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Die unsichtbare Macht der Sprache: Wie Frames unser Denken und Handeln steuern


Sprache ist mehr als ein Werkzeug zur Verständigung – sie prägt, wie wir die Welt wahrnehmen, fühlen und handeln. In der scobel-Sendung „Die unsichtbare Macht der Sprache“ wurde eindrücklich gezeigt, wie mächtig Frames – also sprachliche Deutungsrahmen – wirken können.

Sprache wirkt im Körper

Neurowissenschaftliche Studien zeigen: Worte bleiben nicht abstrakt im Kopf, sondern lösen körperliche Reaktionen aus. Sprache und Handlungsimpulse sind im Gehirn eng miteinander verknüpft. Deshalb beeinflussen Begriffe nicht nur unsere Gedanken, sondern versetzen uns unbewusst in bestimmte Zustände – sei es in Alarmbereitschaft, in Sorge oder in Vertrauen.

Diese Erkenntnis wird als embodied cognition bezeichnet: Denken ist verkörperlicht. Sprache aktiviert Netzwerke, die zugleich für Gefühle und Handlungen zuständig sind. Damit ist sie weit mehr als ein neutrales Medium.

Frames formen unsere Realität

Ein Frame ist ein gedanklicher Rahmen, durch den wir Informationen deuten. Welche Worte Politiker, Medien oder auch wir selbst wählen, entscheidet, wie wir Sachverhalte einordnen – und welche Handlungsoptionen wir sehen.

Ein bekanntes Beispiel ist die Formel: „Das Boot ist voll“.

  • Das Wort „Boot“ ruft Bilder von Enge, Instabilität und Bedrohung hervor.

  • Würde man stattdessen sagen „Das Schiff ist voll“, entstünde ein völlig anderes Bild: Schiffe sind groß, stabil, aufnahmefähig.

Die Fakten ändern sich nicht – aber die Wahrnehmung der Situation wird durch die Wortwahl grundlegend geprägt.

Politische Frames im Alltag

Die Macht der Sprache zeigt sich besonders in politischen Debatten:

  • Staatsausgaben: „Deutschlands Ausgaben explodieren“ klingt nach Gefahr und Kontrollverlust. „Deutschland investiert in die Zukunft“ weckt Hoffnung und Gestaltungswillen.

  • Klimapolitik: Der Begriff „Energiewende“ beschreibt Fortschritt und Innovation, während „Ökodiktatur“ Ängste vor Zwang und Bevormundung schürt.

  • Pandemiepolitik: Begriffe wie „Lockdown“, „Wellenbrecher“ oder „Pandemiepause“ rahmen dieselbe Maßnahme, aber mit völlig unterschiedlicher emotionaler Wirkung.

  • Migrationspolitik: „Wirtschaftsmigranten“ klingt nach Berechnung, „Arbeitssuchende“ nach Hoffnung, „Verfolgte“ nach Schutzbedürftigkeit.

Jedes dieser Wörter öffnet oder schließt Handlungsoptionen, noch bevor eine politische Entscheidung diskutiert wird.

Wie wir manipulative Frames erkennen

Da Frames fast immer unbewusst wirken, braucht es Strategien, um sie sichtbar zu machen:

  1. Körpercheck: Achte auf spontane körperliche Reaktionen – Anspannung, Ärger, Zustimmung. Sie verraten, welcher Frame gerade ausgelöst wurde.

  2. Metaphernjagd: Hinter vielen Begriffen steckt eine Metapher. Wer von „Sackgassen“ spricht, aktiviert ein ganz anderes Bild als jemand, der von einem „gemeinsamen Weg“ redet.

  3. Reframing: Trau dich, andere Begriffe zu wählen. Statt „Flüchtlingskrise“ etwa von einer „humanitären Herausforderung“ zu sprechen, eröffnet neue Perspektiven.

Frames sind nicht „böse“ – wir brauchen sie, um Komplexität zu ordnen. Doch sie tragen immer eine ethische Dimension. Wer Sprache bewusst einsetzt, trägt Verantwortung dafür, ob sie spaltet oder verbindet.

Die Zukunft unserer Demokratie hängt auch davon ab, ob wir Frames erkennen und bewusst gestalten. Wenn wir Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Stärke begreifen, kann Sprache vom Werkzeug der Manipulation zu einem Instrument der Verständigung werden.

Hier der Link zum Beitrag: https://youtu.be/wwW8tUlpmMY

 

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