gedicht als Ausdruck revolutionären Geists und als Appell an die Solidarität der unterdrückten Klassen. Die Vertonung des Textes erfolgte erst 1888 durch den belgischen Arbeiterkomponisten Pierre De Geyter (1848–1932), der in Lille lebte. Die Melodie ist kraftvoll...

Europa liebt Trump. Solange es WLAN und Cheeseburger gibt

Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an: dem orangenen in Washington. Die Erzählung, dass Trump „eine innere Angelegenheit der USA“ sei, ist niedlich. So wie zu glauben, ein Hausbrand im Nachbarhaus ginge dich nichts an, weil „es ja deren Wohnzimmer ist“. Für Europa ist Trump aus mehreren Gründen tödlich unpraktisch: Sicherheits- und Bündnispolitik : Ein US-Präsident, der NATO wie ein Netflix-Abo behandelt („Nutze ich das wirklich genug?“), ist für Europa ungefähr so beruhigend wie ein ausgelaufener Tanklastwagen vor der Haustür. Klimapolitik : Während Europa sich mühsam an Klimaziele klammert, bläst ein trumpistisches Amerika fröhlich CO₂ in die Luft und erklärt den Klimawandel zur Meinungssache. Ist auch klar: Die Atmosphäre kennt bekanntlich Landesgrenzen. Genau wie WLAN. Rechtsruck als Exportgut : Trumpismus ist nicht einfach US-Innenpolitik, er ist Markenware. Ein Franchise für autoritäre Ego-Showpolitik, das sich in Europa bestens verkauft – von Orbán über Le Pen bis z...