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Generationen im Dissens: Warum jung und alt sich politisch fremd werden


In Deutschland verlaufen die Risse in der Gesellschaft längst nicht mehr nur entlang der alten Linien: Einkommen, Bildung, Herkunft. Immer deutlicher zeichnet sich ein anderer Konflikt ab – einer zwischen Generationen. Kein offener Schlagabtausch, kein lautstarker Feindmodus. Eher ein stilles Kopfschütteln, wenn das Gegenüber spricht.

Klimaschutz vs. Lebensleistung – zwei Blickwinkel, ein Ziel?

Ein besonders sichtbares Beispiel: die Klimapolitik.
Viele junge Menschen drängen auf radikale, sofortige Schritte, um die drohende ökologische Katastrophe abzuwenden. Für sie zählt das „Jetzt oder nie“. Ältere dagegen warnen vor Überforderung, sozialer Schieflage und dem Verlust hart erarbeiteter Lebensqualität. Was die einen als historische Wende feiern, wirkt für die anderen wie unvernünftiger Aktionismus. Und obwohl sich beide Positionen nicht zwingend widersprechen, verfestigt sich das Gefühl, dass sie einander im Weg stehen.

Bürgergeld, Rente, Wohnraum – wer bekommt wie viel vom Kuchen?

Auch im Sozialstaat zeigt sich die Spannung. Bürgergeld, Rentenreform, Generationengerechtigkeit – das sind keine nüchternen Fachthemen mehr, sondern Streitpunkte mit viel Emotion. Junge Menschen sehen steigende Beiträge, unsichere Renten, ein System, das ihnen Risiken hinterlässt. Ältere pochen auf Anerkennung für ein Leben voller Arbeit – und auf Sicherheit für den Ruhestand. Die Politik schafft es kaum, diese Gegensätze so zu vermitteln, dass beide Seiten das Gefühl haben: „Wir sitzen im selben Boot.“

Mediale Parallelwelten – ein Graben aus Algorithmen

Noch komplizierter wird es durch die Mediennutzung. Junge holen ihre Infos aus TikTok, Instagram, Podcasts. Ältere vertrauen auf Zeitung, Talkshows, Radio. Das Ergebnis: weniger gemeinsame Faktenbasis, weniger geteilte Debattenräume – und damit weniger Verständnis füreinander.

Zeit, Brücken zu bauen

Was helfen könnte? Mehr politische Bildung, mehr generationenübergreifende Projekte, ein politischer Diskurs, der alle einlädt. Aber dafür braucht es mehr als freundliche Worte. Es braucht die ehrliche Bereitschaft, das Lebensgefühl der anderen Generation nicht nur auszuhalten, sondern zu begreifen. Für eine Politik – auch eine sozialdemokratische –, die beide Seiten ernst nimmt.

Zwischen den Generationen liegt kein Abgrund der Ziele, sondern eine Brücke der Perspektiven – die noch keiner zu bauen wagt.

Was denkt ihr?

Gibt es diesen Generationenkonflikt wirklich – oder ist er überzeichnet?
Habt ihr persönliche Erfahrungen gemacht, die diesen Beitrag bestätigen oder widerlegen?
Was müsste geschehen, um wieder mehr gegenseitiges Verständnis herzustellen?

💬

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