Der Sturm auf das Epiphaniasfest 1919 – Wie der 6. Januar zum Wendepunkt der deutschen Revolution wurde
Der 6. Januar 1919 gehört zu jenen Tagen des 20. Jahrhunderts, an denen sich gesellschaftliche Spannungen explosionsartig entluden. Während die junge Weimarer Republik noch um Stabilität rang, entfaltete sich in Berlin ein Konflikt, der zu einem der dramatischsten Kapitel der deutschen Revolutionszeit wurde: der sogenannte Spartakusaufstand. Obwohl der Höhepunkt der Kämpfe erst am 5. und 6. Januar einsetzte, markierte gerade dieser Tag eine folgenschwere Eskalation – politisch, militärisch und psychologisch.
Aufbruch und Eskalation
Seit dem Sturz der Monarchie im November 1918 war Deutschland im Umbruch. Arbeiter- und Soldatenräte, bürgerliche Parteien, Militärführer und revolutionäre Gruppen kämpften um Einfluss. Der Rat der Volksbeauftragten, dominiert von der sozialdemokratischen Mehrheit, stand unter Druck. Der Auslöser der Januarkrise war die Absetzung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (USPD), die am 4. Januar bekannt gegeben wurde. Für viele Linke galt dies als Zeichen einer bewussten Schwächung der revolutionären Kräfte.
Am 6. Januar erreichte die Mobilisierung ihren Höhepunkt. Hunderttausende Demonstranten zogen durch Berlin, und bewaffnete Gruppen besetzten strategische Gebäude, darunter Verlagsgebäude großer Tageszeitungen. Doch diese Besetzungen wurden nicht durch eine klare Strategie getragen – vielmehr verbanden sich Frustration, politische Unerfahrenheit und die Hoffnung auf eine zweite revolutionäre Welle.
Der entscheidende Wendepunkt
Der 6. Januar endete ohne entscheidenden Durchbruch. Die Revolutionäre hatten es versäumt, staatliche Institutionen nachhaltig zu kontrollieren oder breite Bündnisse zu schmieden. Gleichzeitig nutzte die Regierung die Gelegenheit, Freikorps und regierungstreue Truppen zu mobilisieren. Die nächsten Tage führten zur blutigen Niederschlagung des Aufstands und zur Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar.
Die Ereignisse des 6. Januar sind weniger wegen eines einzelnen historischen Akts bedeutsam, sondern weil sie die entscheidende Weichenstellung markierten: eine Vertiefung der Spaltung zwischen MSPD und radikaler Linken, den Übergang von revolutionären Hoffnungen zu militärischer Gewalt und die langfristige Hypothek politischer Feindschaft, die die Weimarer Republik schwächte.
Einordnung
Der Tag zeigt exemplarisch, wie fragile Übergangszeiten sind. Politische Entscheidungen, Machtvakuum, Kommunikationsfehler und gesellschaftliche Erwartungen verbanden sich zu einem explosiven Gemisch. Der 6. Januar 1919 steht damit als Mahnung, wie leicht ein junger demokratischer Staat aus dem Gleichgewicht geraten kann, wenn Misstrauen den politischen Raum bestimmt.
Meine Quellen:
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Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1993.
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Dieter Groh / Klaus Tenfelde (Hrsg.): Die Revolution 1918/19 in Deutschland. Essen 1995.
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Michael S. Cullen: „Der Spartakusaufstand“, in: Informationen zur politischen Bildung, Nr. 329 (Bundeszentrale für politische Bildung).
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