Die Gründung des US-amerikanischen Committee on Internal Security – Ein Wendepunkt der frühen McCarthy-Ära
Der 9. Februar des Jahres 1950 markiert in der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten einen tiefgreifenden Einschnitt: An diesem Tag beschloss das Repräsentantenhaus die Einrichtung des Committee on Internal Security, eines ständigen Ausschusses, der mit weitreichenden Befugnissen zur Überwachung, Untersuchung und Bekämpfung vermeintlicher subversiver Aktivitäten ausgestattet war. Damit institutionalisierten die USA eine der zentralen Säulen der später sogenannten McCarthy-Ära – einer Phase politischer Hysterie, in der der Antikommunismus zu einem beherrschenden innenpolitischen Paradigma wurde.
Hintergrund: Die wachsende Angst vor kommunistischer Unterwanderung
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärften die sich abzeichnenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion das innenpolitische Klima. Die Berlin-Blockade (1948/49), der Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg (1949) und die Entwicklung sowjetischer Atombomben verstärkten die Befürchtung, die kommunistische Weltbewegung könnte auch innerhalb der USA an Einfluss gewinnen. Diese Angst vor einem ideologisch motivierten Gegner wurde zu einem mächtigen politischen Motor.
Bereits in den 1930er und 1940er Jahren bestanden temporäre Untersuchungsausschüsse – allen voran das House Un-American Activities Committee (HUAC). Doch der Beschluss vom 9. Februar 1950 führte zu einer Verstetigung und Ausweitung solcher Instrumente: Das neue Committee on Internal Security erhielt den Auftrag, systematisch gegen Organisationen, Personen und mutmaßliche Netzwerke vorzugehen, die verdächtigt wurden, die verfassungsmäßige Ordnung der USA zu bedrohen.
Die unmittelbare politische Bedeutung
Auffällig ist der zeitliche Zusammenhang: Nur einen Tag zuvor, am 9. Februar 1950, hielt Senator Joseph McCarthy seine berüchtigte Rede in Wheeling (West Virginia), in der er behauptete, das US-Außenministerium sei von Kommunisten unterwandert. Die Gründung des neuen Ausschusses fiel also nicht nur in ein aufgeheiztes politisches Umfeld, sondern verstärkte dieses Klima zusätzlich. Zwar operierten Senat und Repräsentantenhaus unabhängig, doch die Ereignisse markieren in ihrer Gleichzeitigkeit den Beginn eines Jahrzehnts, das vom Kampf gegen den Kommunismus geprägt sein sollte.
Das Committee on Internal Security entwickelte sich zu einem der wichtigsten Instrumente zur politischen Kontrolle und zur Einschüchterung tatsächlicher oder vermeintlicher politischer Gegner. Schriftsteller, Künstler, Gewerkschafter und Intellektuelle gerieten zunehmend unter Druck; Loyalitätstests und öffentliche Anhörungen wurden zum Alltag. Auch wenn die Maßnahmen häufig auf fragwürdigen Anschuldigungen beruhten, hatten sie teilweise massive soziale und berufliche Konsequenzen – nicht zuletzt durch sogenannte „Blacklists“, die Menschen faktisch vom Arbeitsmarkt ausschlossen.
Langfristige Folgen und Bewertung
Historikerinnen und Historiker betrachten den 9. Februar 1950 als Teil eines entscheidenden Wendepunkts in der US-Geschichte. Die institutionelle Absicherung politischer Überwachung führte zu einem erheblichen Eingriff in Bürgerrechte und Meinungsfreiheit und wirkte weit über die Ära McCarthy hinaus. Erst in den späten 1960er Jahren, mit dem gesellschaftlichen Aufbruch und den Reformbewegungen unter Präsident Lyndon B. Johnson, begann eine systematische Abkehr von den repressiven Praktiken der 1950er Jahre.
Der Beschluss des Repräsentantenhauses vom 9. Februar ist somit nicht nur ein Datum in der Parlamentsgeschichte. Er repräsentiert einen politisch-kulturellen Paradigmenwechsel – den Übergang zu einer Politik der Angst, die über Jahre hinweg die öffentliche Debatte dominierte und das Vertrauen in staatliche Institutionen nachhaltig prägte.
Meine Quellen:
Klaus P. Fischer: Amerika im Kalten Krieg. Politik und Gesellschaft 1945–1960. München: C.H. Beck, 2001.
Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 5: Bundesrepublik und DDR 1949–1990. München: C.H. Beck, 2008.
Eckard Michels: Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1945–1991. München: C.H. Beck, 2021.
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