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vor einem Jahr - J.D. Vance Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz


J.D. Vance, dieser selbsternannte Leuchtturm des gesunden Menschenverstands, trat auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf wie ein schlecht gelaunter Onkel auf einer Familienfeier – laut, unangenehm und überzeugt davon, dass er als Einziger die Wahrheit kennt. Anstelle einer sicherheitspolitischen Einordnung zum Ukraine-Krieg – was der Anlass der Konferenz gewesen wäre, aber warum sich mit Details aufhalten – servierte er ein Potpourri aus halbgaren Vorurteilen, schlecht kaschierter Europaverachtung und, man muss es sagen, einer bemerkenswerten Ignoranz gegenüber den Grundlagen von Demokratie und Rechtsstaat.

Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, das alte populistische Lieblingsmärchen aufzuwärmen: Die Meinungsfreiheit in Europa sei bedroht! Ja, wirklich – in seinen Augen leben wir offenbar in einem Kontinent voller Meinungsstasi und Gedankenpolizei, wo jede abweichende Meinung mit einem Hausverbot im Café und einer nächtlichen Razzia geahndet wird. Besonders tragisch ist dabei, dass Vance gar nicht bemerkt, wie sehr er sich selbst in bester autoritärer Tradition bewegt – indem er suggeriert, dass Rechtsstaatlichkeit und demokratische Prinzipien eigentlich nur Tarnbegriffe für eine "linke Unterdrückungsagenda" seien. Bravo, J.D., ein intellektueller Salto rückwärts in die Welt von Fox News und Telegram-Kanälen.

Seine „Beispiele“ – also, nennen wir sie ruhig Märchen aus dem Land der verzerrten Wahrnehmung – zeigen das Niveau dieser Showeinlage: Die Annullierung einer Wahl nach nachgewiesener ausländischer Einflussnahme? In Vances Welt offenbar ein Skandal – weil Demokratie seiner Meinung nach bedeutet, dass alles erlaubt sein muss, außer wenn er dagegen ist. Ironie ist ihm vermutlich ebenso fremd wie das Konzept von Gewaltenteilung.

Zum Glück saß Boris Pistorius nicht nur physisch, sondern auch rhetorisch aufrecht und zeigte, dass Europa zwar Meinungsfreiheit liebt, aber keine Lust hat, sich von einem amerikanischen Mikrofonkrieger das kleine Einmaleins der Demokratie erklären zu lassen. Europas Demokratien sind nicht perfekt, aber sie sind auch kein Freizeitpark für antieuropäische Projektionsfantasien.

Also danke, J.D. Vance, für diesen wertvollen Beitrag – als Mahnung, was passiert, wenn Meinung ohne Ahnung zum außenpolitischen Programm wird.

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