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Das Kommunistische Manifest


Der 21. Februar 1848 markiert eines der folgenreichsten Ereignisse des 19. Jahrhunderts: die Erstveröffentlichung des Kommunistischen Manifests durch Karl Marx und Friedrich Engels. Dieses knapp 30-seitige Schriftstück, im Auftrag des „Bundes der Kommunisten“ entstanden, wurde zu einem der einflussreichsten politischen Texte der Moderne. Seine Veröffentlichung fiel in eine Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher, sozialer und politischer Spannungen, die wenig später in den europäischen Revolutionen von 1848 kulminierten.

Ein Text für eine Epoche im Umbruch

Europa befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts in einem dramatischen Wandel. Industrialisierung, Landflucht und proletarische Verelendung prägten den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Zeitgleich erstarkten liberale, republikanische und sozialistische Bewegungen, die die als ungerecht erlebte politische Ordnung herausforderten.

In diesem Kontext entwarfen Marx und Engels eine radikale Diagnose: Die Geschichte sei eine Abfolge von Klassenkämpfen, an deren Ende die proletarische Revolution stehen müsse. Zentral war die These, dass sich das Bürgertum mit der Industrialisierung selbst seinen historischen Gegner geschaffen habe – eine arbeitende Klasse, die zunehmend organisiert und politisch aktiv wurde.

Ein prägnantes Beispiel aus dem Text veranschaulicht diese Logik:

„Was die Bourgeoisie vor allem produziert, ist ihr eigener Totengräber.“
Die Autoren beschrieben hier, wie die kapitalistische Entwicklung selbst die Kräfte hervorbringt, die zu ihrer Überwindung beitragen sollen – ein gedanklicher Ansatz, der später zur Grundlage verschiedener Arbeiterbewegungen und politischer Ideologien wurde.

Verbreitung und Wirkung

Obwohl die Erstausgabe nur in kleiner Auflage gedruckt wurde, verbreitete sich der Text rasch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Mit dem Ausbruch der Revolutionen von 1848 erhielt er zusätzliche Aufmerksamkeit, auch wenn sein unmittelbarer Einfluss auf die Aufstände begrenzt blieb.

Langfristig jedoch veränderte das Manifest das politische Denken des 19. und 20. Jahrhunderts tiefgreifend. Arbeiterparteien, Gewerkschaften, Befreiungsbewegungen und Intellektuelle griffen seine Analyse von Klassenverhältnissen auf. Historisch lässt sich die Wirkung des Textes in drei Schritten nachvollziehen:

  1. Theoretische Fundierung des Sozialismus: Marx und Engels gaben der bis dahin heterogenen Bewegung ein kohärentes ideologisches Fundament.

  2. Anstoß zur politischen Organisation: Der Gedanke einer internationalen Arbeiterbewegung förderte die Entstehung von Parteien und Gewerkschaften.

  3. Internationale Ausstrahlungskraft: Von Russland bis Lateinamerika beeinflusste das Manifest politische Programme und Transformationen – wenn auch in sehr unterschiedlichen Formen.

Ein Datum mit globaler Wirkung

Der 21. Februar 1848 steht für den Beginn einer der wirkmächtigsten politischen Ideen des modernen Zeitalters. Auch wenn viele Prognosen des Manifests nicht eingetreten sind, blieb seine Analyse sozialer Ungleichheit, ökonomischer Abhängigkeiten und politischer Machtverhältnisse bis heute Ausgangspunkt wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Diskussionen.

Meine Quellen:
Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. Erstausgabe London 1848; zahlreiche Nachdrucke, z. B. Dietz Verlag, Berlin.

Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 2: Von der Reformära bis zur industriellen und politischen „Deutschen Doppelrevolution“ 1815–1845/49, München 1987.

Deutsches Historisches Museum: Artikel „Revolution 1848/49“ (online).
 

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