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Brandmauer in der Politik - Warum auch die Merz‑CDU sie mit dem Arsch einreißt (und was das für die Demokratie bedeutet)


Irgendwo zwischen politischem Theater, sonntäglichem Haltungsturnen und der verzweifelten Suche nach Restwürde steht sie da: die Brandmauer. Hochgezogen aus rhetorischem Bauschaum, gestützt von Talkshow-Applaus und regelmäßig durchlöchert wie ein Schweizer Käse nach einem rechten Erdrutsch in irgendeinem ostdeutschen Kleinstadtparlament. Aber hey – sie steht. Irgendwie.

Die Brandmauer ist das, was man baut, wenn man keine echten Lösungen hat, aber sehr schöne Pressefotos. Ein symbolischer Schutzwall gegen den bösen Rand, errichtet von genau den Parteien, die mit ihren feuchten "Mitte"-Träumen und rückgratlosen Kompromissen diesen Rand jahrelang gedüngt haben.

Und natürlich ist auch die Merz-CDU standhaft – sie hält diese Brandmauer ein, mit aller konservativen Konsequenz. Also wirklich. Einhaltung vom Feinsten. Sie stellt sich entschlossen vor diese Mauer, zieht ein Kinn wie ein Parteitagsdenkmal und versichert uns, dass man auf keinen Fall mit der AfD koaliert. Auf keinen Fall. Es sei denn natürlich, es geht nur um Sacharbeit, oder um einen Landrat, oder einen Haushalt, oder irgendeinen anderen unauffälligen Winkel, in dem man das demokratische Abendland mal kurz mit dem Arsch einreißen kann, ohne dass das Abendjournal es gleich merkt.

Man stelle sich vor: Das Haus brennt lichterloh, der Dachstuhl kracht bereits ein, und die demokratischen Feuerwehrleute stehen außen und streichen mit moralischem Nagellack „BRANDMAUER“ auf das Gartentor. Dabei klopfen sie sich gegenseitig auf die Schulter, weil sie den Flammen ganz klar eine Absage erteilt haben.

Natürlich fällt niemand darauf rein. Außer... na ja, dem Publikum. Also uns. Wir klatschen tapfer bei jeder Talkshow-Brandmauerbekräftigung, als hätte man gerade das Feuer neu erfunden. „Klare Kante zeigen!“ ruft jemand mit besorgtem Gesichtsausdruck, während hinter ihm ein Stadtrat mit AfD-Stimme durchgewunken wird, aber nur aus rein sachpolitischen Gründen, versteht sich.

Fazit: Die Brandmauer ist das politische Äquivalent eines Latte Macchiato ohne Koffein – sieht irgendwie richtig aus, schmeckt nach nichts und hält garantiert niemanden wach.

Aber immerhin brennt’s schön warm. Und die Merz-CDU reicht den Marshmallows.

Kleines Glossar zur Brandmauer-Rhetorik (für ironieintolerante Demokrat*innen und andere Hobby-Feuerwehrleute):

Brandmauer
Symbolischer Schutzwall gegen die extreme Rechte, gebaut aus Worthülsen, Pressemitteilungen und moralischem Selbstlob. Effektivität vergleichbar mit einem Regenschirm im Flammenmeer.

Einhaltung
Wird oft behauptet, selten beobachtet. Besonders beliebt bei Politiker*innen, die öffentlich Empörung mimen und hinter verschlossenen Türen "aus rein sachpolitischen Gründen" die Streichhölzer weiterreichen.

Merz-CDU
Ein traditionsreicher Wanderzirkus zwischen Wirtschaftsliberalismus und Wertepatriotismus. Sagt ständig, was sie nicht macht, während sie es in Kommunalparlamenten testweise doch mal ein bisschen macht. Aber nicht aus Überzeugung – nur zur Übung.

"Keine Zusammenarbeit mit der AfD"
Mantraartige Beschwörungsformel, die wie ein Zauberspruch funktioniert: Je öfter man ihn sagt, desto weniger muss man darüber reden, warum’s schon wieder passiert ist.

Sacharbeit
Magischer Begriff, der es erlaubt, die Demokratie schleichend auszulagern, solange man dabei freundlich nickt und keine allzu blauen Parteifarben trägt. Auch bekannt als: „Notwehr im Anzug“.

Klare Kante
Politisches Deko-Wort, das den Eindruck von Haltung vermitteln soll, ohne versehentlich Konsequenz nach sich zu ziehen. Wird meist kurz vor einem Kniefall oder einem Rückzieher ausgesprochen.

"Nur auf kommunaler Ebene"
Übersetzung: Wir haben’s ja nicht mit der AfD gemacht – wir haben nur das gemacht, was die AfD wollte. Total unterschiedlich, wenn man’s laut genug sagt.

Demokratische Grundwerte
Wie das gute Porzellan: Wird bei Bedarf rausgeholt, bestaunt, kurz benutzt und dann wieder sorgsam verstaut, bis der nächste AfD-Kandidat auf einem Posten sitzt, den man angeblich nicht beeinflussen konnte.


 

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