Direkt zum Hauptbereich

Internationaler Katzentag: Warum wir unsere haarigen Diktatoren trotzdem lieben

Jedes Jahr am 8. August hält die Welt kollektiv den Atem an, um das einzig wahre herrschsüchtige Wesen unserer Zeit zu feiern: die Katze. Während Menschenrechte, Klimawandel und globale Krisen eher beiläufig behandelt werden, versammelt sich die digitale Gesellschaft, um einer Spezies zu huldigen, die buchstäblich nichts von uns hält.

Der Internationale Katzentag ist der Tag, an dem wir der Welt mitteilen: "Ich habe eine Katze, und sie hasst mich nur ein bisschen weniger als gestern." Wir posten Bilder von haarigen Fellknäueln mit überhöhter künstlerischer Bedeutung – als wären sie das Ergebnis einer göttlichen Inspiration und nicht einfach ein Wesen, das gerade in unsere Zimmerpflanze gekotzt hat.

Katzen – jene Tiere, die uns mit Verachtung strafen, wenn wir ihre Futterschale nicht mit der Exaktheit eines Mikrochirurgen befüllen. Die einzigen Lebewesen, die es schaffen, gleichzeitig majestätisch und erbärmlich auszusehen, während sie eine Fliege jagen und dabei gegen die Wand rennen.

Am 8. August beugen wir uns freiwillig dem flauschigen Regime. Wir kaufen teures Biofutter, während wir selbst Instantnudeln essen. Wir feiern ihre Krallen, während unser Sofa aussieht, als hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Warum? Weil das Internet sagt, dass Katzen süß sind.

In Wahrheit ist der Internationale Katzentag ein Spiegelbild unserer absurden Welt: Wir idealisieren das Desinteresse, romantisieren das Ignoriertwerden und nennen es Liebe. Katzen sind nicht unsere Haustiere. Sie sind unsere kleinen, haarigen Diktatoren – und wir lieben sie genau dafür.

Also: Hoch die Futternäpfe! Auf den Internationalen Katzentag – den einzigen Feiertag, bei dem die Ehrengäste gar nicht wissen, dass es ihn gibt. Und wenn doch, wäre es ihnen egal.

*Hinweis gemäß Art. 52 DSA (digital service act der EU) - seit 01.08.2025 verpflichtend:
Das verwendete Bild- und Grafikmaterial ist KI-generiert. Ausnahmen sind unter dem jeweiligen Objekt gekennzeichnet.
Creative Commons Lizenz 🔗 Hinweis für Redaktionen und Blogbetreiber:
Wenn Sie diesen Beitrag informativ finden, dürfen Sie ihn gerne zitieren oder verlinken.
Ich freue mich über jede Weiterverbreitung und sachliche Diskussion.

⚖️ Bitte geben Sie bei Übernahme die Quelle an:
meinekommentare.blogspot.com

Bücher von Ralf Schönert

Jetzt erhältlich bei diesen Buchhandlungen. Alles sinnvolle Alternativen zum großen Onlineriesen. #buyfromEU:

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zitate: Arthur Schopenhauer und der Nationalstolz – Biografie und Deutung eines kritischen Gedankens

Arthur Schopenhauer (1788–1860) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts. Geboren in Danzig als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, verbrachte er seine Kindheit in Hamburg und studierte später Philosophie in Göttingen und Berlin. Früh beeinflusst durch Kant, entwickelte er eine eigene metaphysische Weltsicht, die stark vom indischen Denken sowie dem Pessimismus geprägt war. Sein Hauptwerk, Die Welt als Wille und Vorstellung (1819), wurde zunächst kaum beachtet, erlangte aber später große Wirkung, insbesondere auf Philosophen wie Nietzsche und Künstler wie Wagner oder Thomas Mann. Schopenhauer lebte zeitweise in Weimar, Frankfurt am Main und Italien und führte ein zurückgezogenes Leben, geprägt von kritischer Beobachtung der Gesellschaft. In seinem Spätwerk Parerga und Paralipomena (1851), einer Sammlung von Essays und Aphorismen, formuliert er diesen berühmten Gedanken. Diese Aussage ist eine scharfe Kritik an einer Haltung, die Schopenhauer als int...

Europa liebt Trump. Solange es WLAN und Cheeseburger gibt

Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an: dem orangenen in Washington. Die Erzählung, dass Trump „eine innere Angelegenheit der USA“ sei, ist niedlich. So wie zu glauben, ein Hausbrand im Nachbarhaus ginge dich nichts an, weil „es ja deren Wohnzimmer ist“. Für Europa ist Trump aus mehreren Gründen tödlich unpraktisch: Sicherheits- und Bündnispolitik : Ein US-Präsident, der NATO wie ein Netflix-Abo behandelt („Nutze ich das wirklich genug?“), ist für Europa ungefähr so beruhigend wie ein ausgelaufener Tanklastwagen vor der Haustür. Klimapolitik : Während Europa sich mühsam an Klimaziele klammert, bläst ein trumpistisches Amerika fröhlich CO₂ in die Luft und erklärt den Klimawandel zur Meinungssache. Ist auch klar: Die Atmosphäre kennt bekanntlich Landesgrenzen. Genau wie WLAN. Rechtsruck als Exportgut : Trumpismus ist nicht einfach US-Innenpolitik, er ist Markenware. Ein Franchise für autoritäre Ego-Showpolitik, das sich in Europa bestens verkauft – von Orbán über Le Pen bis z...

aus der Geschichte: Die Internationale – Geschichte, Bedeutung und Wirkung einer Arbeiterhymne

"Die Internationale" ist eines der bekanntesten Lieder der internationalen Arbeiterbewegung und wurde im Laufe der Zeit zu einer Hymne für Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten und andere linke Bewegungen weltweit. Ihr Ursprung liegt im 19. Jahrhundert, einer Zeit tiefgreifender politischer und sozialer Umbrüche. Der Text von "Die Internationale" wurde 1871 von Eugène Pottier (1816–1887), einem französischen Kommunarden und Mitglied der Pariser Kommune, als Gedicht verfasst. Die Pariser Kommune, die vom 18. März bis 28. Mai 1871 existierte, gilt als eines der frühesten Beispiele einer Arbeiterregierung. Nach der blutigen Niederschlagung der Kommune durch französische Regierungstruppen verfasste Pottier das Gedicht als Ausdruck revolutionären Geists und als Appell an die Solidarität der unterdrückten Klassen. Die Vertonung des Textes erfolgte erst 1888 durch den belgischen Arbeiterkomponisten Pierre De Geyter (1848–1932), der in Lille lebte. Die Melodie ist kraftvoll...