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11. Februar 1990 - Mandelas Freilassung


Am 11. Februar 1990 verließ Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft das Gefängnis Victor Verster bei Paarl. Die Bilder seines Hand-in-Hand-Gangs mit Winnie Mandela gingen um die Welt – und markierten nicht nur das Ende seiner persönlichen Gefangenschaft, sondern einen politischen Kipppunkt: Von diesem Tag an war das südafrikanische Apartheidsystem irreversibel delegitimiert. Internationaler Druck, ökonomische Sanktionen und innergesellschaftliche Mobilisierung hatten die Grundlagen des Regimes bereits erodiert; Mandelas Freilassung machte die anstehende Transformation sichtbar – und unumkehrbar.

Der politische Kontext: De Klerks Kurswechsel

Neun Tage zuvor, am 2. Februar 1990, hatte Staatspräsident F. W. de Klerk im Parlament die Entbannung des African National Congress (ANC) und anderer Organisationen angekündigt – ein politischer Erdrutsch. Die Entscheidung war nicht allein moralisch motiviert; sie folgte der Einsicht, dass Repression Südafrikas internationale Isolation vertiefte und die ökonomische Krise verschärfte. Am 10. Februar kündigte de Klerk schließlich die unmittelbare Freilassung Mandelas an. Als Mandela am nächsten Tag vor dem Rathaus von Kapstadt sprach, verband er Versöhnung mit klaren politischen Forderungen: Ende der Apartheid, Beginn echter Verhandlungen und eine demokratische Ordnung mit gleichen Rechten.

Von der Symbolik zur Struktur: Der schwierige Weg der Verhandlungen

Die Freilassung war kein Endpunkt, sondern der Auftakt eines riskanten Verhandlungspfads. Mit CODESA I (Dezember 1991) und CODESA II (Mai 1992) begann ein institutioneller Prozess, in dem sich zuvor verfeindete Akteure auf einen Übergang verständigten. Rückschläge, Gewalt und Massaker – etwa Boipatong 1992 – zeigten, wie fragil der Wandel war. Dennoch setzte sich die Logik der Verhandlung gegen die Logik der Eskalation durch. Die Deklaration von Kempton Park, die Einsetzung technischer Komitees und die späteren Mehrparteienverhandlungen bereiteten das Terrain für die Wahlen von 1994, aus denen Mandela als erster schwarzer Präsident hervorging.

Internationale und heutige Bedeutung

Der 11. Februar 1990 ist damit mehr als ein südafrikanisches Datum. Er steht für die Fähigkeit politischer Systeme, unter Druck – innen wie außen – friedlich zu transformieren. Zugleich verweist er auf die Grenzen symbolischer Politik: Ohne belastbare Institutionen, rechtsstaatliche Garantien und inklusive Aushandlungsformate bleibt der Moment der Befreiung politisch unvollendet. Südafrikas Demokratie ringt bis heute mit Ungleichheit, Gewalt und ökonomischer Stagnation – doch die normativen Fundamente der Verfassung von 1996 gehen direkt auf jenen Wendepunkt zurück.

Mandela nannte Freiheit „eine Reise mit vielen Stationen“. Der 11. Februar zeigt, dass historische Tage zwar den Kurs ändern können, die Strecke aber politischer Handarbeit bedarf. Wer aus diesem Datum lernen will, sollte die Symbolik achten – und zugleich die mühselige Architektur des Kompromisses ernst nehmen.

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