Direkt zum Hauptbereich

Warum die Junge Union mit ihren Forderungen zum Rentenbeschluss 2025 doch recht hatte (und warum das niemand zugeben will)

Es ist ein bisschen wie in einem dieser mittelmäßigen deutschen Fernsehfilme: Die nervige Nebenfigur – in diesem Fall die Junge Union – war die ganze Zeit über unangenehm, rechthaberisch und latent besserwisserisch. Und am Ende hatten sie ausgerechnet die den richtigen Riecher.

2025 wollte die Große Koalition – getragen von einer Sozialdemokratie im Kuschelmodus – unbedingt etwas hinterlassen, das man als „sozial gerecht“ verkaufen konnte. Und wie immer, wenn das Etikett hübsch klingt, interessiert sich niemand für die Inhaltsstoffe. Die Rente sollte sicher bleiben, das Niveau stabil, die Beitragszahler ruhiggestellt. Ein bisschen Volksberuhigung, garniert mit großväterlicher Wärme.

Dass dabei sämtliche Warnsignale – vom demografischen Wandel über die gigantische Finanzierungslücke bis hin zum Realitätsverlust in der Erwerbsbevölkerung – mit erstaunlicher Konsequenz ignoriert wurden, störte vor allem die SPD nicht. Man war zu beschäftigt damit, sich für das "soziale Gewissen der Nation" zu halten. Schließlich hat man das Rentensystem ja quasi erfunden, also kann man es auch guten Gewissens ruinieren.

Die Junge Union stand derweil am Rand, mit hochgezogener Augenbraue, einem Taschenrechner in der Hand und der Charmeoffensive eines Steuerprüfers. Sie forderte, das Renteneintrittsalter dynamisch zu koppeln, die Zuschüsse zu deckeln und mehr Kapitaldeckung zu wagen. In der medialen Öffentlichkeit klang das natürlich wie: "Alte Menschen sollen arbeiten, bis sie umfallen, und am besten ihr Hab und Gut BlackRock überschreiben."

Aber siehe da: Jetzt, Ende 2025, klingen ihre Warnungen plötzlich gar nicht mehr so unverschämt. Der Rententopf leert sich schneller als ein Freibierfass auf dem JU-Parteitag, die Beitragssätze steigen, und die Politik beginnt, hektisch an kleinen Schrauben zu drehen, während das ganze System langsam auseinanderfällt – aber bitte ohne das Wort "Reform" zu benutzen, das könnte ja Wählerstimmen kosten.

Dass die Sozialdemokratie diesen Kurs bis zuletzt verteidigt hat wie ein Kapitän, der sich weigert, die Titanic überhaupt als Schiff zu bezeichnen, ist dabei nur noch tragikomisch. Es ging nicht um Zukunftsfähigkeit, es ging um Wohlfühlpolitik mit einem Hauch Klassenfahrt. Leider hat niemand daran gedacht, dass am Ende jemand die Rechnung bekommt. Und das sind, wie immer, die Jüngeren – die, die man ständig „mitnehmen“ will, aber nie fragt, ob sie überhaupt eingeladen wurden.

Vielleicht – und das ist ein hässlicher Gedanke – war es falsch, die unbequeme Wahrheit aus Prinzip zu ignorieren, nur weil sie von Anzugträgern unter 30 mit Haargel kam. Vielleicht braucht gerechte Politik eben nicht nur Herz, sondern auch Hirn. Und einen Taschenrechner.

💬 Hinweis für Redaktionen und Blogbetreiber

Wenn Sie diesen Beitrag informativ finden, dürfen Sie ihn gerne zitieren oder verlinken.

Ich freue mich über jede Weiterverbreitung und sachliche Diskussion.

❦ Bitte geben Sie bei Übernahme die Quelle an:
meinekommentare.blogspot.com

*Hinweis gemäß Art. 52 DSA (digital service act der EU) – seit 01.08.2025 verpflichtend: Das verwendete Bild- und Grafikmaterial ist KI-generiert. Ausnahmen sind unter dem jeweiligen Objekt gekennzeichnet.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Schwarze Löcher - Die CDU im Jahre 2025 – Eine Reise ins konservative Niemandsland

Noch ist es 2025. Friedrich Merz steht immer noch an der Spitze der CDU, oder sagen wir lieber: Er sitzt da, wie ein Chefarzt auf einer Station, auf der nur noch Placebos verteilt werden. Der Mann, der einst versprach, die Partei „zu alter Stärke“ zurückzuführen, steht nun mit einem Bein im Faxgerät und dem anderen im Aktienportfolio. Die CDU, das ist jetzt nicht mehr die „Partei der Mitte“, sondern eher der Parteitag der Mitte-Links-gegen-Mitte-Rechts-gegen-Mitte-Mitte. Merz selbst wirkt wie ein schlecht gelaunter Sparkassenberater, der dem Land erklärt, warum es gut ist, wenn keiner mehr weiß, wofür die CDU steht. Die „neue Klarheit“ besteht vor allem aus nostalgischem Nebel und neoliberaler Schonkost. Im Bundestag murmelt man inzwischen ehrfürchtig, die CDU wolle wieder „regierungsfähig“ werden. Das ist süß. Wie ein Vierjähriger, der behauptet, er werde Astronaut – obwohl er panische Angst vor der Badewanne hat. Merz ruft nach Ordnung, Leistung und Eigenverantwortung – also allem,...

Europa liebt Trump. Solange es WLAN und Cheeseburger gibt

Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an: dem orangenen in Washington. Die Erzählung, dass Trump „eine innere Angelegenheit der USA“ sei, ist niedlich. So wie zu glauben, ein Hausbrand im Nachbarhaus ginge dich nichts an, weil „es ja deren Wohnzimmer ist“. Für Europa ist Trump aus mehreren Gründen tödlich unpraktisch: Sicherheits- und Bündnispolitik : Ein US-Präsident, der NATO wie ein Netflix-Abo behandelt („Nutze ich das wirklich genug?“), ist für Europa ungefähr so beruhigend wie ein ausgelaufener Tanklastwagen vor der Haustür. Klimapolitik : Während Europa sich mühsam an Klimaziele klammert, bläst ein trumpistisches Amerika fröhlich CO₂ in die Luft und erklärt den Klimawandel zur Meinungssache. Ist auch klar: Die Atmosphäre kennt bekanntlich Landesgrenzen. Genau wie WLAN. Rechtsruck als Exportgut : Trumpismus ist nicht einfach US-Innenpolitik, er ist Markenware. Ein Franchise für autoritäre Ego-Showpolitik, das sich in Europa bestens verkauft – von Orbán über Le Pen bis z...

Zitate: Arthur Schopenhauer und der Nationalstolz – Biografie und Deutung eines kritischen Gedankens

Arthur Schopenhauer (1788–1860) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts. Geboren in Danzig als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, verbrachte er seine Kindheit in Hamburg und studierte später Philosophie in Göttingen und Berlin. Früh beeinflusst durch Kant, entwickelte er eine eigene metaphysische Weltsicht, die stark vom indischen Denken sowie dem Pessimismus geprägt war. Sein Hauptwerk, Die Welt als Wille und Vorstellung (1819), wurde zunächst kaum beachtet, erlangte aber später große Wirkung, insbesondere auf Philosophen wie Nietzsche und Künstler wie Wagner oder Thomas Mann. Schopenhauer lebte zeitweise in Weimar, Frankfurt am Main und Italien und führte ein zurückgezogenes Leben, geprägt von kritischer Beobachtung der Gesellschaft. In seinem Spätwerk Parerga und Paralipomena (1851), einer Sammlung von Essays und Aphorismen, formuliert er diesen berühmten Gedanken. Diese Aussage ist eine scharfe Kritik an einer Haltung, die Schopenhauer als int...